Anthro-Fantasy: Karasu no shugo Tenshi (von Luna42 und Angelfeather13)

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  • Für die lieben fleißigen Leser hier:

    - Zurzeit arbeite ich an den Steckbriefen, den Kapiteln und der Übersetzung. Wobei die Übersetzung natürlich den größten Zeitaufwand hat.
    - Deutsche Fassung "Die Prophezeiung des Lichts - Teil 1 - Kapitel 1": karasunoshugotenshi.wixsite.co…apitel-1---die-entstehung
    - Englische Fassung "The Prophecy of Light - Part 1 - Chapter 1": karasunoshugotenshi.wixsite.co…-kapitel-1-die-entstehung
    - natürlich alles weiterhin erreichbar unter karasu-no-shugo-tenshi.de
    - Und für die, die gerne mal was neues von Angelfeather sehen wollen zum Thema Charaktere: Apollon (Corvus) ist nun auch mit einem Profilbild versehen

    Cornix cornici oculos non effodit. - Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.
  • Ich habe mein den ersten Beitrag editiert mit den richtigen Links und auch was sich an Teilen und Kapiteln inzwischen geändert hat. Ich hatte hier ja schon mal das Weihnachtsspecial angefangen. Inzwischen ist das fertig. Wer mag kann es ja mal lesen: karasu-no-shugo-tenshi.com/pro…il3-weihnachtsspecial.htm

    Auch wenn Weihnachten schon vorbei ist und bald Ostern ist. :justblink:
    Cornix cornici oculos non effodit. - Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.
  • Aktuell schreibe ich an Die Prophezeiung des Lichts - Himmel und Hölle weiter und habe für euch hier das dritte Kapitel. Wer nicht mehr weiß nach der langen Zeit, was passiert ist, hier sind Kapitel 1 und 2:

    - karasu-no-shugo-tenshi.com/prophezeiung-teil1-kapitel1.htm
    - karasu-no-shugo-tenshi.com/prophezeiung-teil1-kapitel2.htm

    Kapitel 3 - Die Magie des Lichts und der Dunkelheit

    "Papa! Sieh mal, was ich gebastelt habe“, rief die kleine sechsjährige Tochter von Candidus, einem weißen Wolf mit dunkelblauen Augen. Er trug ein abgetragenes Hemd und eine braune Lederhose sowie ein paar braune Lederschuhe, bei denen sich schon wieder eine Naht gelöst hatte. „Es ist wunderschön“, antwortete er, nachdem er das Gebilde aus Stöcken, Schnüren und Blumen betrachtete, dass seine Tochter dort zusammen gebastelt hatte. Es ähnelte einem Windspiel, nur das dieses keine Geräusche im Wind machen würde. Sie strahlte über das ganze Gesicht und war sehr stolz auf ihre Arbeit. „Sag Mama, dass ich hier bald fertig bin und wir dann essen können“, fügte Candidus nun noch hinzu. Er musste das Feld neu bestellen, damit auch für die kommenden Monate wieder genug zu essen vorhanden war. Mit seiner Arbeit war er fast schon fertig. Nur noch die letzten Samen mussten in die Erde. Seine kleine Tochter rannte sofort los, um ihrer Mutter die Nachricht zu überbringen. „Das mache ich“, rief sie noch im Rennen ihrem Vater zu. Candidus lebte mit seiner Frau, seiner sechsjährigen Tochter und seinem dreijährigen Sohn in einem kleinen Dorf namens Civitas. Die Häuser waren aus Lehm, Holz oder Stroh gebaut. Die Straßen nur aus Erde, wo immer wieder einzelne Löcher entstanden und zugeschüttet werden mussten. Fast jede Familie besaß ihr eigenes Feld. Als Candidus mit seiner Arbeit fertig war, ging er zu einer ihrer hölzernen Wassertonnen und schöpfte mit einem Tonkrug Wasser daraus, dass er sich über die Hände schüttete, um diese damit zu reinigen. Danach trocknete er sie mit einem Tuch ab und ging ins Haus. Sofort rannte sein kleiner Sohn auf ihn zu und wollte hoch gehoben werden. „Wen haben wir denn da?“, fragte er ihn, als er ihn hoch nahm und in hinauf in die Luft riss, „Wenn das nicht mein kleiner Liebling ist.“ Der kleine strahlte und lachte: „Papa! Papa, mach das nochmal!“ Candidus hielt mit einem Mal inne und ließ den Kleinen wieder herunter auf den Boden. Durch das Fenster konnte er erkennen, dass zwei Gestalten näher kamen und auch wenn sie langsam näher kamen, konnte er bereits ihre roten Augen erkennen. Oft hatte er schon den rotäugigen Wesen gehört, den Dämonen, aber gesehen hatte er sie noch nie. Man sagte, dass sie nachts in die Städte und Dörfer kamen und den Leuten das Blut aussaugten. Mit sanften Blick sah er zu seinem kleinen Sohn: „Papa ist gleich wieder da.“ Dann ging er nach draußen. Seine Frau begab sich zum Fenster und blickte nach draußen, um dem Geschehen zu folgen. Wer waren diese Leute, die dort kamen? Candidus lief den beiden Fremden entgegen: „Seit gegrüßt, was kann ich für euch tun?“ Die beiden Gestalten blieben vor ihm stehen: „Ab sofort herrscht der Fürst der Finsternis über diese Welt. Mach keinen Ärger und brav das, was verlangt wird.“ Sofort war Candidus klar, dass er gegen die beiden überhaupt nichts ausrichten konnte. Nicht nur weil es Dämonen waren, sondern auch rein vom Körperbau der beiden. Sie waren sehr muskulös und durch trainiert, während er nur ein einfacher Bauer war. Dennoch verstand er ihr Anliegen nicht wirklich: „Entschuldigt die Frage, aber wer ist denn dieser Fürst und was genau bedeutet das? Was ist mit dem Dorfältesten oder mit unserem König?“ Einer der Dämonen packte ihm am Kragen und knurrte wütend: „Du solltest es einfach akzeptieren, sonst bringen wir dich hinab in die Hölle und glaube mir, das ist kein Ort an dem du sein möchtest.“ „Bei allen Göttern, lasst mich bitte los“, forderte Candidus sie erschrocken auf. Aus dem Dorf hörte man Schreie, was Candidus nur noch mehr klar machte, dass die Situation aussichtslos war. Der Dämon löste den Griff von Candidus und gab ihm einen Schubs, dass dieser zu Boden fiel. Grelles Licht erhob sich am Himmel für einen kurzen Moment. Jeder unterhalb wurde dazu gezwungen seine Augen zu schützen, ehe es sich aufzuteilen schien. Geflügelte Lichtwesen glitten hinab, Gabriels Engel und sandten kleine Lichtwesen aus, gerade so groß wie eine Hand. Im ersten Augenblick erschienen sie wie Kugeln, die sich ihren Weg nach unten bahnten, doch bei näherem Betrachten erkannte man, dass es kleine Wesen waren. „Was ist das denn?“, rief der eine Dämon und blickte verwundert nach oben. Die ersten kleinen Lichtgestalten schießen in den Boden hinein, nahmen statt dem Licht die Erde als Element an und flogen auf die Dämonen zu. Die Wucht traf den ersten Dämon in den Magen, schleuderte ihn zurück und warf ihn zu Boden. Der andere geriet ins Straucheln, als ihn eines der Wesen am Bein traf, zwei weitere an Schulter und Kopf, sodass er ebenfalls rücklings hart zu Boden fiel: „Verdammt!“ Beide rappelten sich schnell wieder auf, wurden jedoch weiter angegriffen. Candidus stand langsam auf und schickte ein aufrichtiges Danke zum Himmeln hinauf: „Wer auch immer ihr seid, ich danke euch aus tiefsten Herzen. Ich stehe in eurer Schuld.“ Auch vom Dorf aus sah man die kleinen Lichter herumschwirren und sie waren nicht nur dort sondern an vielen Orten der Welt, um den gewöhnlichen Sterblichen gegen die Dämonen zu helfen. Candidus erwartete keine Antwort, dennoch erschien vor ihm aus grellem Licht eine weitere Gestalt. Als das Licht nachließ, stand vor ihm eine weiße Fledermaus im Priestergewandt, der Erzengel Gabriel. „Wenn du willst, kannst du deine Schuld begleichen“, begann Gabriel in ruhigem Tonfall zu ihm zu sprechen, „Und gleichzeitig deine Familie, deine Freunde und vielen auf dieser Welt helfen.“ Wie bei einem König verneigte sich Candidus dankbar: „Was könnte ich tun? Ich bin nur ein einfacher Bauer.“ Gabriel blickte einen Moment den beiden Dämonen hinterher, die Richtung Dorf rannten. Dabei wurden sie weiterhin von den kleinen Lichtwesen angegriffen, die sie versuchten weg zu schlagen. Dann wand er seinen Blick wieder Candidus zu: „Ich gebe dir die Magie des Lichts und du wirst einer meiner Magier. Mit dieser Kraft kannst du kämpfen, schützen und heilen, jedoch darfst du sie niemals aus Hass oder Habgier benutzen. Bist du einverstanden?“ Candidus nickte ohne groß darüber nachzudenken: „Ich will helfen und meine Familie verteidigen können. Meine Kinder sollen ohne Angst aufwachsen und die Kinder der anderen Familien auch.“ Gabriel hob seine Hand, wodurch um Candidus gesamten Körper eine Aura aus Licht erschien. Sie fühlte sich warm an, voller Liebe und Glückseligkeit. Langsam verschwand diese in Candidus Körper und alles schien vollkommen normal. Verwundert blickte Candidus an sich herunter: „Wie kann ich diese Kraft nutzen und verratet ihr mir euren Namen?“ „Ich bin Gabriel, der Fürst des Lichts. Spüre die Kraft in dir, lass das Gefühl durch schöne Gedanken verstärken und benutze sie um zu schützen. Alles andere wirst du dann sehen. Ich muss weiter, aber du wirst schon bald sehen, dass du nicht allein bist.“ In grellem Licht verschwand er, genauso wie er gekommen war. Eine leichte Frühlingsbrise erinnerte daran, wo er zuvor gestanden hatte, sowie die letzte Feder, die sich im Licht auflöste. Da Candidus unmöglich alleine gegen alle Dämonen bestehen konnte, verlieh Gabriel weiteren Personen in Civitas und auch in anderen Dörfern und Städten die Magie des Lichtes. Dennoch waren die Dämonen eine große Gefahr für sie. Dämonen hatten neben ihrer Magie sehr viel schläfere Sinne und körperliche Kraft.

    „Papa, das ist wunderschön“, bemerkte Candidus‘ Tochter. Dieser saß vor seinem Haus auf einem Holzstuhl und ließ eine kleine leuchtende Kugel schweben: „Da hast du recht. Ich hoffe, dass sie uns auch schützen kann.“ Zwei Tage war es her seitdem er seine Kräfte erhalten hatte. Niemand konnte sagen, wann die Dämonen zurückkommen würden. Er hatte sich mit einigen anderen Bewohnern ausgetauscht, die ebenfalls eine Begegnung mit Gabriel hatten. Sie mussten schnell lernen, sonst würde ihnen all die Magie nichts bringen. Zudem hatte Candidus dafür gesorgt, dass Beobachtungsposten aufgestellt worden und Alarm geschlagen wurde, wenn die Dämonen zurückkehren würden. Sie waren alle nur einfache Bauern und das Kämpfen war ihnen bisher fremd gewesen. Es fühlte sich noch immer unwirklich für Candidus an, auch wenn er den Beweis dafür mit seinen eigenen Händen erzeugen konnte. Er ließ die leuchtende Kugel verschwinden und lächelte seine Tochter an, als sein Blick zum Dorf herüberging. Erst erleuchtete eine der Flammen, die als Warnsignal gedacht waren, dann auch die beiden anderen. Candidus stand auf: „Geh ins Haus und bleib dort bei deiner Mutter und deinem Bruder. Ich bin bald zurück.“ Das Mädchen nickte leicht und drückte die Hand ihres Vaters: „Du bist stark, Papa. Das weiß ich sicher.“ Dann ging sie ins Haus, so wie ihr Vater es ihr aufgetragen hatte. Candidus selbst lief erst schnellen Schrittes los über seine Felder, ehe er rannte, um noch rechtzeitig im Dorf anzukommen. Als Candidus zwischen den Häusern zum Marktplatz lief, sah er bereits die Dämonen, die mit Feuerbällen auf die Bewohner schossen. Eine Gruppe aus fünf Lichtmagiern hatte sich zusammengetan, um mit magischen Schutzschilden die Feuerbälle abzufangen, was sich als schwieriger erwies, als gedacht. Weitere schossen mit Kugeln aus Licht auf die Dämonen, was sichtlich schmerzte, aber die Dämonen auch noch wütender machte. Candidus zögerte nicht und schoss ebenfalls mit Lichtkugeln auf die angreifenden Dämonen: „Verschwindet hier! Lasst uns in Ruhe leben!“ Einer der Dämonen wand sich knurrend um, streckte seine Hand aus und eines der Häuser begann lichterloh zu brennen. „Löscht das Feuer!“ Hörte man jemanden rufen. Die Dorfbewohner ohne magische Kräfte holten Wasser und versuchten mit Eimern den Brand zu löschen oder zumindest soweit einzudämmen, dass er nicht auf die naheliegenden Häuser überging. Candidus selbst schoss weiter mit Lichtkugeln auf die Dämonen, inzwischen mit mehr Nachdruck. Sie mussten verschwinden, bevor noch mehr geschah. Immer wieder musste er auch an seine Familie denken. Wenn es ihnen nicht gelang, was würde aus ihnen werden!? Seine beiden Kinder hatten noch ihr ganzes Leben vor sich und das vielleicht als Untertanen von Dämonen und ihrem Herrscher!? Das konnte und wollte er nicht zulassen. Er würde kämpfen und er würde siegen. Einer der Dämonen kam ihm gefährlich nahe und holte bereits zum Faustschlag aus, als ein weiterer Magier ihn mit einem Schutzschild schützte. Erleichtert blickte Candidus zu seinem Retter: „Danke.“ Der andere Magier nickte ihm zu. Die Faust des Dämons war an dem magischen Schutzschild abgeprallt. Knurrend schlug er weitere Male zu. Erfolglos. Candidus blickte sich um. So konnte es nicht weitergehen. Zwar schafften sie sich einiger maßen zu verteidigen, aber sie waren nicht stark genug um gegen die Dämonen zu bestehen. Sein Blick ging hoch zum Himmel: „Gabriel, wir sind sehr dankbar. Doch wir schaffen es nicht alleine. Bitte, nur ein kleines Wunder. Hilf uns.“ Der andere Magier schüttelte den Kopf und konzentrierte sich weiter auf das Schutzschild, welches den vor Wut tobenden Dämon ihnen vom Leib hielt: „Ich denke nicht, dass er kommen wird. Er gab uns die Kräfte und jetzt müssen wir selbst sehen.“ „Ich glaube an ihn!“, sagte Candidus bestimmt, „Und ich vertraue Gabriel. Er ist der Fürst des Lichts und wird das Licht des Lebens bewahren.“ Erst war es nur ein vereinzeltes Leuchten, doch dann kamen immer mehr Lichtgestalten vom Himmel hinab – die Engel -. Diese schickten ihre Lichtelfen los, die mit rasender Geschwindigkeit zum Boden sausten. Die meisten von ihnen tauchten in den Boden ein und nahmen das Element der Erde an. Für die Sterblichen war es nicht möglich tatsächlich zu erkennen, dass in diesen Lichtkugeln eine kleine Gestalt verborgen war. Selbst als sie das Element annahmen mischte sich das Licht mit der Erde und lediglich das rot-bräunliche Leuchten verriet, dass sie das Element der Erde angenommen hatten. Kaum dass sie den Boden berührt hatten zischten sie auch schon auf die Dämonen zu und trafen diese mit voller Wucht. Für die Dämonen fühlte es sich an, als hätte jemand mit unglaublicher Stärke einen Stein nach ihnen geworfen. Was ihnen zwar nicht unbedingt viel ausmachte, aber die Menge der angreifenden Elfen, richtete dennoch ausreichend Schaden an. Zudem war es für die Dämonen fast unmöglich diese kleinen Wesen zu treffen. Sie versuchten nach ihnen zu schlagen und auch mit Feuerkugeln oder dunklen Magiekugeln zu attackieren. Nur vereinzelt gelang es ihnen. „Trefft diese kleinen Viecher doch mal“, rief einer von ihnen und bekam gleich die passende Antwort: „Ziel doch selbst besser.“ Die Magier unterstützten sie weiterhin, so dass die Dämonen langsam zurückgedrängt wurden.

    Abseits des Kampfgeschehens hatte sich eine der Lichtelfen verirrt. Diese war statt in den Boden einzudringen und das Erdelement anzunehmen in eines der Windspiele an den Häusern eingedrungen. Das Licht breitete sich im ersten Moment aus, ehe es gänzlich verschwand. Am Boden saß ein Kind und wirkte wie etwa 5 Jahre alt. Ihr rotes, lockiges Haar ging ihr teilweise ins Gesicht und ihre rot-leuchtenden Augen hatten etwas Betörendes, aber auch gefährliches an sich. Langsam richtete sich das Mädchen auf und blickte in die Richtung aus der die Geräusche kamen. Aus irgendeinem Grund war ihr klar, dass das Geschehen dort gefährlich war. Ihr weißes, hauchdünnes Kleid, welches eher einem Nachthemd glitt, verlor langsam auch seinen letzten schein und wurde grau. Instinktiv rannte sie mit ihren nackten Füßen los, fort von dem Kampf, raus aus dem Dorf und immer weiter. Wohin wusste sie nicht und auch nicht, dass sie einst eine Lichtelfe war.

    Die ganze Hölle bebte, als Satan voller Wut seine Dämonen zurechtwies: „Ihr seid Versager! Dämonen, die nicht gegen ein paar Sterbliche ankommen! Eine so einfache Aufgabe und nicht einmal das bekommt ihr zustande!“ „Als wenn das unsere Schuld wäre. Wenn Gabriel sich mit seinen Lichtwesen nicht eingemischt hätte und den Sterblichen Lichtmagie gegeben hätte, dann wäre das ein Spaziergang gewesen. Kläre das mit ihm“, entgegnete Verentia, „Wie es mir scheint, seid ihr nicht einer Meinung.“ „Willst du dich mit mir anlegen?“ brüllte Satan sie wütend an, was die anderen Dämonen dazu brachte von Verentia Abstand zu nehmen. Nur Falx und Metos blieben an ihrer Seite. „Das hätte überhaupt keinen Sinn“, erklärte Verentia, „Denn schließlich habe ich bereits gegen dich verloren. Ich wollte lediglich darauf hinweisen, dass der Fürst des Lichts wohl mit deinem Vorhaben nicht einverstanden ist und das nicht so einfach wird die Welt zu erobern.“ Satan schnaubte erbost. Wie auch die letzten Male hatte er sich auf das Dach seines Schlosses gestellt und hatte so alle Dämonen vor diesem im Blick. Fast alle der Dämonen waren bereits zurückgekehrt und auf positive Nachrichten von den übrigen wartete er gar nicht mehr. Gabriel steckte seine Nase in Angelegenheiten, die ihn nichts angingen. Wieso nur beschützte er diese nutzlosen Sterblichen!? Erzürnt verschwand er zurück in seinen Thronsaal und ließ sich dort auf seinem Thron nieder. Noch hatte er nicht viel darüber nachgedacht, aber sein Kopf schien bereits zu schmerzen. Er musste sich etwas einfallen lassen, die Frage war nur ‚was?‘

    Klirrend fiel der Sack zu Boden, ehe eine dunkle Gestalt ihm aus dem Fenster folgte und diesen wieder aufhob. Es war eines der wohlhabenderen Häuser in der Stadt Locus und Perniger war sich dessen sehr wohl bewusst. Der graue Luchs mit den schwarzen Fellflecken war sehr wohl bekannt und die wohlhabenden Leute hatten inzwischen so einiges geboten, um diesen dreisten Dieb zu fassen. Ihre Häuser waren zum Teil aus Lehm und zum Teil aus Gestein gebaut, teilweise auch aus Holz und hatten im Gegensatz zu den einfachen Lehmhütten schon etwas Edles an sich. Meistens wohnten dort Händler, die ihren Reichtum dem Ein- und Verkauf und Lebensmittel und anderen Waren finanzierten. Während die Bauern oftmals noch mit Äpfeln und Kartoffeln bezahlten, gab es unter den Händlern, Druiden und Gutsheeren bereits die ersten Bronzemünzen sowie das damit verbundene Gefühl von Reichtum und Macht. Perniger gehörte nicht zu diesen, war aber dennoch sehr reich. Er bestahl die wohlhabenden Leute und das nicht nur, um davon Lebensmittel zu kaufen. Die Münzen behielt er fast alle und hortete sie gut versteckt in einem Wald. Zwar musste er jedes Mal wieder die Kiste ausbuddeln und dann wieder verstecken, aber er war geradezu davon besessen seinen Schatz zu vergrößern. Außerdem sollten die gehobenen Leute spüren, wie es sich in der Armut lebte. Auch dieses Mal hatte er wieder alles Geld, dass er finden konnte, mitgehen lassen. Schnellen Schrittes entferne er sich von dem Haus, den Sack über die Schulter geworfen. Selbstzufrieden grinste er und begab sich auf den Weg Richtung Wald. Dabei blickte er sich immer mal wieder um, ob ihm denn auch niemand folgte. Es wäre eine Schande, wenn jemand sein Versteck finden würde und die ganze Beute stehlen würde. Ein Dieb sollte sich wirklich nicht beklauen lassen. Unter Pernigers Füßen knackte und raschelte es, während er sich jenseits der Trampelpfade durch den Wald bahnte. Dabei achtete er jedes Mal darauf, dass er nicht ständig denselben Weg nahm. Schließlich wollte er keinen Trampelpfad zu seinem Versteck schaffen. Das wäre ganz schön blöd. Immer wieder blickte er hinter sich und holte tief Luft, der Sack hatte ganz schön Gewicht. Erleichtert ließ er den Sack fallen, als er an besagter Stelle ankam. Den Spaten hatte er in einem der Büsche versteckt und holte diesen nun wieder zum Vorschein: „Fast geschafft. Das war ein wirklich guter Beutezug heute.“ Er grinste zufrieden in sich hinein und blickte auf die Stelle, an welcher er die Truhe vergaben hatte: „Auf geht’s.“

    „Satan ist jetzt aber schon ewig weg“, stellte Metos fest, der mal wieder auf und ab lief, während Verentia ihn dabei beobachtete. Falx saß auf dem Boden und blickte zum Schloss: „Stört dich das etwa? Von mir aus, kann er für immer fortbleiben.“ „Wir können ja nachsehen gehen“, meinte Verentia beiläufig, „die Dämoninnen sind dazu übergegangen mit den Kindern im Schloss zu bleiben. So kommen sie hier nicht ins Gerangel. Satan selbst soll nach ihren Angaben nicht durchs Schloss laufen.“ Metos blickte sie verwundert an: „Wozu hat er denn so ein riesiges Schloss, wenn er sich da nicht aufhält?“ „Tut er ja, aber nur in seinem Thronsaal“, entgegnete sie, „Ich bin neugierig. Lasst uns nachsehen. Es bringt ja eh nichts hier nur zu warten, ob endlich mal was passiert.“ Zustimmend erhob sich Falx: „In Ordnung. Vielleicht bringen wir auch etwas in Erfahrung, was uns weiterhilft. Aktuell wüsste ich nicht, wie wir jemals wieder aus dieser Situation herauskommen.“ „Aussitzen“, meinte Verentia und erhob sich ebenfalls, „unsere Zeit wird kommen.“ Dann ging sie voraus zur Brücke, welche als einzige über den Lawafluss und hinein ins Schloss führte. Bisher waren sie nicht ein einziges Mal diesen Weg gegangen, aber nun war es an der Zeit das Schloss des Fürsten der Finsternis einmal unter die Lupe zu nehmen. Außerdem beschäftigte sie alle drei, was Satan die ganze Zeit machte. Metos blickte gedankenversunken in die Lava hinab, als sie die Brücke überschritten: „Ob Damon noch lebt? Zuletzt sah ich ihn mit Dimicatio auf eine Schlucht zu rennen.“ Was Verentia von Damon hielt, konnte man deutlich an ihrem Knurren hören. Schließlich hatte er die Gruppe angeführt und dazu aufgerufen das Licht zu zerstören: „Hoffentlich wurde er gefressen.“ „Das glaube ich nicht“, bemerkte Falx und folgte ihnen ins Schloss hinein. Sie betraten direkt eine große Halle, welche abgesehen von einigen Gängen auch ein weiteres großes Tor aufwies. Mit schnellen Schritten lief Verentia auf das Tor zu, welches weit offenstand und somit einen direkten Blick hinein erlaubte. Zu ihrer Verwunderung konnte sie rein gar nichts erkennen: „Also entweder ist dieser Raum schwarz in schwarz oder ich kann doch nicht so gut im Dunkeln sehen, wie gedacht.“ Ein Schnauben ertönte aus der Finsternis: „Zeigt gefälligst mehr Respekt. Wenn ihr schon herkommt, tretet ein und kniet nieder.“ Entschlossen schritt Verentia in den Thronsaal, eine bessere Möglichkeit herauszufinden, was Satan nun schon wieder ausheckte, gab es wohl nicht. Etwas widerwillig kniete sie sich nieder und blickte in diese unergründliche Finsternis. Es war wirklich nichts zu erkennen. Seltsamer Weise konnte sie in der ersten Hälfte des Saales gut sehen und dann kam die Finsternis, wie eine schwarze Mauer. Die anderen beiden folgten ihr hinein, knieten sich rechts und links neben sie nieder und blickten fragend zu Verentia. Räuspernd wand sie sich an Satan, der dort irgendwo sein musste: „Wie geht es nun weiter?“ Verächtliches Schnauben war zu hören, ehe sich Satans Stimme erhob: „Sprich mich gefälligst mit „mein Fürst“ an. Ihr seid meine Untertanten und habt mir Respekt zu zollen.“ „Fürst der Finsternis“, vernahm man nun von Falx, der seinen Blick ebenfalls suchend in die Finsternis gewandt hatte, „Seid so gut und klärt uns auf. Wenn ihr uns nicht mehr braucht, dann gehen wir.“ Man hörte wie etwas über Stein schabte, ehe Satan sich nun deutlich lauter an die drei wand: „Erobert die Städte und Dörfer, wie ich es euch befohlen hatte!“ „Ihr habt keine Ahnung, wie es weiter gehen soll oder?“ entgegnete Verentia wissend und setzte gleich fort, ehe Satan erneut etwas entgegnen konnte, „Tut es doch einfach Gabriel gleich. Was er kann, solltet ihr doch auch können oder?“ „Hinaus!“ befahl Satan ihnen nun lautstark und ziemlich verärgert. Die drei erhoben sich und gingen ruhigen Schrittes aus dem Thronsaal. Kaum hatten sie diesen verlassen, stieß Falx auch schon Verentia an: „Was sollte denn das?“ „Ist doch logisch“, entgegnete sie sogleich, „Wenn Satan auch die Sterblichen mit Magie ausstattet, bekämpfen die sich gegenseitig und wir können hier raus. Das ist doch kein Zustand für die Dämoninnen und Kinder. Mal davon abgesehen, meinst du doch sicher nicht wirklich hier dein Schicksal zu finden?“ „Non vero“ (übersetzt "Keinesfalls"), knurrte Falx zwischen seinen Zähnen hervor, während Metos ihn fragend anblickte: „Ich denke mal, dass hieß nein?“ Seufzend lief Verentia in einen der Gänge des Schlosses. „Hey, wo willst du hin?“, rief Falx ihr hinterher, jedoch drehte sie sich nicht um und gab auch keine Antwort. Die beiden beschlossen ihr einfach zu folgen, denn in der Halle direkt vor Satans Thronsaal zu warten, schien auch keine gute Wahl zu sein. In den Gängen des Schlosses reihte sich Tür an Tür. Hier und da sah man ein paar junge Dämonen zwischen den Fluren rennen, ihre Mütter immer in der Nähe. Verentia hatte nicht vor sich hier ebenfalls ein Zimmer auszusuchen. Sie war eine Kriegerin, keine sich sorgende Mutter. Dennoch wollte sie sich ein Bild davon machen, wie die Dämoninnen zurzeit mit ihren Kindern lebten. Es wirkte fast schon friedlich, wäre da nicht die stickige Luft, die Asche, der Staub und die besorgten sowie wachsamen Blicke der Dämoninnen. „Niemand bildet im Moment den Nachwuchs aus“, bemerkte Metos, „kein Lehrmeister der ein Auge auf sie wirft. Auch wenn wir hier gefangen sind, dürften wir die nächste Generation nicht verkommen lassen.“ „Wir sollten warten“, erwiderte Falx nachdenklich, „die Dämoninnen haben sich bereits ins Schloss zurückgezogen. Auch die Dämonen werden sich beruhigen und anfangen das Beste daraus zu machen. Den Kindern wird nicht zu viel Zeit ihrer Ausbildung fehlen. Da bin ich mir sicher.“ „Haben wir einfach ein Auge drauf, dass die Dämoninnen und die Kinder nicht unter dieser Entwicklung leiden. Jedenfalls nicht mehr, als nötig“, fügte Verentia hinzu, während sie sich weiter umsah, „Bevor wir hier waren, hatte Satan nur seine Höllendämonen. Also hat er das Schloss so für seine Gefangenen eingerichtet?“ Falx lachte: „Sieht so aus. Ein Schloss für Dämonen. Was für ein Unsinn.“ „Du kriegst mich nicht, du kriegest nicht“, rief ein junger Dämon, der den Gang entlang gerannt kam. Hinter ihm rannte eine junge Dämonin her: „Das ist nicht fair. Lauf etwas langsamer.“ Der Junge grinste breit: „Mädchen sind eben viel zu langsam. Du wirst mich niemals einholen.“ Als der Junge an ihnen vorbeilief, ergriff Falx seinen Arm: „Zeige etwas mehr Respekt. Sie mag nicht so schnell sein, aber es ist später auch deine Aufgabe auf sie aufzupassen.“ Der Junge knurrte verärgert über Falx Reaktion: „Ganz bestimmt nicht. Ich such mir eine bessere Dämonin.“ Verwundert ließ Falx den Jungen los und ließ ihn davonrennen. Das Mädchen blieb bei ihnen stehen und lächelte: „Vielen Dank, aber das ist schon ok. Er ist immer so.“ Sie lief dann in die entgegengesetzte Richtung: „Ich weiß, wo ich ihn abfangen kann.“ Ein Seufzen war von Metos zu hören, der sich dabei mit zwei Fingern die Stirn rieb: „Würde sich ein Lehrmeister um ihn kümmern, dann käme niemals so ein Satz aus seinem Mund. Wir sollten mit den anderen sprechen.“ Falx knurrte daraufhin hörbar, die Verbitterung war regelrecht zu spüren: „Das ist alles Satans Schuld. Wenn er so verdammt mächtig ist, warum bewegt er sich nicht selbst und kümmert sich um die Eroberung der Welt. Soll er sich mit Gabriel gegenseitig die Schädel einschlagen.“ „Ich weiß nicht, ob das viel besser wäre“, fügte Verentia nachdenklich hinzu, „schließlich leben wir alle in dieser einen Welt. Wir können nur hoffen, dass Satan das Interesse an uns verliert und vielleicht seine eigenen Magier erschafft. Neue Krieger für seinen irrsinnigen Plan.“

    Nachdenklich blickte Falx zum Schloss, dabei hatte er die Arme verschränkt und schon eine Weile geschwiegen: „Ich glaube nicht, dass Satan seinen Vorschlag noch umsetzen wird, es ist jetzt schon mehr als einen Tag her.“ „Schade“, entgegnete Verentia knapp, „ich hätte ihm schon ein paar Leute besorgt. Schließlich führen dann andere diesen Kampf mit Gabriel. Vermutlich ist er einfach zu stolz einen Vorschlag von seinen Gefangenen anzunehmen.“ „Meint ihr, dass Satan sich da im Dunkeln versteckt, weil er so seltsam aussieht?“, meinte Metos Gedanken versunken, „Selbst wir konnten ihn nicht sehen, dabei ist dunkle Magie unser Element.“ Die anderen beiden blicken ihn verwundert an. „Du bist lustig. Als hätten wir nichts Besseres zu tun“, entgegnete Verentia, „Wir haben keine Chance gegen ihn und beeinflussen können wir ihn scheinbar auch nicht. Wir können nur warten.“ Die Blicke der drei trafen sich, während die Stimme des Fürsten der Finsternis sich in ihren Köpfen erhob: „Kommt sofort in den Thronsaal.“ Verentia lief sogleich los: „Beeilen wir uns, vielleicht hat er meinen Vorschlag doch angenommen.“ „Er hat trotzdem nichts in unseren Köpfen zu suchen“, eilte Falx ihr hinterher, während Metos sich mit einer Hand die Stirn rieb, ehe er ihnen folgte. Ohne zurück zu blicken, überquerte Verentia die Brücke und betrat die Eingangshalle des Schlosses. Neben ihr her lief Falx, welcher ein eher ungutes Gefühl hatte: „Wir sollten vorsichtig sein. Ich traue ihm nicht.“ „Das tut niemand“, pflichtete sie ihm bei und betrat den Thronsaal. Auch wenn Satan nicht zu sehen war, nagte die Gewissheit an ihnen, dass er irgendwo in dieser Finsternis verborgen war. Keiner von ihnen würde einen Angriff auch nur erahnen können. Wie auch am Tag zuvor kniete Verentia sich nieder. Dieses geschah nicht aus Respekt oder Ehrfurcht, sondern lediglich um Satan in Sicherheit zu wiegen. Sie mussten dieses Spiel mitspielen, um Satans Vertrauen und damit auch seine Schwächen kennen zu lernen. Falx tat es Verentia gleich, obwohl er Satan am liebsten aufgefressen hätte. Etwas verzögert betrat auch Metos den Raum, wobei er seinen Blick suchend in die Finsternis richtete. Schweigend nahm er seinen Platz neben Falx ein und wartete ab. „Fürst?“, begann Verentia, „Ihr habt nach uns verlangt?“ Ein Schnauben war aus der Finsternis zu hören, welches schwer einzuordnen war: „Du hattest vorgeschlagen es Gabriel gleich zu tun.“ Fast hätte sie leise darüber gelacht, jedoch unterdrückte sie das. Ihn jetzt zu verärgern, wäre sehr unklug. „Ja, das habe ich. Fürst. Er gab den Sterblichen Magie. Dann solltet ihr das doch auch können“, schlug sie ihm erneut vor, „Korrigiert mich, wenn ich falsch liege.“ „Holt mir einen Sterblichen“, befahl Satan, „Aber es muss jemand sein, der es freiwillig tut.“ Augenverdrehend blickte Falx zu Verentia, welche den Blick aber nicht erwiderte: „Ich denke nicht, dass das jemand freiwillig tut. Dennoch… soweit ich weiß, lassen sich die Sterblichen für ihre Arbeit bezahlen. Habt ihr vielleicht etwas mit dem ihr sie bezahlen könntet?“ Es folgte Schweigen. Die drei warteten ab, ob noch irgendeine Reaktion von ihm kommen würde. Vorsichtig stieß Metos seinen Kameraden an, der aber nur die Schultern zuckte. Satans düsterere Stimme erhob sich wieder: „Bietet ihm einen Wunsch an. Ich werde ihn erfüllen.“ „Einen Wunsch? In Ordnung. Wir bringen euch einen Sterblichen mit einem Wunsch, der euch dienen will“, führte Verentia etwas verwundert aus und erhob sich, „Wir sind bald zurück.“ Die anderen beiden erhoben sich auch und verließen mit ihr zusammen den Thronsaal.

    Schützend hielt sich Falx den Arm vor die Augen, um dem grellen Sonnenlicht zu entgehen: „Es ist ja Tag.“ Die Dämonen verloren immer mehr ihr Zeitgefühl, da in der Hölle immer die gleichen Lichtverhältnisse galten, nämlich so gut wie gar keine. Ängstliche Blicke trafen die drei Dämonen, da sie in Mitten der Stadt Locus aus schwarzem Feuer aufgetaucht waren. Einige Male musste Verentia blinzeln, um ihre Augen an das Tageslicht zu gewöhnen: „Ich würde sagen, dass wir uns erstmal umschauen.“ Genervt von der Helligkeit, blickte Metos zu Boden: „Dein Plan ist wohl doch nicht ganz durchdacht. Zwar hat Satan nun zugestimmt, jedoch wird keiner hier uns mit offenen Armen empfangen.“ „Abwarten“, meinte Verentia selbstsicher, „Es gibt bei Dämonen die untersten Ränge und bei Sterblichen gibt es die auch. Nur in etwas anderer Form.“ Ein Grinsen huschte über Falx‘ Gesicht: „Und was wollen die Schwächeren? Macht! Da ist ein Wunsch doch genau das Richtige.“ Die Straße wurde langsam immer leerer. Die Gewöhnlichen schlichen regelrecht in ihre Häuser und versuchten dabei die Türen möglichst geräuschlos zu schließen. Nichts, was das Gehör eines Dämons nicht wahrnehmen würde. Schnuppernd drehte sich Metos herum: „Meint ihr, dass hier auch Lichtmagier leben?“ Lachend klopfte Falx ihm auf die Schultern: „Wie meinst du riecht Licht?“ „Satan stinkt nach Asche und Tod“, entgegnete er, „Oder es ist die Hölle selbst. Es riecht einfach alles nach Asche.“ „Los kommt“, befahl Verentia den beiden, „Wenn das klappt, hat Satan andere Wesen, die er tyrannisieren kann.“ „Ich bin immer noch der Meinung, dass das niemand freiwillig machen wird“, entgegnete Metos während er die Hände hinter den Kopf legte, „und selbst wenn doch, sie sind nicht unsterblich.“ „Aber sie könnten es sich wünschen“, überlegte Falx laut, „vielleicht kann Satan das.“ Ein verzücktes Grinsen machte sich über Verentias Lippen breit: „Dann schlagen wir ihnen das doch vor. Einen Versuch ist es wert.“ Sie bogen in eine der Seitenstraßen ein, wo Verentia auf Mittellose oder Kriminelle hoffte. Diese würden sich noch am ehesten zu so einem Dienst für den Fürsten der Finsternis überreden lassen. Zu ihrem Glück versuchte gerade Perniger einen Teil seiner Schmuckbeute an jemanden zu verkaufen, um an mehr Geldmünzen zu kommen: „Das ist ein echter Saphir in dem Ring. Den verkaufe ich nicht für so einen läppischen Preis.“ „Du kannst ja viel erzählen. Woher soll ich wissen, dass das Ding echt ist. Er könnte genauso gut nur nachgemacht sein“, erwiderte sein Gesprächspartner, welcher selbst nicht gerade wohlhabend wirkte. Ohne große Umschweife ging Verentia auf die beiden zu: „Ich wüsste, wo ihr was viel Wertvolleres herbekommt, als das.“ Die beiden Köpfe drehten sich zu ihr um, während der andere geradezu ängstlich wirkte, machte sich bei Perniger ein sichtliches Interesse breit: „Und was genau sollte das sein? Ein Diamant oder Gold?“ „Ein Wunsch“, kam Falx dazu und zog Perniger freundschaftlich an der Schulter zu sich, „Es könnte alles sein, vielleicht sogar die Unsterblichkeit.“ „Alles?“, hinterfragte Perniger noch einmal, „Ich wüsste da schon was, aber was kostet mich das? Das macht ihr doch nicht umsonst.“ Verentia konzentrierte sich nun ganz auf Perniger, da der andere wohl eher demnächst in Ohnmacht fallen würde: „Wir gar nicht, denn Satan schickt uns. Der Fürst der Finsternis. Er will dafür deine Dienste, dass du für ihn kämpfst und dazu gibt’s gleich noch ein paar magische Kräfte. So in etwa wie die Lichtmagier. Davon hast du doch sicher gehört?“ Der Dieb steckte seinen Ring wieder in die Hosentasche, wodurch man ein leises Klimpern wahrnehmen konnte: „Ich bin dabei, sofern ich alles, was ich an Wertsachen währenddessen erbeute, behalten darf.“ Schulterklopfend bestätigte Falx das: „Du kannst dir von mir aus auch alle Kleider deiner Gegner stehlen. Den Fürsten interessiert nur, dass er die Sterblichen unterwerfen kann.“ „Bringt mich zu ihm“, forderte Perniger sie nun auf, „er kann herrschen, solange ich meine Schätze habe.“ Die drei Dämonen verschwanden mit Perniger in schwarzen Flammen und tauchten in der Hölle direkt vor dem Schloss wieder auf. Schon nach den ersten Atemzügen begann Perniger heftig zu husten und blickte sich angestrengt um: „Hier müsste mal wer putzen und warum ist es hier so heiß?“ Die Frage erübrigte sich, als er den Lavafluss hinter sich bemerkte: „Schon gut, ich…“ Sanft gab Verentia ihm einen kleinen Schubs in Richtung des Einganges: „Hier entlang. Der Fürst wartet nicht gerne.“ Die Dunkelheit überall irritierte Perniger ebenfalls, aber neben der Asche, dem Staub und der Hitze war das eher nebensächlich: „Immer mit der Ruhe.“ Kaum betrat er die Eingangshalle übernahm Verentia die Führung zum Thronsaal: „Du willst doch sicher das Beste aushandeln. Da sollte man ihn nicht warten lassen.“ Etwas zögerlich folgte Perniger ihr, zurück konnte er eh nicht mehr. Die anderen beiden Dämonen waren ihm dicht auf den Fersen, sodass er langsam das Gefühl bekam in der Falle zu sitzen. Ein Kloß machte sich in seinem Hals breit, als er direkt nach Verentia den Thronsaal betrat. Elegant kniete sie sich nieder: „Fürst, wir haben euch jemanden mitgebracht, der gerne das Angebot des Wunsches gegen seine Dienste annehmen würde.“ Irritiert blickte Perniger in die Finsternis, die nichts als Schwärze widerspiegelte. Falx sowie Metos nahmen nun auch ihren Platz neben Verentia ein, um ihre Unterwürfigkeit zu zeigen. „Nenne deinen Namen“, forderte Satan ihn auf, „und deinen Wunsch.“ Die düstere Stimme des Fürsten ließ ihm einen kalten Schauer über den Rücken laufen: „Ich? Perniger, man sagte mir, ich könnte mir alles wünschen. Mein Wunsch ist unendlicher Reichtum.“ Erneut erhob sich die Stimme aus der Finsternis: „Ich gebe dir unendlichen Reichtum und die dunkle Magie, im Austausch dafür wirst du bis an dein Lebensende mein Diener sein. Einverstanden?“ „Einverstanden“, rief Perniger sofort heraus, er konnte sein Glück kaum fassen. Soviel Geld wie er wollte, dafür war er auch bereit zu arbeiten. Eine schwarze Aura umgab Perniger plötzlich, ehe diese scheinbar in seinem Körper verschwand. Verwundert blickte er an sich hinab: „War’s das? Wo ist mein Reichtum?“ Ein Schnauben war aus der Finsternis zu hören: „Fass in deine Taschen und wiederhole es.“ Zögerlich steckte Perniger seine Hand in seine Hosentasche, die wie aus dem Nichts sich mit Münzen füllte. Als er die Hand mit den Münzen heraus zog, hatte er jede Menge Gold in der Hand. Überglücklich wollte er die Münzen in die andere Tasche stecken, konnte dieses dennoch nicht. Sofort war auch die andere Tasche voller Münzen, kaum hatte er versucht die Hand hinein zu stecken: „Das ist unglaublich.“ „Macht ihn kampffähig“, befahl Satan den drei anwesenden Dämonen, „ich brauche eine starke Armee.“
    Cornix cornici oculos non effodit. - Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.
  • Kapitel 4 - Das Krächzen der Hoffnung

    Einige Wochen waren vergangen seit der erste dunkle Magier erschaffen wurde. Inzwischen hatte Satan die Dämonen ausgesandt, um mehr Sterbliche für diese Zwecke in die Hölle zu holen. Einige hundert waren zusammengekommen, welche von den Dämonen in der Kunst der dunklen Magie unterrichtet wurden. Dabei waren die Wünsche der Sterblichen ganz unterschiedlich gewesen: Von Reichtum, Gesundheit, Unsterblichkeit bis hin zu Rachegelüsten, Frauen und Länderreihen. „Endlich frische Luft“, sprach Perniger zu sich selbst und klopfte sich Staub und Asche aus Fell sowie Kleidung. Nur einige Stunden hatte er immer Zeit sich außerhalb der Hölle zu stärken und auszuruhen, dann würde er zurück gehen, um sein Training fortzusetzen. Das Teleportieren war eines der Dinge, die ihm am meisten Spaß machten, neben dem Geld anhäufen und ausgeben. Soviel hatte er von der Welt zuvor niemals sehen können, aber jetzt stand ihm alles offen. Da er sich nicht so gut auskannte, war es ihm auch schon einige Male passiert, dass er mitten in einem See auftauchte, auf einem hohen Berg oder sogar im Haus eines Fremden. Inzwischen hatte er sich einen kleinen Beutel zugelegt, den er an seiner Hose trug, dort lagerte er seine Goldmünzen zwischen. Schmerzhaft streckte sich Perniger und kniff dabei etwas die Augen zu: „Das sind Sklaventreiber, aber erst mal was essen.“ In dieser Gegend kannte er sich bereits aus und lief direkt in die Stadt, welche vor ihm lag. Die Häuser hatten einige Schäden, welche vermutlich noch von den Kämpfen mit den Dämonen stammten. Dennoch war es ein gemütlicher Ort, an dem viele Leute lebten und es auch ein tolles Gasthaus gab. Indem er fast täglich aß, Wein trank und seinen Magen mit den teuersten Speisen füllte. Fröhlich pfeifend lief er die Straßen entlang, dabei kam er hier und da an Verkaufsständen vorbei. Obwohl er sich alles was er wollte kaufen könnte, schnappte er sich einen Apfel und biss ein Stück weiter genussvoll hinein: „So gefällt mir das. Schönster Sonnenschein, ich kann alles haben was ich will und niemand kann mich mehr aufhalten.“

    Geschickt drehte Perniger den Dolch in seiner Hand und ignorierte den genervten Blick von Falx, welcher ihm gegenüberstand: „Du sollst damit nicht rumspielen, sondern den Stein dort treffen.“ Eigentlich hatte Perniger überhaupt keine Lust dazu, denn mit Dolchen und Messern hatte er schon vorher umzugehen gewusst. Nur weil der Dolch jetzt auch dunkler Magie erschaffen worden war, hieß das nicht, dass es sich völlig anders nutzte. Ein Dolch war ein Dolch. Amüsiert warf Perniger auf den gezeigten Stein: „Zufrieden?“ „Du musst mit mehr Kraft werfen“, ermahnte ihn Falx erneut, „Wenn du den Dolch weit ins Fleisch eindringen lässt, ist dein Gegner schwer beeinträchtigt oder im besten Fall tot.“ „Es ist Zeit die Welt der Lebenden zu erobern“, ertönte Satans düstere Stimme vom Dach seines Schlosses. Wie viele andere, hatte Falx gar nicht bemerkt, dass er dort oben aufgetaucht war. „Geht und erobert die Städte und Dörfer!“, befahlt er ihnen, „Und vernichtet die Lichtmagier!“ Die Dämonen verschwanden Stück für Stück gemeinsam mit den neuen Dunkelmagiern in schwarzem Feuer, um den Befehl des Fürsten auszuführen. Perniger blickte sich um, kaum dass sie vor der Stadt aufgetaucht waren. Es war eine ganz beachtliche Armee, sodass es ein leichtes sein sollte die Stadt zu erobern. „Ergebt euch gleich oder wir zerstören euer Heim, nehmen all euren Reichtum und euer Blut gehört den Dämonen“, verkündigte er sogleich, sich der Überlegenheit sicher. Genervt blickte Falx zu ihm: „Deine Grundkenntnisse über Dämonen müssen wir mal auffrischen. Nicht alle Dämonen trinken Blut.“ Viele der Bewohner versteckten sich in ihren Häusern und verschlossen Türen sowie Fenster. Statt aufzugeben, stellte sich ihnen eine größere Gruppe Männer und Frauen entgegen: „Verschwindet! Wir werden euch unsere Heimat nicht überlassen.“ Murrend blickte Metos zu ihren Gegnern und dann zu Verentia: „Lassen wir die Dunklen Magier zuerst kämpfen. Dann sehen wir direkt, ob der Aufwand sich überhaupt gelohnt hat.“ Da Verentia sowieso niemals selbst kämpfte, wenn es nicht gerade der Mühe wert war, hatte sie gegen Metos‘ Vorschlag nichts einzuwenden: „Na los! Diener Satans zeigt wie mächtig ihr seid!“ Ein Teil der Dunkelmagier rannte direkt los, ließen dabei Schwerter, Dolche oder Messer aus dunkler Magie erscheinen. Überrascht konnten die Lichtmagier beobachten, wie aus schwarzem Rauch sich Waffen bildeten, scharf und gefährlich. „Schutzschild!“, rief jemand aus den Reihen der Lichtmagier über die Gruppe hinweg. Fast zeitgleich streckten diese die Hände aus, als wollten sie die Angreifer mit bloßen Händen abwehren. Stattdessen rannten diese jedoch gegen eine unsichtbare Wand, schlugen mit ihren Waffen darauf ein und bekamen Unterstützung von den hinteren Magiern, welche mit dunklen Magiekugeln auf das unsichtbare Hindernis schossen. Perniger trat sogar einige Male gegen die mysteriöse Wand vor ihm: „Feiglinge! Kämpft doch wie richtige Männer!“ Tatsächlich waren nur wenige Frauen unter den Lichtmagiern. Es schickte sich einfach nicht für eine Frau in den Kampf zu ziehen. Für den Schutz der Familie war der Mann zuständig, aber nicht jede Frau konnte auf einen Mann an ihrer Seite zurückgreifen. Somit zogen sie es vor selbst zu kämpfen. Gabriel hatte diesen Mut mit der Lichtmagie belohnt. „Wir benutzen unseren Kopf“, entgegnete eine der Frauen auf Pernigers Herausforderung, rührte sich aber keinen Zentimeter vom Fleck. „Klar… den Kopf…“, murmelte Perniger vor sich hin, während er mit der Faust gegen das Schutzschild donnerte, „Wieso eigentlich nicht?“ Er ging einige Schritte zurück und blickte sich um. Nicht dass er das Schutzschild sehen konnte, aber die Magier dahinter und das brachte ihn auf eine Idee. Grinsend lief er an einem Lichtmagier nach dem anderen vorbei, bis er schließlich bei dem letzten angekommen war. Dieser stand links neben einem der Häuser und beäugte Perniger skeptisch. „Schau nicht so, ich geh hier nur spazieren“, scherzte Perniger und folgte der Häuserwand bis zur nächsten Straße. Dort stand kein Lichtmagier mehr, der ihm den Weg versperren würde. Testweise streckte er die Hand aus und fühlte keinen Widerstand. Laut lachend rief er den anderen Dunkelmagiern zu: „Lauft einfach um sie rum! Sie können nicht überall ihre Wände aufstellen!“ „Scheint so, als würde unser kleiner Dieb nicht nur mit Magie kämpfen“, meinte Falx zu den anderen beiden. Wie alle anderen Dämonen hielten sich die drei bisher aus dem Kampf heraus. „Er hat eine ganz schön große Klappe“, entgegnete Verentia, während die Dunkelmagier sich aufteilten und in alle Richtungen ausströmten. „Stellt euch ihnen entgegen“, ertönte erneut eine Stimme aus den Reihen der Lichtmagier. Die Verteidigung wurde fallen gelassen, das Schutzschild löste sich auf, während die Lichtmagier versuchten ihre Gegner abzufangen. Diese hatten selbst keine Waffen und konnten auch ihres Wissens keine aus ihrer Magie erschaffen. Stattdessen attackierten sie mit Lichtmagiekugeln, blendeten ihre Gegner mit reinem Licht oder kämpften gar mit den Fäusten. „Arbeitet im Team“, erklang es erneut aus den Reihen der Lichtmagier, „konzentriert euch mehr auf den Fernkampf.“ Perniger lauerte in einer Nebenstraße, dicht an die Wand geschmiegt, auf seinen nächsten Gegner. Ihm gefiel die Aufregung, der Nervenkitzel, es hatte etwas, wie beim Stehlen. Flink sprang er aus seinem Versteck hervor, nutzte den Überraschungsmoment und stieß den Dolch tief zwischen die Rippen des Lichtmagiers. Schmerzkrümmend brach dieser zusammen, aber er war nicht alleine. Sein Teampartner schoss direkt mit Lichtmagiekugeln auf Perniger, der etwas überrumpelt mehrfach getroffen wurde. Taumelnd versuchte er sich auf den anderen Lichtmagier zu stürzen. In all der Aufregung hatte er ganz vergessen, dass sein Dolch noch in den Rippen des anderen steckte und musste so seine Fäuste für den Angriff spontan nutzen. Weitere Treffer prasselten auf seinem Körper nieder, ehe Perniger zu Boden fiel, wobei er sich schmerzend zusammenzog und schließlich in schwarzem Rauch vor den Augen des Lichtmagiers verschwand. Dieser beugte sich nun zu seinem Kameraden herunter: „Atme ruhig. Ich werde dich heilen.“

    Nachdenklich blickte Verentia zum Schloss des Fürsten. Erneut hatten sie den Kampf verloren. Zwar hatten die Dämonen schließlich noch ein paar Häuser in Brand gesteckt, sowie ein paar Lichtmagier ausgeschaltet, jedoch waren dann die Engel hinabgestiegen. Niemand konnte gegen Licht kämpfen, somit hatten sie sich zurückgezogen. „Ich muss meine Wunden kühlen“, jammerte Perniger, welcher sich über die schmerzenden Stellen rieb, was fast seinen ganzen Körper betraf, „Wenn ihr mich sucht, ich organisiere mir Wasser.“ „Mach was du willst“, kommentierte Falx das nur beiläufig und blickte fragend zu Verentia, „Es sind noch gar nicht alle wieder zurück. Das muss noch nichts heißen.“ Hörbar atmete sie aus: „Ich hatte so gehofft, dass es die Lösung für unser Problem wird, aber jetzt…“ Aus dem Augenwinkel sah Falx noch wie Perniger sich in schwarzem Rauch auflöste und verschwand: „Wir sind gescheitert – ok – aber das ist nicht der Untergang unseres Volkes. Sieh dich um, wir sind noch da. Solange wir leben, werden wir kämpfen. Schließlich sind wir Dämonen.“ „Du hat ja recht“, entgegnete Verentia, „Und ich repräsentiere alle Dämoninnen in diesem Kampf. Ich darf nicht aufgeben und werde es schaffen.“ Lächelnd nickte Falx ihr zu: „So kennen wir die Ehrfürchtige. Immer stolz und kampfbereit.“

    Lichterloh brannten die Häuser auf dem Dorfplatz. Einige Dämonen waren mit anderen normalen Leuten einfach dort aufgetaucht. Im ersten Moment hatte Candidus gedacht, dass es Gefangene waren, Druckmittel oder die Dämonen sie als Schutzschilde nutzen würden, aber nichts von alledem traf zu. Sie nutzten ebenfalls Magie, aber keine leuchtende Magie, sondern dunkle. Die gleiche Magie, welche auch die Dämonen nutzten. Ehe man sich versah, waren die dunklen Magier auf die Bewohner los gegangen und die Dämonen hatten die umliegenden Häuser angezündet. Candidus war zu diesem Zeitpunkt auf dem Marktplatz gewesen und wollte seine Ernte gegen andere Dinge tauschen, so wie es üblich war. Stattdessen fand er sich in einem Kampf wieder. Die Schutzschilde hatten die Angreifer schnell umgangen und griffen mit Schwertern, Dolchen und Messern an. Gabriels Engel kamen schon nach kurzer Zeit zur Hilfe geeilt, aber das Feuer hörte nicht auf zu lodern. „Holt mehr Wasser!“, rief Candidus den anderen Bewohnern zu, die keine Magie besaßen. Er selbst, sowie die anderen Magier versuchten noch immer gemeinsam mit den Engeln, die Angreifer zu vertreiben. Eine kleine Lichtkugel nach der anderen tauchte in ein Element ein und griffen dann permanent die Dämonen und Dunkelmagier an. Candidus attackierte mit Lichtmagiekugeln, blickte sich immer wieder nach seinen Mitstreitern und möglichen Verletzten um: „Nicht nachlassen. Gabriel behütet uns, seine Engel helfen uns. Wir schaffen das.“ Sein starker Glaube an die Fähigkeiten und Gabriel selbst halfen nicht nur ihm, sondern bestärkten auch die anderen Magier. Sie hatten das Licht empfangen, um ihre Liebsten zu schützen und genau das würden sie auch tun. Während die dunklen Magier sich größtenteils auf den Nahkampf konzentrierten, versuchten die Lichtmagier sich von ihnen fern zu halten. Kamen die Dunkelmagier ihnen zu nahe, erzeugten sie konzentriertes Licht, um diese zu blenden und wieder Abstand zu gewinnen. Ihr Glück war es, dass die Dämonen sich tatsächlich im Hintergrund hielten. Allerdings war das Feuer geradezu außer Kontrolle geraten. Die Engel schickten weitere Lichtelfen hinab. Für Candidus und die anderen waren es nur kleine Lichtkugeln, die ihren Weg zum Gegner suchten, dass darin sich eine Art kleines Wesen verbarg, ahnte keiner. Eine Gruppe von Lichtelfen tauchte in die Flammen ein und nahm damit das Element des Feuers an. Gezielt griffen diese die Dunkelmagier an, denn die Engel wussten, dass Dämonen nicht verbrennen konnten. Es würde sie zwar schmerzen, jedoch nicht abschrecken. Die Dunkelmagier schrien jedoch auf, als sie mit den Feuerelfen in Berührung kamen oder warfen sich panisch auf den Boden, wenn ihre Kleidung Feuer fing. Die Hitze des Feuers machte Candidus zu schaffen, während er weiter die Dunkelmagier attackierte. Es wurden weniger. Immer mehr verschwanden einfach in schwarzem Rauch. Die Engel setzten noch einmal nach mit einer neuen Gruppe Lichtelfen, welche erneut ins Feuer eintauchte. Allerdings verließen nicht alle Lichtelfen das Feuer wieder sofort, eine schien zu fehlen. Den Magiern, Dämonen und Dorfbewohnern fiel das gar nicht auf. Viel zu sehr waren sie mit dem eigentlichen Kampf beschäftigt. Ein junger Wolf, etwa im Alter von 20 Jahren, lief unbekleidet aus den Flammen des brennenden Hauses. Er wirkte unverletzt, aber verwirrt. Candidus bemerkte ihn aus dem Augenwinkel: „Bist du verletzt?“ Seltsamer Weise hatte Candidus ihn noch nie dort gesehen, dabei kannten sich alle in dem kleinen Dorf. War er ein Obdachloser, der sich bisher im Dorf versteckt hatte? Es folgte keine Antwort auf Candidus’ Frage. Dieser konnte sich auch nicht groß um ihn kümmern, da er noch immer auf seine eigene Verteidigung achten musste sowie die restlichen Angreifer vertreiben. Der fremde Wolf setzte sich in Bewegung, klopfte sich auf die Brust, als würde er nach Atem ringen und plötzlich schoss ein Feuerstrahl aus seinem Mund, sowie man es sonst von Dämonen nur kannte. Candidus nahm ihn nun natürlich als Gegner war, aber der Fremde schien genauso erschrocken und rannte davon. Kurz überlegte Candidus ihm zu folgen, entschied sich jedoch seine Kameraden nicht im Stich zu lassen.

    Endlich war auch der letzte Dunkelmagier in schwarzem Rauch verschwunden. Kurz darauf zogen sich auch die Dämonen zurück, welche stattdessen in schwarzen Flammen aufgingen. Die Lichtmagier hatten jedoch keine Zeit sich auszuruhen und begann los zu rennen, um mehr Wasser zu holen. Einige Häuser waren bereits verloren, aber es galt die angrenzenden Häuser zu schützen. Die Engel über ihren Köpfen ließen die Lichtelfen verschwinden, ihre Aufgabe war getan. Die hellen Gestalten stiegen nun wieder höher in den Himmel und verschwanden schließlich. Eimer um Eimer wurde aus dem Brunnen nach oben geholt. „Macht schneller!“ „Die Flammen werden einfach nicht kleiner.“ „Wir brauchen mehr Wasser!“ „Das Feuer breitet sich auf die Felder aus!“ Von überall erklangen die Stimmen. Hatten sie den Kampf wirklich gewonnen? Von dem Dorf würde vermutlich nichts als Asche bleiben. Candidus blickte in den Himmel: „Gabriel, bitte, wenn ihr irgendwas tun könnt, dann bitte helft uns.“ Sie würden es unmöglich alleine schaffen über die Flammen Herr zu werden. Zwischen dem ganzen Rauch, welcher zum Himmel zog, schienen sich auch andere Wolken zu bilden. In Candidus keimte ein Hoffnungsschimmer auf: „Regen, bitte lass es regnen.“ Tatsächlich zuckte ein Blitz zwischen den Wolken entlang, es donnerte und dicke Regentropfen ergossen sich in einem wahren Wasserschwall über das Dorf. Die Bewohner blieben stehen, steckten teilweise die Arme aus und ließen den Regen dankbar auf sich hinab prasseln. Es war ein wahres Wunder. Das Feuer erlosch, der Geruch von nasser Asche war überall im Dorf. Viele der Dorfbewohner, welche im Zentrum lebten, hatten alles in den Flammen verloren. Langsam begann der Regen nachzulassen und der Verlust sowie das ganze Ausmaß der Vernichtung wurde den Dorfbewohnern bewusst. Es waren die Überreste eines Schlachtfeldes. Candidus hatte selbst nicht fiel, aber sein Haus stand weiter abseits des Dorfes und war somit verschont geblieben: „Ich kann ein paar Leute aufnehmen bis wir die Häuser wiederaufgebaut haben. Sicher haben auch andere Platz.“ Er blickte sich um, zustimmend nickten einige Leute: „Wer keinen Schlafplatz hat, kommt bei Nachbarn und Freunden unter. Das kriegen wir schon hin.“ Man konnte die Erleichterung der nun Obdachlosen spüren, sie würden nicht elendig auf der Straße sterben.

    Müde blickte Candidus auf sein Feld. Er hatte Glück gehabt und seiner Familie war nichts geschehen. Dennoch machte er sich sorgen, denn die Kämpfe würden sicherlich nicht so bald enden. Sein Leben als Bauer war ihm immer genug gewesen, jetzt nutzte er Magie. Es schien noch immer etwas befremdlich. Schützend hielt er sich den Arm vor Augen, als ein grelles Licht vor ihm auftauchte aus welchen Gabriel erschien: „Ihr habt euch gut geschlagen heute.“ Einen kurzen Moment brauchte Candidus noch, ehe er respektvoll antwortete: „Eure Engel haben uns viel geholfen. Ohne euch, eure Magie, eure Engel… wir wären alle tot. Wir alle sind euch unendlich dankbar.“ „Du hast einen starken Glauben“, bemerkte Gabriel lächelnd, „und die Lichtmagier brauchen einen Anführer. Ich möchte dir die Krähenmagie geben.“ „Ich bin doch nur ein Bauer, ich weiß doch gar nicht, was diese Krähenmagie sein soll. Ihr solltet jemand andern auswählen. Jemanden in einer höheren Position“, protestierte Candidus doch etwas erschrocken über Gabriels Vorschlag. „Es ist eine besondere Magie“, erklärte Gabriel in ruhigem Ton, „Eine stärkere Form der Lichtmagie. Ich habe dieser Magie die Form einer Krähe gegeben, als Symbol der Bindung zwischen Leben und Tod. Außerdem hat die Lichtmagie noch viel mehr Möglichkeiten, als ihr bisher nutzt. Ich denke, du bist der Richtige, um dein Volk, das Volk der Lichtmagier, zu führen.“ „Ich habe keine Ahnung, wie man ein Volk führt“, widersprach er erneut und blickte etwas hilflos zu Gabriel, „So sehr mich euer Angebot auch ehrt.“ Lächelnd hob Gabriel die Hand und legte sie Candidus auf die Brust: „Ich werde dir helfen, du bist nicht alleine. Dein Glaube ist deine größte Stärke. Vergiss das nicht.“ Dann begann Candidus zu leuchten, immer stärker und stärker. Er schloss die Augen, entspannte sich aber schnell, da das Licht sich warm und freundlich anfühlte. Das Licht verschwand in seinem Körper und ein hellgraues Krähensymbol erschien über seinem linken Auge. Es wirkte wie eine Fellzeichnung, ungewöhnlich, aber natürlich. Candidus blickte auf seine Hände und dann unschlüssig zu Gabriel: „Es fühlt sich nicht viel anders an.“ „Deine Kinder sollen es auch bekommen. Wenn du einmal nicht mehr bist, müssen sie sich selbst verteidigen können und ihr Volk führen“, erklärte Gabriel ihm sanft, „Keine Sorge, sie werden es einmal besser beherrschen als du. Sie wachsen damit auf und es wird schnell ein normaler Bestandteil ihres Lebens.“ Candidus drehte sich zu seinem Haus: „In Ordnung, ich werde sie holen. Wartet kurz hier.“ Schnellen Schrittes ging er ins Haus, um seine Tochter und seinen Sohn zu Gabriel zu bringen. Auch wenn ihn die Situation noch überforderte, vertraute er Gabriel vollkommen. Zum Wohle seiner Familie würde er zu dem Anführer werden, denn Gabriel in ihm sah. Die Zweifel musste er beiseiteschieben.

    Erneut zeigte ihm Gabriel, wie er eine Magiekrähe heraufbeschwor. Es war wie eine Lichtmagiekugel, nur dass es die Gestalt einer Krähe annahm und wesentlich konzentrierter war. Bisher hatte Candidus damit erhebliche Probleme. Zwar konnte man einen Hauch von Flügeln erkennen, während er die Magie bündelte und versuchte ihr eine Form zu verleihen, jedoch brauch das Konstrukt jedes Mal wieder zusammen. „Du darfst dich nicht so verkrampfen. Denk an schöne Dinge, die Personen, die dir wichtig sind und lass deine stärkten positiven Gefühle sanft durch deinen Körper gleiten. Es ist wie ein Fluss und am Ende dessen entsteht ein prachtvoller See“, erklärte Gabriel ihm geduldig. Mit tiefen Atemzügen versuchte Candidus sich selbst zu entspannen und nahm einen neuen Versuch in Angriff: „Fließen lassen.“ Konzentriert versuchte er seine tiefsten Gefühle in den Magiefluss umzuwandeln. Statt einer Krähe entstand ein grelles Licht, welches wie ein kurzes, aber sehr starkes Aufblitzen die nähere Umgebung blendete. „Mach eine Pause und übe für dich später weiter. Wenn du es geschafft hast, werde ich wiederkommen und dir zeigen, wie du sie lenkst und noch größer bekommst. Für heute soll das aber reichen“, meinte Gabriel lächelnd, „Du machst das wirklich gut, Candidus. Zerbrich dir nicht so viel den Kopf.“ Nickend, aber etwas geknickt, stimmte Candidus diesem zu: „Vielen Dank für alles. Ich kann das wirklich nicht oft genug sagen.“ „Bevor ich jetzt gehe, Candidus“, begann Gabriel erneut, als wäre ihm noch etwas Wichtiges eingefallen, „Ich werde es alle Lichtmagier wissen lassen, dass du ihr Anführer bist und von mir ausgewählt wurdest. Niemand wird dich in Frage stellen. Das Volk der Lichtmagier soll ein Volk von Beschützern und Bewahrern sein. Ich bin mir sicher, dass du genau das vermitteln wirst.“ Ehe Candidus darauf noch etwas erwidern konnte, verschwand Gabriel im grellen Licht und nichts als eine weiße Feder blieb, welche sich ebenfalls auflöste. „Ich soll eine Pause machen…“, seufzte er und ging zu seinem Haus, „Wie soll ich mich denn mit all diesen Dingen im Kopf entspannen?“

    Es waren inzwischen einige Monate vergangen seit dem Candidus die Krähenmagie von Gabriel erhalten hatte. Mit viel Übung konnte er schließlich diese auch meistern. Die Häuser des Dorfes waren zum Großteil wiederaufgebaut worden, allerdings hatten sie zwischenzeitlich immer wieder einige Rückschläge durch den Angriff der Dämonen und Dunkelmagier. Candidus hatte begonnen die Lichtmagier besser einzuteilen, dabei hatte er drei Gruppen gebildet. Die beiden größten Gruppen bestanden einmal aus den Lichtmagiern, die sich auf die Verteidigung spezialisierten und somit das Schutzschild versuchten optimal einzusetzen. Zum anderen gab es die Gruppe der Magier, die in den direkten Nah- oder Fernkampf gingen. Diese spezialisierten sich auf die Angriffsmagie, Geschwindigkeit und Strategie. Neben diesen beiden größeren Gruppen gab es die Gruppe der Heiler. Sie konzentrierten sich darauf die Verletzten zu versorgen und Krankheiten vorzubeugen oder zu bekämpfen. Diese neue Aufteilung hatte sich schon nach kurzem sehr bewährt. Gut verteilt schafften es die Lichtmagier sogar den Großteil des Dorfes durch einen riesigen Schutzschild zu schützen. Somit wurden die Kämpfe im äußeren Bereich ausgetragen und die Nichtmagier konnten sich so im Dorfinneren in Sicherheit bringen. „Habt ihr alles?“, vergewisserte sich Candidus erneut bei seiner Frau und den Kindern. Nachdem er erfolgreich das Dorf zu seinem sichereren Ort gemacht hatte, wollte er nun weiter ziehen zu anderen Dörfern und Städten. Er hatte das Gefühl, dass Gabriel so etwas erwartete, damit er überall die Lichtmagier unterstützen konnte. Von ihnen hing es schließlich ab, ob sie vom Fürsten der Finsternis unterworfen werden würden oder ob sie hoffentlich in eine Zukunft gingen, die ihnen allen Frieden brachte. „Wir können los“, bestätigte ihm seine Frau, „Ich hoffe, wir bereuen diesen Entschluss nicht.“ „Gabriel wird mit uns sein“, entgegnete Candidus und blickte dann in den Himmel, „Er wacht über uns alle.“

    Voller Dreck und Asche stand Perniger vor dem Erdloch in welchem er seine Schätze versteckte. Immer und immer wieder griff er in seine Tasche und holte neue Goldstücke hervor, die er hinabfallen ließ. Fröhlich grinste er in sich hinein: „Wenn ich so weiter mache, brauche ich bald ein größeres Loch.“ Durch die vielen Kämpfe mit den Lichtmagiern in den letzten Monaten hatte er es immer schwieriger in einigen Orten dort Geld auszugeben, da man ihn als Dunkelmagier erkannte und direkt angriff. Daher achtete er immer mehr darauf nur noch Orte aufzusuchen, in denen er noch keinen Angriff mitgemacht hatte. Immer wieder blickte er sich um, ob nicht doch jemand in den Wald kommen würde und sein Versteck entdeckte. Schließlich könnte man das Klimpern der Goldmünzen noch ein Stück weiter hören. Perniger würde dann auch nicht davor zurück schrecken den ungebetenen Gast zu töten. „Noch einmal“, sprach Perniger zu sich selbst und griff erneut in seine Taschen, um eine weitere Ladung Goldmünzen hervor zu holen. Diese ließ er ebenfalls in sein Schatzloch fallen, ehe er zu seiner Schaufel griff und dieses Stück für Stück wieder mit Erde zuschüttete. Sicherlich hätte er sich davon ein Haus kaufen können, gut leben können und dennoch weiterhin in Satans Diensten stehen, jedoch hatte Perniger zu viel Angst, dass er selbst bestohlen werden würde. Daher zog er es vor seinen Schatz weiterhin zu vergraben und immer mal wieder zu mehren.

    Glücklicher Weise war Damons Bein gut verheilt, aber daran hatte er auch niemals gezweifelt. Dämonen waren da ziemlich resistent und ihr Körper heilte gut, meist ohne bleibende Schäden zu hinterlassen. Da Damon keine offene Wunde gehabt hatte, war auch keine Narbe zu sehen. Gerade war Damon auf Portunus unterwegs, lief über eine weite Ebene und wusste nicht so genau wohin er eigentlich wollte. Dimicatio war wieder zu seinem sogenannten Schattentor zurückgekehrt. Auf seine Unterstützung brauchte er nicht zu warten. Die meiste Zeit war Damon in der Wüste auf dem Kontinent Fidius unterwegs gewesen. Da er wie die meisten Dämonen weder Wasser noch Nahrung brauchte, hatte es auch keine Eile gehabt. Wäre er ein Blutdämon, hätte er auf die Blutspende eines anderen Dämons hoffen oder aber schnellstmöglich eine der wenigen Wüstenstädte und -dörfer der Sterblichen erreichen müssen. Doch Damons Fähigkeit war die Wiedergeburt. Noch immer wusste er nichts davon, dass Satan die Dämonen nicht getötet, sondern nur versklavt hatte. Damon blieb verwundert stehen und blickte zu dem Dorf, welches sich unweit von ihm befand. Rauchschwaden stiegen empor und färbten den Himmel schwarz. Die Sonne stand bereits tief, welches dazu führte, dass Damon nicht gleich erkannte, dass die Flammen in dem Dorf ebenfalls pechschwarz und nicht rötlich-orange waren. Dennoch hatte seine feine Dämonennase den Geruch eines anderen Dämons aufgefangen. Er glaubte nicht, dass es Dimicatio wäre. Dessen Geruch war auch eher mild und leicht im Gegensatz zu den meisten Dämonen. Dieser Geruch wirkte schwer und hatte die starke Anhaftung von Asche, welches jedoch durch das Feuer kommen konnte. Entschlossen dem nachzugehen lief Damon auf das brennende Dorf zu. Vielleicht hatte noch ein Dämon überlebt, aber was würde dieser in einem Dorf machen? Ein Blutdämon auf Nahrungssuche? Hatte er das Feuer verursacht? Warum? Es erschien überhaupt keinen Sinn zu machen. Als er das Dorf erreichte, bot sich ihm ein fragwürdiger Anblick. Zwischen den Flammen der Häuser kämpften Sterbliche, welche mit Kugeln aus Licht die Dämonen angriffen. Auf anderer Seite die Dämonen, welche nur halbherzig kämpften, unterstützt von weiteren Sterblichen die dunkle Magie beherrschten. Damon verstand die Welt nicht mehr. Er fühlte Erleichterung darüber, dass noch Dämonen lebten, Verwunderung über das, was da geschah und Entsetzen über die Magie, welche auf einmal Sterbliche benutzen konnten. Es schwankte zwischen Glück über die überlebenden Dämonen und Verzweiflung über das, was er mit seiner verrückten Idee angerichtet hatte.
    Cornix cornici oculos non effodit. - Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.
  • Teil 1 - Himmel und Hölle von Die Prophezeiung des Lichts

    Kapitel 5 - Im Einklang mit der Natur

    „Wollt Ihr hier alle warten bis auch dieses Dorf dem Erdboden gleich gemacht wird?“ sprach ein schwarzer Wolf, der auf einer Holzkiste stand. Einige Leute hatten sich um ihn versammelt. Andere gingen einfach ihrem alltäglichen Treiben nach. Der Krieg zwischen weißen und schwarzen Magiern tobte nun schon seit fast zwei Jahrhunderten. Tag für Tag forderte er mehr Opfer. Nicht nur unter den Magiern, sondern vor allem unter den Nicht-Magiern. Immer mehr Sterbliche schlossen sich Satan an, aus Verzweiflung. Gabriel hatte seit der Erschaffung der ersten weißen Magier keine Neuen mehr erschaffen und wahrscheinlich würde er das auch nicht. „Ich möchte mich nicht dieser Ausgeburt der Hölle anschließen, dem Teufel selbst“, sprach der Wolf ununterbrochen weiter. Einige Leute hörten ihm nur aus Spaß zu, andere waren jedoch wirklich interessiert, was der Wolf für einen Vorschlag zu machen hatte. Unter ihnen war auch ein junger Wolf mit dunkel-lila Fell und hell-grün leuchtenden Augen. Der Wolf der dort oben stand, war sein Vater. Er war davon überzeugt, dass er die Menge auf seine Seite ziehen könnte. „Mehrere Gruppen haben sich bereits im Norden zusammengeschlossen, um in den Wäldern zu leben und die Magie der Natur zu suchen. Wir sollten uns ihnen anschließen. Es ist unsere einzige Chance. Die Reise ist lang und wird sicher nicht ungefährlich, aber wenn wir kein Weg finden uns gegen die Magier, Dämonen und den Teufel selbst zu wehren, was wird dann aus uns werden? Das frage ich euch! Wir werden zugrunde gehen oder zu einem Teil der Dienerschaft des Höllenfürsten“, setzte der schwarze Wolf erneut fort. „Als wenn die Natur für uns Magie bereithalten würde“, rief jemand aus der Mitte der versammelten Menge. Was zur Folge hatte, dass überall ein Getuschel und Gemurmel ausbrach. Der junge Wolf trat neben seinen Vater, jedoch stellte er sich nicht mit auf die Kiste: „Ich, Saltus, glaube an die Magie der Natur. Die Druiden nutzen ihre Kräuter und brauen Tränke zur Genesung. Diese funktionieren nur, weil sie so eng mit der Natur zusammenarbeiten. Warum sollte die Natur uns nicht noch mehr zu bieten haben. Die Magier schöpfen ihre Macht doch auch nur aus Licht und Finsternis. Ich bin zwar gerade mal 13 Jahre alt, aber ich glaube fest daran, dass wir die Magie finden werden, in welcher Form auch immer.“ Die Leute verstreuten sich langsam und schließlich waren nur noch Saltus, seine Mutter und sein Vater übrig. Saltus ließ den Kopf hängen: „Entschuldige Vater, ich wollte nur helfen.“ Dieser lächelte: „Das hast du gut gemacht. Sie können nur einfach nicht unsere Hoffnung teilen. Wir werden trotzdem abreisen. Im Norden wird die Gruppe von vier Druiden begleitet, die für die Gesundheit dort sorgen. Wenn wir es zu ihnen schaffen, haben wir das Schwierigste hinter uns.“ „Ist es sehr weit dort hin?“ wollte Saltus wissen. „Ja, das ist es, mein Sohn. Doch solange wir Hoffnung haben, wird uns unser Wille vorantreiben“, bestätigte er. Bereits am nächsten Morgen brachen sie auf. In einem alten Heuwagen hatten sie Proviant, Decken, Kleidung und Feuerhölzer verstaut. Saltus‘ Eltern saßen vorne und würden abwechselnd den Wagen lenken. Er jedoch saß hinten bei dem Gepäck. Sein Vater trieb das Pferd an und die holprige Fahrt ging los. Als sie durch das Dorf fuhren, sahen ihnen noch einige Leute hinterher. Saltus fragte sich, was sie wohl dachten. Vielleicht würde einige ihnen doch noch folgen, aber sicher war er sich dessen nicht. Den ersten Teil der Strecke fuhren sie auf den Hauptverkehrsstraßen. Es war so leichter voran zu kommen und auch mal schön ein paar anderen Leuten zu begegnen. „Sieh mal dort“, rief seine Mutter auf einmal erschrocken auf. Sein Vater hielt sofort den Wagen an: „Immer mit der Ruhe. Vielleicht kommen sie gar nicht hier her.“ Saltus ließ die Ohren hängen und schaute ängstlich auf die beiden Magier, die sich dort bekämpfen. Der weiße Magier schien im Nachteil zu sein. Er sah auch schon ziemlich mitgenommen aus. „Es werden andere kommen“, rief er seinem Gegner zu. Dieser lachte nur holte mit seinem Schwert aus reiner schwarzer Magie aus. Erst sah es aus, als wäre überhaupt nichts passiert, doch dann konnte man eine Schnittverletzung am Hals erkennen. Er sackte auf die Knie und dann zur Seite. Saltus wich erschrocken im Wagen zurück, sodass er gegen die Holzkiste mit der Kleidung stieß. Nun wurde der schwarze Magier auf sie aufmerksam und lief hinterhältig grinsend auf die Familie zu. „Lauft!“ schrie Saltus Vater und sprang von dem Wagen, um sich dem Magier entgegen zu stellen. „Los Saltus!“ rief seine Mutter, sprang ebenfalls aus dem Wagen und rannte los. Saltus kletterte aus dem Wagen und lief ihr hinterher. Er sah dabei nicht zurück, denn ihm war jetzt schon klar, dass sein Vater das unmöglich überleben würde. Dieser war weder Krieger noch hatte er irgendwelche Kämpfe je bestritten. Saltus könnte froh sein, wenn er selbst mit dem Leben davonkommen würde. Er hörte einen Aufschrei seines Vaters, doch rannte er weiter. Wenn er jetzt zurückblicken würde, wäre alles aus. Sicherlich würde er keinen Schritt mehr tun können und doch war die Versuchung so groß. Gerade als er zurückblicken wollte, gab der Boden unter ihm nach und er fiel in eine Grube. Er prallte unsanft unten auf und Erde rutsche hinab, welche ihn bedeckte. Regungslos blieb er liegen. Vielleicht hatte er Glück und der Magier würde ihn so nicht entdecken. Eine bessere Überlebenschance gab es wohl nicht. Er schoss die Augen und hoffte, dass sich auch irgendwie seine Mutter retten würde. Stundenlang blieb er dort unten, still und regungslos. Immerhin konnte er ein wenig atmen, sonst hätte er sein ungewolltes Versteck wohl eher verlassen müssen. Doch er lauschte, hörte den Wind, die Erdkörner, die sich durch diesen bewegten, das Gras rascheln und sonst nichts. Seit Ewigkeiten waren schon keine Schritte mehr zu hören, nicht das Schwingen eines Schwertes oder gar die Stimme seiner Mutter, die vielleicht nach ihm suchte. Er wusste nicht, ob sie noch lebte. Der Magier war an der Grube vorbei gerannt, das hatte er wohl gemerkt, aber was mit seiner Mutter geschehen war, wusste er nicht. War sie entkommen oder würde er, wenn er hinauf kletterte, ihren toten Körper vorfinden!? Er hatte solche Angst nachzusehen, dass er einfach liegen blieb und nichts tat, außer zu lauschen. Die Zeit schien für ihn still zustehen, ein klein wenig hatte er sich bewegt, um besser Luft zu bekommen. Mehr hatte er nicht gewagt, ehe ihm der trockene Mund und das endlose Verlangen nach Wasser dazu brachten sich langsam aufzurichten. Mit gesenkten Ohren stemmte er sich nach oben, gerade so viel, dass er einen Blick riskieren konnte. Sein Herz raste, aber den dunklen Magier konnte er nirgends erblicken. Noch ein tiefer Atemzug und er kletterte aus der Grube heraus. Erneut ließ er den Blick schweifen, kein Wagen mehr, keine Pferde weit und breit. Auch seine Mutter schien verschwunden zu sein, jedoch lag der leblose Körper seines Vaters unweit von der Straße am Boden. Saltus blickte in die Richtung, in der der Wald lag. Er könnte sich dort verstecken, vielleicht hatte seine Mutter es bis dorthin geschafft. Die Hände zu Fäusten geballt, ging er zurück zur Straße. Niemals könnte er sich verzeihen seinen Vater zurück gelassen zu haben, wenn er noch leben könnte. So klein die Chance auch sein mochte. „Vater?“, brachte Saltus mit leiser-krächzender Stimme hervor. Sein Mund war so trocken und die Angst keine Antwort zu bekommen, schnürte ihm die Kehle zu. Allen Mut zusammennehmend trat er näher heran. Mit einer Hand fasste Saltus seinem Vater an die Schulter und rüttelte etwas an ihm: „Vater…“ Ihm kamen die Tränen und er wandte sich von dem leblosen Körper ab. Mit jeder Sekunde die verstrich, sank die Realisation tiefer ein und die Tränen in seinen Augen wurden immer mehr. Während Saltus die Trauer immer mehr die Kehle zu schnürte, macht er sich auf den Weg in den Wald.

    Die Blätter raschelten immer wieder im Wind, hier und da schien sich etwas zu bewegen, aber von seiner Mutter war weit und breit keine Spur. Saltus hatte eine ganze Weile nach ihr gerufen, jedoch keine Antwort erhalten. Vermutlich war sie tot. Schließlich hatte er auch nur einmal Schritte an der Grube vorbei gehen hören. Sein Blick schweifte zurück, auch wenn er sich nicht mehr sicher war, ob er überhaupt von dort gekommen war. Im Wald wirkte alles so gleich, es war schwer zu sagen, wo genau er sich befand. Noch immer plage ihn der Durst und auch der Hunger ließ nicht auf sich warten. Gerade als er eine Pause einlegen wollte, traf ihm ein Lichtstrahl ins Gesicht. Irgendetwas vor ihm, musste es reflektiert haben. Hoffnungsvoll beschleunigte er seine Schritte und kam an einen kleinen See, welcher im Licht der Sonne geradezu glitzerte. Erleichtert trat er ans Ufer, kniete sich herunter und schöpfte mit beiden Händen etwas Wasser ab, um zu trinken. Gerade als das Wasser seine Kehle benetzte, bewegte sich ein Schatten im Wasser. Saltus sprang erschrocken zurück, gerade noch rechtzeitig, ehe ein grazile grau-bläuliche Katze mit ihrem Oberkörper aus dem Wasser schoss. Sie hatte ihn direkt packen wollen und zischte wütend, dass er ihr so knapp entkommen war. Sogleich stieg sie aus dem Wasser: „Komm her, gefalle ich dir nicht?“ Ohne groß darüber nachzudenken, wand Saltus den Blick ab und rannte so schnell er konnte davon. Mit Seitenstichen stoppte er schließlich, nur um festzustellen, dass er sich noch weiter im Wald verlaufen hatte als zuvor. Die Bäume schienen dort noch dichter zu stehen. Zwar hatte er einen Schluck Wasser nehmen können, aber das war bei weitem nicht genug. Zu der gruseligen Wasserfrau wollte er aber auch nicht zurück gehen, falls er den Weg noch finden würde.

    Mit dem Rücken an den Baumstamm gelehnt, hatte Saltus die Nacht in sicherer Höhe auf einem Ast verbracht. Bequem war das nicht gerade gewesen, aber die Erschöpfung des Tages hatte ihn schnell in die Welt der Träume geschickt. Die ersten Sonnenstrahlen blitzten durch das Blätterdach und frischer Tau hatte sich gebildet. Vorsichtig richtete sich Saltus auf und kletterte den Baum hinab. Noch immer plagten ihn Durst und Hunger. Die kleinen Wasserperlen auf den Blättern der Büsche und den langen Grashalmen sahen verlockend aus. Er zögerte nicht lange und ging zu dem ersten Busch, wo er Blatt für Blatt den Tau herunter leckte. Als er ein wenig seinen Durst gestillt hatte, bemerkte er einige wilde Himbeeren, die über den Boden sowie zwischen den Büschen entlang gewachsen waren. Vorsichtig zupfte er eine nach der anderen ab und steckte sie sich in den Mund. Es war nicht viel, aber für den Anfang besser als nichts. Wenn er doch nur eine weitere Wasserquelle finden könnte. Einen Fluss oder auch nur einen kleinen Teich, wo keine gruselige Wasserfrau auftauchen würde. Nachdem er sich etwas gesättigt hatte, blickte er sich um. Da er noch immer keinerlei Orientierung hatte, nahm er zwei Stöcke und steckte diese in den Boden, sodass sie ein „X“ bildeten. So würde er zumindest wiedererkennen, dass er dort schon einmal war. Nach kurzer Überlegung schlug Saltus dann eine Richtung ein und versuchte sich besser die verschiedenen Bäume, Büsche und Positionen dieser einzuprägen. Außerdem machte er sich Gedanken, wie es nun weiter gehen sollte. Selbst wenn er aus dem Wald wieder herausfinden würde, könnte er niemals den Weg alleine in den Süden finden oder überhaupt sich verteidigen. Der Wald bot ihm Schutz, etwas Nahrung und hoffentlich auch bald mehr Wasser. Niemand würde ihn suchen kommen. Also musste er sich durchschlagen und auf das Beste hoffen. Zwei große Bäume mit weißen Stämmen kreuzten seinen Weg. Saltus war sicher, dass er an diesem Ort noch nicht gewesen war. Die beiden hellen Bäume wären ihm sicher im Gedächtnis geblieben. Ein Reh schreckte auf, als er auf einen Stock trat und rannte davon. Das Vogelgezwitscher sowie das leise säuseln des Windes ließen alles friedlich erscheinen. Etwas weiter entfernt konnte er ein Plätschern vernehmen und folgte dem Geräusch. Umso lauter das Geräusch wurde, desto schneller wurden seine Schritte. Es handelte sich um einen Fluss, der sich mitten durch den Wald seinen Weg bahnte. An der Stelle, wo Saltus an ihn herantrat, war er nicht sonderlich tief. Ohne große Anstrengung konnte man den Grund sehen, somit war eine unschöne Überraschung auch ausgeschlossen. Er kniete sich zum Fluss herunter und schöpfte mehrere Male Wasser ab, um dieses zu trinken. Nachdem er seinen Durst gestillt hatte, zog er seine Schuhe aus, um seine Füße etwas in dem kühlen Wasser zu entspannen. Es wäre sicherlich am besten für ihn in der Nähe des Flusses zu bleiben und sich einen geeigneten Baum als Schlafplatz zu suchen. Einige kleine Fische schwammen an ihm vorbei. „Ich bräuchte eine Angel oder ein Netz“, überlegte Saltus laut vor sich hin. Das Material dafür ließ sich sicherlich irgendwie zusammenstellen. Die Anspannung ließ etwas nach, auch wenn es nicht leicht werden würde, er konnte das schaffen.

    Einige Monate waren ins Land gestrichen. Saltus hatte sich mit Ästen und Zweigen eine Art Bett und Dach auf einem der Bäume geschaffen. Zwar war er nicht unmittelbar am Fluss geblieben, jedoch nah genug daran, um sich jederzeit Wasser holen zu können und etwas Fischen zu gehen. Aus getrockneten Gräsern und verschiedenen Pflanzenfasern hatte er sich ein Fischernetz geflochten. Im seichten Wasser des Flusses reichte es auch völlig aus, um ihm ein paar kleine Fische zu bescheren. Immer wenn er etwas Zeit hatte beobachtete er die Tiere des Waldes. Sie mieden instinktiv den See und kannten die besten Plätze um sich zu sonnen oder um Nüsse zu finden. Die Eichhörnchen waren meist so flink, dass er einige Anläufe brauchte um ihnen zu folgen. Manchmal glaubte er das Leben der Bäume und Büsche um ihn herum zu spüren. Irgendwie war der Wald zu seinem Zuhause geworden, sodass er sich gar nicht mehr wünschte irgendwo anders zu sein. Der Verlust seiner Eltern schmerzte immer noch, aber nun war er sich sicher es auch ohne sie zu schaffen. Gerade saß Saltus am Fuß eines Baumes und betrachtete nachdenklich die Grashalme: „Die Druiden machen aus all diesen Dingen Tränke, die magischen Wirkungen haben. Welche Magie verbirgt sich also hier? Wenn ich das Rätsel lösen könnte, hätte ich die Möglichkeit mich zu verteidigen.“ Entschlossen dem auf den Grund zu gehen, legte er eine Hand auf eine der Wurzeln des Baumes, dabei schließt er die Augen und versucht sich nur noch auf den Baum zu konzentrieren. Eine Ewigkeit verweilte er so, dabei schaffte er es mehr und mehr die Umgebungsgeräusche auszublenden. Jede Bewegung des Baumes, seiner Äste und Blätter nahm er war, spürte das Leben in ihm und noch etwas Fremdes. Es schien außen und innen zu sein, aber er konnte nicht genau sagen, was es war. Langsam versuchte Saltus es auf sich wirken zu lassen, dennoch wurde das Gefühl nicht klarer. Er öffnete die Augen und atmete einmal tief durch: „Ok, vielleicht sollte ich erst mal anfangen zu schauen, ob dieses Unbekannte auch bei den anderen Pflanzen ist. Dann kann ich es sicher besser bestimmen.“ Nachdenklich blickte er in den Himmel: „Oder Mama, Papa? Was würdet ihr tun?“ Da es aktuell seine einzige Hoffnung war eine Gemeinsamkeit zu finden, stand er auf, um sich gleich wieder ins Gras zu setzen. Dort legte er die Hand flach über die Grashalme und konzentrierte sich. Es dauerte wieder etwas, ehe Saltus alles andere in der Umgebung ausblenden konnte. Wie er vermutet hatte, spürte er auch hier etwas Fremdes, ihm Unbekanntes oder zumindest nicht zuordbar. Dabei schien es die gleichen Eigenschaften wie zuvor beim Baum aufzuweisen. Gleichermaßen ging er bei Büschen, weiteren Bäumen, Steinen und schließlich sogar dem Wasser und der Luft vor. Diese scheinbar unsichtbare Präsenz war überall und schien irgendwie alles miteinander zu verbinden. „Ist das die Magie, die ich suche?“, fragte er sich selbst und blickte dann auf seine Hände. Könnte er vielleicht, genau wie die Magier, damit Magiekugeln erschaffen!? Erst einmal hatte Saltus nun Hunger und begab sich zum Fluss, um ein paar Fische zu fangen.

    Die ersten Strahlen der Sonne weckten Saltus, am gestrigen Tage hatte er sich nicht weiter mit dieser unbekannten Energie beschäftigt und war eine ganze Weile am Fischen gewesen. Inzwischen fiel es ihm auch schon sehr viel leichter mit dem trockenen Holz ein kleines Feuer zu entfachen. Allerdings hatte er keine Möglichkeit den Fisch länger zu lagern. Wenn der Winter käme, würde die Nahrung knapp werden. Darüber würde er sich aber später Gedanken machen. Wie jeden Morgen kletterte er vom Baum und ging zum Fluss, um erst einmal etwas zu trinken. Während er seinen Durst stillte, dachte er an die Erkenntnisse vom Vortag und was er daraus jetzt machen könnte. Saltus war sich sicher, dass er Magie erlernen könnte. Die Frage war nur noch wie. Einige Male atmete er bewusst ein und aus, dann stellte er sich aufrecht hin und streckte die Hand aus. Er versuchte sich auf den Punkt über seiner Hand zu konzentrieren, diese unbekannte Energie zu einer Kugel zu formen, aber es geschah nichts. Einen Moment senkte er die Hand ab, nur um sie dann verkrampft wieder hoch zu halten: „Komm schon… bitte…“ Enttäuscht senkte er die Hand und schoss einen kleinen Stein mit seinem Fuß weg: „Verdammt!“ Mühsam schluckte er seinen Frust herunter und atmete tief durch: „Es ist in Ordnung. Ich muss es einfach nochmal versuchen.“ Entschlossen schüttelte er seine Hände aus und hielt die rechte Hand erneut ausgestreckt mit der Handfläche nach oben: „Nur ein klein wenig Magie…“ Die Konzentration lag ganz auf seiner Hand, jedoch passiert wieder nichts. Bewegungslos verharrte er in dieser Position, schloss die Augen und fühlte sich in dieses noch unbekannte Gefühl in seiner Umgebung. Es war angenehm, so als würde man sich um nichts Sorgen machen müssen und wäre einfach eins mit allem. Langsam öffnete er die Augen, während er sich von dem Gefühl sanft treiben ließ. Erneut schwebte keine Energiekugel über seiner Hand, dafür aber unzählige grünlich schimmernde Lichtpunkte in der ganzen Umgebung um ihn herum. Erstaunt griff er nach einem dieser Punkte und alles verschwand so schnell, wie es gekommen war. Saltus überlegte, wie er es schaffen könnte diese Magie tatsächlich nutzen zu können. So vereinzelt leuchtend brachte ihm gar nichts, aber sie war überall. Etwas unsicher hob er einen Stock auf und steckte ihn nach vorne, atmete tief durch und fühlte sich erneut in die Energie herein. Ein Lichtpunkt nach dem anderen erschien und mit etwas Geduld und Konzentration schaffte er es, dass diese erst vereinzelt und dann alle auf einmal auf seinen Stock zu schossen. Mit einem Mal sprossen aus dem Stock weitere kleine Zweige, grüne Blätter und wunderschöne weiße Blüten, als hätte jemand einen Schalter umgelegt. Erschrocken ließ Saltus den Stock fallen, der nun fast schon einem Blumenstrauß ähnelte: „Das ist schon etwas anders, als ich mir das vorgestellt hatte.“

    Einige Wochen vergingen bis Saltus es heraus hatte Pflanzen nach seinem Willen wachsen und bewegen zu lassen. Wie sich herausstellte war die Naturmagie gänzlich anders, als die der Licht- oder Dunkelmagie. Sie diente mehr dem Erschaffen, als die Energie an sich als Angriff oder Verteidigung zu nutzen. Gerade war er dabei einen Busch wachsen zu lassen, diesen gab er die Gestalt einer Person. Seufzend blickte er sein frisch gegrüntes Werk an: „Etwas Gesellschaft wäre schon schön. Im Dorf wurde immer viel getanzt und gelacht, trotz der schweren Zeiten.“ Nachdenklich blickte er zu dem Busch und richtete den Ast auf ihn, welchen er immer nutzte, um seine Magie richtig zu steuern. Der Ast diente ihm als Sammelpunkt für die Magie. Hin und her schwang er den Ast in seiner Hand, sodass der Busch begann seinen gewachsenen Arm zu bewegen. Erst den einen und dann auch den anderen. Schmunzelnd versuchte Saltus noch weiter zu gehen, sodass der Busch Kopf und auch Oberkörper bewegte: „Mal sehen, ob du auch laufen kannst.“ Erst lösten sich die Wurzeln auf der einen Seite und der Busch ging einen Schritt vorwärts, dann folgte der zweite. Saltus ließ den Busch auf und ab laufen, sich drehen und beugen. Es war keine echte Person, aber er fühlte sich nicht mehr ganz so einsam. Umso mehr er sich mit dem Busch beschäftigte, umso leichter fiel es ihm diesen zu kontrollieren. Schließlich musste er nicht einmal mehr ständig mit dem Ast drauf zeigen und konnte gemeinsam mit dem Busch tanzen. Lachend tobte sich Saltus im Tanz mit dem Busch aus und lehnte sich schließlich erschöpft gegen einen Baum: „Wenn ich eine Pflanze tanzen lassen kann, kann ich dann noch mehr? Wo sind die Grenzen?“ Der Busch stand still und seine Wurzeln wuchsen wieder in der Erde fest. Die seltsame Gestalt blieb aber wie sie war.

    Nachdem Saltus sich einige Zeit ausgeruht, etwas gegessen und getrunken sowie ein paar Gegenstände wie Steine und Stöcke zusammen gesammelt hatte, nahm er einen der Steine und packte ihn vor sich auf den Boden. „So Stein, schauen wir mal, ob in dir noch mehr steckt“, sprach Saltus zu sich selbst, während er den grauen, etwa handgroßen Brocken anblickte. Entschlossen richtete er seinen Ast darauf und konzentrierte sich, allerdings begann der Stein nur zu wackeln. So leicht wollte Saltus jedoch nicht aufgeben. Er versuchte es weiter und versuchte es dem Brocken mit Worten zu befehlen: „Stein verwandle dich… Stein werde zur Pflanze… Stein werde grün und kräftig… Stein wachse…“ Seufzend machte er eine kurze Pause, ehe er erneut den Ast auf den Stein richtete und aus Verzweiflung, aber auch Belustigung über sich selbst zu reimen begann: „Oh Stein, oh Stein, möchtest du nicht eine Pflanze sein? Ganz grün und weich, so verwandle dich gleich. An Ort und Stelle, die Magie dich erhelle. Bei der Erde, bei dem Wasser, beschwöre ich dich, verwandle dich.“ Zu Saltus Verwunderung wurde der Stein von der Magie erfasst, dehnte sich aus und veränderte sich. Schließlich stand da ein kleines Bäumchen, verwurzelt und grau, wie der Stein zuvor war. Als die Verwunderung darüber wich, kam mehr und mehr ein Lächeln über Saltus Lippen, was sich zu einem breiten Grinsen entwickelte: „Ich habe es geschafft!“ Vor Freude sprang er in die Luft und eilte dann zu dem neuen grauen Bäumchen. Saltus fuhr überall mit seinen Fingern darüber, die Blätter gaben nach und die Äste waren biegsam, aber alles fühlte sich rau und hart an: „Scheinbar sind einige Eigenschaften erhalten geblieben.“ Um den Steinbaum vielleicht doch noch seine eigentliche Beschaffenheit zu verleihen, packt Saltus einen kleinen Stock daneben. Wie zuvor konzentrierte er sich, nun jedoch auf das neue Bäumchen und auf den Stock, dessen Eigenschaften die des Steines ersetzen sollten. Über seinen Ast bündelte er die Naturmagie aus der Umgebung und sprach einen Reim, der spontan in seinem Kopf entstand: „Du kleiner Baum aus Stein gemacht, nimm dir die Macht, nimm dir die Kraft, das neues Leben schafft. Sei wie der Ast, ganz ohne Hast, weicher und voller Leben, das will ich dir geben. Verwandle dich. Verwandle dich!“ Der steinerne Baum, als auch der kleine Stock begannen grünlich zu leuchten, ehe der Stock sich regelrecht in diese Energie auflöste und in das Bäumchen überging. Winzige Magiefunken sprangen dabei umher und trafen die umliegenden Büsche. Diese wucherten aus und bekamen stellenweise graue Stellen, in dem gleichen Farbton, wie der Stein sie hatte. Saltus war etwas erschrocken zurückgewichen: „Was ist passiert?“ Erst als auch der letzte Magiefunke aufhörte zu leuchten, trat er wieder näher heran, um sich das Ergebnis anzuschauen. Die betroffenen grauen Stellen der Büsche waren hart und rau. Er versuchte eines der neu gewachsenen Blätter abzupflücken, war dazu aber nicht im Stande. Auch das Bäumchen hatte sich verändert und wirkte nun wie ein ganz normaler junger Baum. Skeptisch versuchte auch hier Saltus eines der Blätter abzutrennen, erfolglos. Allerdings hatte sich immerhin, wie von ihm geplant, das äußere des Baumes verändert. Auf den ersten Blick erschien es, wie ein ganz normaler, kleiner Baum. Dennoch war Saltus etwas beunruhigt, dass sein kleines Experiment ein wenig außer Kontrolle geraten war: „Das könnte auch mal anders ausgehen. Ich bräuchte etwas zum Eingrenzen, eine Art Schutz? So wie es die Lichtmagier machen oder zumindest so ähnlich.“ Von dem Gedanken erfasst, begann er mit seinem Ast einen Kreis in die Erde zu ziehen, rund herum um das Bäumchen mit etwas Abstand. Währenddessen konzentrierte er sich auf das Schutzschild, dass er erschaffen wollte – einen magiesicheren Raum – und sprach dabei vor sich hin ein paar Worte, um dem Ganzen mehr Wirkung zu verleihen: „Ich grüße die aufgehende Sonne, schenke diesem Kreis deine Wonne. Hoch im Süden stehst du nun, hilf mir diesen Zauber zu tun. Wenn du im Westen wirst untergehen, soll die Wirkung des Kreises verwehen. Licht, Feuer, Wärme und Leben, lass mich diesem Kreis deinen Schutz geben. So sei es!“ Erst leuchteten nur die Ränder des Kreises auf, ehe für einen kurzen Augenblick, auch der gesamte innere Boden grünlich schimmerte. Lächelnd blickte Saltus auf den Kreis: „Na, dann wollen wir mal.“

    „Ich denke, ich kann den nächsten Schritt wagen“, sprach Saltus zu sich selbst. Einige Wochen waren bereits vergangen und ihm war es gelungen innerhalb des Kreises die Naturmagie wirken zu lassen, ohne dass sie auf Dinge außerhalb übersprang. Außerdem hatte er es geschafft das Funkenfliegen zu unterbinden, indem er zuvor meditierte und sich innerlich selbst von allen anderen Gedanken reinigte. Das Bäumchen war inzwischen zu einem richtigen normalen Baum geworden. Die Eigenschaften des Steines waren gänzlich verschwunden. Auch seinen Unfall mit den Büschen hatte er wieder in Ordnung gebracht. Somit konnte Saltus nun Gegenstände verwandeln, sie äußerlich normal erscheinen lassen sowie ihre Eigenschaften verändern. Sein Blick viel auf den Busch in Menschengestalt: „Dieses Mal wird es anders, aber ich muss das gut planen.“ Während Saltus darüber nachdachte, wie seine eigene Kreatur aussehen sollte, begann er im Wald herum zu laufen und mögliche Objekte zu sammeln, die er verwenden könnte. Dabei war die Auswahl groß: Steine, Zweige, Federn, Fellbüschel, Blätter, Blumen und vieles mehr. „Es sollte männlich sein, stark, geschickt, mich bei Gefahr beschützen können, aber freundlich und eine gute Gesellschaft sein.“ Nachdem Saltus all seine Gegenstände zusammengetragen hatte, legte er sie beiseite und wählte eine ausreichend freie Fläche im Wald. Diese begann er von allen störenden Dingen zu befreien, wie größeren Steinen, Zweigen, Blätter und Eicheln. Prüfend warf er seinen Blick über den Boden: „Das sieht ja schon mal gut aus. Jetzt der Schutzkreis.“ Saltus nahm seinen Ast zur Hand und begann den Kreis in den Boden zu ziehen: „Ich grüße die aufgehende Sonne mit all ihrer Wonne, ich grüße die Mittagssonne und bitte euch um Kraft, sodass ihr einen Schutzkreis schafft. Ich grüße im Westen die untergehende Sonne noch fern, löse auf den Schutzkreis, wenn steht der erste Stern. Und im Norden die Mittagsnachtsonne steht, die Kraft von später hinein geht. So sei es und geschehe.“ Tag für Tag den er geübt hatte, waren seine Sprüche und seine Zauber wirkungsvoller geworden. Die Naturmagie fühlte sich inzwischen vertraut an und gab ihm ein Gefühl von Sicherheit. Wie beim letzten Mal leuchtete der Kreis grünlich auf, genauso wie der innere Boden, ehe alles wieder normal wirkte. Nun musste die Planung genau sein, schließlich wollte er ein lebendes und selbstständig denkendes Wesen erschaffen. Er setzte sich in die Mitte des Kreises und meditierte, dabei konzentrierte er sich auf seine Atmung und ließ alle anderen Gedanken verschwinden. Seine Konzentration sollte nur noch auf seinem Vorhaben liegen. Etwa eine halbe Stunde verweilte er so, horchte in sich hinein, blendete seine Sorgen aus und ließ die Natur um ihn herum auf sich wirken, ehe er sich erhob und zu seiner Auswahl von Objekten trat: „Was wäre am besten?“ Die Steine wollte er nicht nehmen, sein Wesen sollte nicht hart wie Stein sein, selbst wenn er das im Nachhinein vielleicht ausbessern könnte. Auch die Äste und Zweige schloss er schnell aus, denn er wollte von dem laufenden Busch weg. Seine Wahl fiel schließlich auf eine der Federn, eine Falkenfeder: „Die ist perfekt.“ Die Feder platzierte er in der Mitte des Kreises: „Lebend, denkend… am besten gebe ich dir etwas von mir, aber was?“ Unsicher was das Beste wäre, blickte er an sich hinab: „Das sind auch alles nur tote Objekte.“ Als er seinen Blick schweifen ließ, entdeckte er einen Dornenbusch und ging zu diesem hin. Er stach sich mit einem der Dornen in den Finger, sodass Blut heraustrat: „Blut ist lebendig, damit könnte es funktionieren.“ Auch wenn Saltus in dieser Richtung noch nie mit der Naturmagie experimentiert hatte und dennoch gab es für jeden Versuch ein erstes Mal. Zurück im Kreis ließ er etwas Blut auf die Feder tropfen und steckte sich dann den Finger in den Mund, in der Hoffnung das die Wunde schnell aufhören würde zu bluten, auch wenn sie nur geringfügig war. Mit dem einem Finger im Mund, nahm er seinen Ast mit der anderen Hand und begann rund herum im Kreis Eigenschaften in den Boden zu schreiben: Wolf, 23 Jahre, freundlich, treu, neugierig, hilfsbereit, klug, vorsichtig, verantwortungsbewusst, unverwundbar, kämpferische Fähigkeiten. Kaum hatte er das letzte Wort aufgeschrieben, nahm er den Finger aus dem Mund und stellte fest, dass es aufgehört hatte zu bluten. Während er seinen Ast auf die Falkenfeder richtete, verblieb er im Kreis und sprach konzentriert eine Beschwörung: „Das Leben bringt in Blut getauft, seinen Zyklus hier durchlauft, sei gebunden, als Wolf ins Leben gefunden. 23 Jahre sind bereits um, kümmere dich nicht drum. Deine Freundlichkeit, deine Treue, Neugierig darfst du sein und hilfsbereit sowie klug, bis zum letzten Atemzug.“ Während Saltus den Spruch aufsagte, leuchtete die Wörter jeweils immer grünlich auf, ehe das Leuchten dann zur Feder überfloss und darin verschwand: „Vorsichtig und verantwortungsbewusst sollst du sein, reifen an Wissen fein. Auch unverwundbar und Fähigkeiten zum Kampf wirst du haben, ich gebe dir all diese Gaben. Komm und zeige dich! Ich beschwöre dich! Ich beschwöre dich!“ Die Feder begann zu Schweben und breitete sich in grünlichem Licht aus, wurde größer und nahm immer mehr die Form einer Person an, die eines Wolfes. Nachdem das Licht mehr und mehr verblasste, stand ein brauner Wolf dort, wo einst die Feder war. Sein Fell hatte einige weiße Stellen und seine Augen waren die eines Falken. Saltus lächelte, senkte den Ast und griff vorsichtig nach ihm: „Hallo, ich bin Saltus.“ Der Wolf blickte an sich herab, betrachtete seine Hände und sah dann zu Saltus, instinktiv sprach er ihn an: „Saltus, mein Meister.“ „Saltus, Saltus reicht völlig aus. Bitte nenne mich nicht Meister“, entgegnete er dem Wolf und kam sich schon etwas komisch dabei vor, „Du brauchst einen Namen oder hast du einen Namen?“ Kopfschüttelnd antworte der Wolf: „Ihr könnt mir einen Namen geben.“ „Wie wäre es erst mal damit, dass wir uns duzen. So wie Freunde. Ich möchte gerne mit dir befreundet sein und als Name… wie wäre es mit Avis? Gefällt dir das?“ Ein freundliches Nicken folgte: „Avis ist schön. Ich werde gerne euer… verzeih… dein Freund sein.“ „Entschuldige dich nicht“, erwiderte Saltus sein Lächeln mit seinem eigenen, „Wir sind Freunde und Freunde gehen vertraut miteinander um. Ich bin so froh, dass du da bist Avis. Jetzt bin ich nicht mehr allein und vielleicht finden wir sogar einen Weg hinaus aus dem Wald.“

    „Hast du einen guten Weg durch den Wald entdeckt?“ fragte Saltus seinen neuen Begleiter. Es waren einige Wochen vergangen seit dem Avis erschaffen worden war. Wie sich herausgestellt hatte, waren die Falkenaugen nicht das einzige Falkentechnische an Avis, er konnte sich ebenfalls in einen kleinen Falken verwandeln und überflog so die nähere Umgebung oder kundschaftete den Wald aus. „Ich denke, ich habe einen sicheren Weg gefunden, Saltus. Wir sollten Wasser mitnehmen, denn bis zum nächsten Fluss ist es weit“, entgegnete Avis, kaum das er sich zurück verwandelt hatte, „Erst einmal kommt nichts als Bäume. Kein See und klein Fluss weit und breit. In der anderen Richtung liegt ein See, aber du sagtest ja, dass es dort gefährlich ist.“ Saltus nickte und dachte an sein Erlebnis am See zurück: „Es ist besser, wenn wir das nicht riskieren. Konzentrieren wir uns darauf heute Wasservorräte anzulegen und morgen früh gehen wir los.“ Avis hatte inzwischen auch Kleidung von Saltus erhalten, welche dieser aus verschiedenen Pflanzen erschaffen hatte: Eine blaue Hose aus Vergissmeinnicht, ein grünes Shirt aus Ahornblättern, braune Stiefel aus Holzfasern und weiße Handschuhe aus Scharfgabe.

    Nach einigen Tagen Fußmarsch waren Avis und Saltus dem Wald entkommen. Sie hatten den nächsten Fluss angesteuert, welcher wiederrum in einen weiteren Wald führte. Um nicht auf dem offenen Gelände unter freiem Himmel zu schlafen, hatten sie den Weg in den unbekannten Wald gewählt und waren nahe dem Fluss geblieben. „Hey, ihr da!“, rief eine männliche Stimme. Avis fuhr sofort herum und erblickte einen weiteren Wolf: „Wer seid ihr?“ Auch Saltus hatte sich zur Stimme gewandt und hatte gemischte Gefühle. Ewig war er niemanden begegnet und nun tauchte hier jemand mitten im Wald auf. Der fremde Wolf kam näher, seine Kleidung war aus Baumwolle gefertigt und er trug einen blühenden Zweig hinter dem Ohr: „Ich bin einer der westlichen Hexer und wer seid ihr?“ „Hexer? Was ist das?“, hackte Saltus verwundert nach. Davon hatte er noch nie gehört. Schmunzelnd antwortete der Fremde: „Hexer sind sozusagen das Volk der Naturmagier, wie die Druiden nur mächtiger. Die weibliche Form nennt man Hexe. Wir sind unabhängig von den anderen Magiern und wollen daher auch anders bezeichnet werden. Die nördlichen Hexer und Hexen hatten das entschieden und ein paar von ihnen haben uns ausgebildet. Wir sind aber noch in den Anfängen. Und woher kommt ihr? Ihr wolltet euch nicht zufällig uns anschließen?“ Es kamen ab und zu andere Leute aus Dörfern und Städten, die die Naturmagie lernen wollten. So wie einst Saltus mit seinen Eltern aufgebrochen war, um die nördlichen Naturmagier zu suchen. Vielleicht hätten sie gar nicht so weit reisen müssen und wären niemals auf den Dunkelmagier gestoßen. Avis blickte fragend zu Saltus, denn die Entscheidung lag bei ihm. Dieser riss sich von seinen Gedanken los und überlegte nicht lang: „Wir kommen aus einem Wald in der Nähe. Ich kann schon etwas Naturmagie nutzen und würde gerne mehr lernen.“ Der Hexer lächelte ein wenig amüsiert darüber: „So? Dann kommt mal mit und zeig uns, was du schon kannst.“
    Cornix cornici oculos non effodit. - Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.
  • Die Prophezeiung des Lichts

    Kapitel 6 - Advocatus Diaboli

    Asche staubte unter den Füßen des schwarzen Wolfes mit den roten Augen. Es war nicht so, dass er nicht weniger hätte aufwirbeln können, aber er bekam so noch mehr Aufmerksamkeit, als ohne hin schon. Schmunzelnd blickte er die Gesichter der anderen Diener, die ihm beim Gang durch das finstere Schloss des Fürsten begegneten. Allerlei Gemunkel vernahm er und liebte es die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Sie irrten sich, wenn sie annahmen, dass er Halbdämon wäre und sie fürchteten ihn, weil sie glaubten er wäre der Hölle selbst entsprungen. Spectio war jedoch wirklich kein gewöhnlicher Diener des Fürsten der Finsternis, der als einer seiner neuen schwarzen Magier sein Unwesen trieb. Er war jedoch tatsächlich dem Feuerelement zugehörig, denn er war zum Teil ein Salamander. Einen Großteil seiner Fähigkeiten hatte er von seinem Vater geerbt und dieser wiederum von seinem Vater. Die roten Augen waren nicht allen Wesen seiner Spezies gegeben, aber es kam ab und an vor. „Halbblut!“, rief jemand hinter ihm, „Geselle dich gefälligst zu deines Gleichen.“ Amüsiert drehte sich Spectio um und blickte einem grauen Schakal entgegen: „Viertelblut wäre treffender.“ Er pustete eine kleine Flamme aus seinem Mund und grinste: „Du bist nicht zufällig feuerfest?“ Der Schakal machte einige Schritte zurück und knurrte ihn wütend an: „Erstick an deinen Flammen.“ „Unmöglich“, lachte Spectio, „Nicht mal ein Dämon würde daran ersticken und die sind lang nicht so feuerfest wie ich.“ Nun stolperte der andere Diener noch einen Schritt zurück, drehte sich flugs um und rannte davon. „Hach“, machte Spectio entspannt und gut gelaunt, „Das wird ein toller Tag.“ Seine Spezies entstand aus Lichtelfen, welche vermehrt in den Kämpfen mit Satans Untergebenen eingesetzt worden waren. Nicht immer lösten sich diese kleinen Wesen wieder auf, wenn sie ein Element aufnahmen. Stattdessen verwandelten sie sich in etwas völlig neues und eigenständiges Wesen. Die Salamander entstanden aus Lichtelfen, die das Feuerelement angenommen hatten. Oftmals war hier Dämonenfeuer im Spiel gewesen, so auch bei Spectios Großvater, der jegliche Erinnerung an sein Dasein als Lichtelfe verloren hatte. Das war etwas, was immer geschah und plötzlich mussten sie in dem aktuellen Geschehen reagieren, um nicht selbst Opfer des Kampfes zu werden. Sein Großvater strahlte wie alle Salamander eine unglaubliche Hitze aus und hatte sich mit seiner Liebsten nur im Wasser treffen können, um sie überhaupt berühren zu dürfen. Ohne diese Abkühlung hätte sie wohl Verbrennungen davongetragen und eine Vermischung der Art wäre gar nicht möglich geworden. Allerdings erwärmte sich das Wasser mit der Zeit auch entsprechend und ein zu langer Aufenthalt war nicht möglich. Als Viertelblut hatte Spectio solche Probleme nicht. Er genoss die Vorzüge der Salamandergene und müsste nicht darauf verzichten normal mit anderen Wesen umzugehen. Spectio kam gerade in die Eingangshalle schlendert, als ein Diener auf allen vieren aus dem Thronsaal kroch. Bevor er diesen jedoch komplett verlassen hatte, wurde er von Satan am rechten Bein in die Höhe gezogen: „Wie kannst du es wagen dich ohne Erlaubnis zu entfernen?“ Interessiert beobachtete Spectio das Geschehen und blieb einfach stehen. „AH! So helft mir doch!“, schrie der Kopfrumhängende und zappelte dabei wild umher. Wütend schnaubte Satan und schleuderte ihn quer durch die Eingangshalle, sodass er gegen die nächste Wand knallte. Nun ging sein Blick zu Spectio: „Erledige ihn!“ Freudig rannte Spectio auf den am Boden liegenden Diener zu und ließ seine Hände über dessen Körper gleiten. Überall dort, wo seine Hände gewesen waren, stand der Diener in Flammen, wobei er sich schreiend windete. Sein rechtes Bein bewegte sich dabei kaum, vermutlich war es gebrochen oder die Bänder waren gerissen. Unwichtig, denn bald würde nichts mehr von ihm übrig sein, außer Asche. Nachdem der Diener nun lichterloh brannte, wand sich Spectio Satan zu und kniete respektvoll nieder, wobei er den Kopf senkte: „Ich hoffe sein Tod ist qualvoll genug für diese unerhörte Beleidigung euch gegenüber, mein Fürst.“ „Du darfst gehen“, entgegnete der Fürst kurz und wand sich ab, um zurück in den Thronsaal zu gehen. Doch Spectio hoffte auf ein Gespräch und verblieb wo er war: „Mein Fürst, verzeiht, wenn ich eure Zeit in Anspruch nehme, doch könnte ich euch helfen die Diener besser zu organisieren. Ihr müsst euch nicht mit unfähigen Neulingen quälen, die Diener könnten Aufgaben bekommen, die ihrem Können entsprechen, feste Regeln und sicher einiges mehr. Die Leistungen würden sich sicher verbessern.“ Nur mit geringem Interesse hatte Satan seine Worte vernommen und lief weiter zurück in die reine Finsternis seines Thronsaales: „Ich brauche nichts zu ändern. Sie müssen einfach besser arbeiten. Geh!“ „Ganz wie ihr wünscht, mein Fürst“, entgegnete Spectio und obwohl der Fürst längst zurück auf seinen Thron Platz genommen hatte sowie Spectio nur in der Eingangshalle kniete, erhob er sich respektvoll und entfernte sich langsam.

    Eine angenehme Brise wehte durch den Kobos Wald, indem die Schneeflocken tanzten, ehe sie sanft auf der weichen Schneedecke sich niederließen. „Hör auf zu Trödeln Avis, wir sind doch gleich Zuhause“, ermahnte Saltus ihn, während er über den Schnee hinweg lief, fast als würde er schweben. Nur leichte Fußabdrücke waren zu erkennen, nur Avis stapfte hinterher und hatte schon Schnee in den Schuhen: „Ich mache so schnell ich kann. Wenn du dich weiter beschwerst, dann fliege ich.“ Lachend drehte sich Saltus zu ihm, inzwischen waren 15 Jahre vergangen: „Da meintest du gestern noch, dass du wegen des kalten Windes frierst. Die warme Kleidung wäre dir lieber.“ Beide waren in warmer Baumwolle gekleidet und hatten einen zusätzlichen Mantel gegen die Kälte an. Sie lebten mit den anderen westlichen Hexern und Hexen in diesem Wald und waren auf dem Weg zurück zum Dorf. „Wir hätten im Dorf bleiben sollen“, konterte Avis, der sich seit seiner Erschaffung vor 15 Jahren kein Stück verändert hatte, „Wer sucht auch schon Kräuter im Schnee?“ „Mir fehlte was“, entgegnete Saltus lächelnd, „Und wir haben ja auch ein paar Überbleibsel gefunden. Also hat sich der Ausflug gelohnt.“ Seitdem Saltus sich den westlichen Hexern und Hexen angeschlossen hatte, waren seine Fähigkeiten schnell gewachsen und auch er hatte mit seinem Wissen für Aufsehen gesorgt. Avis schien tatsächlich das Erste eigenständige geschaffene Wesen in dieser Gegend gewesen zu sein, so etwas kannte man bis dahin noch gar nicht. Inzwischen gab es einige dieser Wesen und man hatte sich dazu entschlossen sie der Einfachheit halber Geschaffene zu nennen. „Sieh mal Avis, im Dorf scheint was vor sich zu gehen“, wand sich Saltus an ihn, ohne sich umzudrehen. Durch den dicken Schnee war Avis noch ein Stück zurückgefallen, holte den Abstand nun aber auf, da Saltus stehen geblieben war: „Was gibt es denn?“ Die westlichen Hexer und Hexen lebten wie die gewöhnlichen Leute in Häusern, allerdings waren die Häuser alles andere als gewöhnlich. Ein Großteil des Lebens spielte sich in den Bäumen ab, auf denen Holzhäuser gebaut worden waren sowie mit ihren Stämmen verschmolzen. Fast alle Häuser waren zweistöckig mit einem Eingang am Boden und einem weiteren auf dem Baum. Unten betrat man den Baum durch eine Tür, die ins Innere des Stammes führte, welche in der Regel einen Durchmesser von 8 bis 12 Meter hatte. Dabei befand sich dort meistens das Wohn- und Esszimmer, sowie die Unterrichtsräume für die jungen Hexer und Hexen. Von dort aus kam man über eine Holzleiter in den zweiten Stock, welcher durch die Holzanbauten ergänzt wurde. Die obere Tür führte auf eine Art Balkon, der sich rund herum um das Haus zog sowie über Hängebrücken die Häuser der anderen verband. Oftmals diente der obere Stock nicht nur als Schlafplatz, sondern auch als Arbeitsraum. Allerdings befanden sich die meisten Dorfbewohner gerade am Boden und drängten sich um zwei Fremde, statt bei dieser Kälte gemütlich in ihren Häusern. „Als Herrscher habe ich schon die entsprechende Erfahrung und habe mich mit meinem Können abgehoben. Ich wäre sicher genau der Richtige für euch“, versuchte Certus, ein grau-bräunlicher Wolf mit grünen Augen von sich zu überzeugen. Certus war der Anführer des Dorfes, wurde allerdings von einigen in Frage gestellt. Während Certus sprach, kamen auch Saltus und Avis näher, um sich ein Bild von dem Geschehen zu machen. Einer der beiden Fremden war ein Fuchs mit dem typisch rot-bräunlichem Fell, weißer Schweifspitze, einer weißen Ohrenspitze, während die linke jedoch schwarz war. Seine bernsteinfarbenen Augen strahlten Wärme aus, geduldig blickte er in die Runde: „Nur keine Sorge, wir werden uns anschauen was ihr könnt und werden den Hexer oder die Hexe auswählen, die am besten zu uns passt.“ „Vor allem unseren Anforderungen entspricht“, ergänzte der braune Schakal mit den tiefgründigen braunen Augen, „Secundus und ich treffen diese Entscheidung gemeinsam und wenn wir uns beide nicht zu 100 Prozent sicher sind, wird es keiner von euch.“ Wie auch Saltus trugen alle Dorfbewohner, sowie die beiden Fremden warme Baumwollkleidung. „Um was geht es denn eigentlich?“ hinterfragte Saltus nun, der dem Gespräch nicht ganz folgen konnte. Die beiden blickten fast zugleich zu Saltus, ehe Secundus begann es zu erklären: „Wie wir eben schon den anderen erklärt haben, kommen wir von den nördlichen Hexern und Hexen. Immer öfter kommt es nun auch schon zu Zwischenfällen unter unseresgleichen, daher werden wir die oberste Entscheidungsebene ins Leben rufen, eine Art Wächter über die Hexerei. Wir nennen es das Hexerdreieck, da es aus drei Personen bestehen wird, die der Hexerei mächtig sind.“ „Drei wegen dem Dreiheitsgebot sicherlich. Dann viel Erfolg dabei“, entgegnete Saltus und wandte sich zum Gehen, „Komm Avis, dir ist bestimmt inzwischen ganz schön kalt.“ Das Dreiheitsgebot hatte sich mit der Zeit unter den Hexern und Hexen ergeben, denn die meisten größeren Zauber wirkten besser, wenn man drei Hexer oder Hexen hatte, drei, sechs oder neun Zutaten verwendete oder einen wichtigen Teil des Zauberspruches dreimal sprach. „Saltus, hast du gar kein Interesse daran?“, hackte Avis nach, während er ihm zu ihrem Baum folgte. „Ach nein, das ist nichts für mich“, entgegnete er und öffnete die Tür, ehe er in das warme Wohn- und Esszimmer trat. Avis schloss die Tür hinter ihnen und beide legten direkt Mäntel und Schuhe ab. Ehe Avis zur Decke greifen konnte, hatte Saltus ihm die schon übergeworfen und rubbelte ihn warm: „Besser? Vielleicht sollte ich das nächste Mal doch alleine gehen.“ „Das ist schon in Ordnung so. Ich möchte da sein, wenn du mich brauchen solltest“, meinte Avis, während er die Wärme genoss. Ein runder Tisch stand in der Mitte des Raumes, an ihm vier Stühle, ein kleiner Ofen an einer der Wände, welcher zum Kochen sowie zum Heizen genutzt wurde, sowie ein rundes Regal an der Wand gegenüber mit allerlei Geschirr darin, welches aus Holz bestand. Avis setzte sich auf einen der Stühle, behielt die Decke aber um sich: „Das ist doch eigentlich eine gute Sache, dieses Hexerdreieck, oder nicht?“ Saltus ging zur Treppe und stieg die Stufen hinauf, während er Avis antwortete: „Kann schon sein. Ich habe bisher keine Probleme mit anderen Hexern und Hexen gehabt. Wer weiß was die im Norden so treiben. Es wird sich schon wer finden, die waren ja scheinbar alle interessiert.“ Dann war er im zweiten Stock verschwunden.

    Am Rande des Kobos Waldes lag die Hauptstadt Segesta des Landes Tanach, viele der westlichen Hexer stammten von dort oder der näheren Umgebung. So auch Proditor, der immer mal wieder in die Stadt zurückkehrte, so wie auch jetzt. „Meister, wohin geht es heute?“, fragte der schneeweiße kleine Panda hinter ihm. Er war Proditors Geschaffener, existierte gerade einmal seit zwei Wochen und war stets darauf bedachte seinen Meister zufrieden zu stellen. Da Proditor ihn aus Schnee erschaffen hatte, machte ihm die Kälte nichts aus, er trug lediglich eine lange braune Hose. Seine Augen waren eisblau, was ein starker Kontrast zu seinem Meister war, der die typischen Fellfarben eines kleinen Pandas hatte, sowie dunkle braune Augen. Proditor zog sich die Kapuze seines schwarzen Umhangs noch etwas weiter ins Gesicht: „Ins Armenviertel.“ Natürlich hätte Proditor sich einfach dort hin teleportieren können, denn Hexer und Hexen war es wie den dunklen Magiern möglich an jeden beliebigen Ort zu verschwinden, aber die Nicht-Magischen begannen immer mehr sich gegen Magie auszusprechen und selbst die Lichtmagier abzugrenzen. Die Furcht war schon immer ein schlechter Ratgeber und spaltete mehr und mehr die Gesellschaft. Hier und dort wurde bereits getuschelt, denn Proditors Geschaffener hatte viel zu wenig an für das kalte Wetter. Da war die Vermutung nahe, dass mit ihm etwas nicht stimmte, was die Anwohner veranlasste Abstand zu halten. „Nicht trödeln, Schneeflocke“, murrte Proditor während er seine Schritte noch etwas beschleunigte, „Wir haben es eilig.“ „Natürlich Meister, ich bleibe direkt hinter euch“, beteuerte Schneeflocke sogleich und senkte etwas betrübt den Kopf, „Ihr werdet keinen Grund haben unzufrieden zu sein.“ Die Miene des Hexers hellte sich auf, als das Armenviertel in Sicht kam. Die heruntergekommenen Häuser aus Lehm, Holz und Stroh drohten unter den Schneemassen nachzugeben, undichte Dächer ließen Kälte und Nässe hinein, was das Leben zunehmend erschwerte. Niemand aus den wohlhabenderen Häusern, die bereits teilweise aus Stein gebaut waren, kam den Leuten dort zu Hilfe. Somit waren die Armenviertel eine potenzielle Quelle für neue Diener des Fürsten der Finsternis, die einem Wunsch gegen das ewige Dienerleben gerne akzeptierten. Genau aus diesem Grund kam auch Proditor dort hin, er wollte eine Audienz beim Fürsten der Finsternis. Bisher war es ihm nicht gelungen Certus vom Thron zu stoßen, aber mit neuer zusätzlicher Magie, würde er dem ein ganzes Stück näherkommen. Kaum das die beiden das Armenviertel betraten, bettelten die ersten auch schon nach etwas zu essen und sei es noch so wenig. Es widerte Proditor an und er stieß eine Frau, die sich ihm nährte einfach weg: „Verschwinde, sonst überlege ich mir, ob ich dich nicht in Einzelteilen für einen meiner Zauber verwende. Ekliges Gesindel.“ Seine garstige Haltung war direkt jemanden aufgefallen, der auf ihn zukam und nicht weniger ärmlich wirkte, wie die anderen Bewohner dort. Der einzige Unterschied zwischen ihnen war, dass der fremde Wolf geradezu wirkte, als hätte er in Asche gebadet: „Ihr seid nicht von hier, aber ich mag euren Umgangston. Habt Ihr nicht schon immer einen Wunsch auf der Seele, etwas unausgesprochenes?“ Abschätzend blickte Proditor zu ihm, er versuchte sich unbeeindruckt zu zeigen: „Einen Wunsch? Nun, da gäbe es tatsächlich etwas. Ihr seid doch wohl nicht etwa einer dieser dunklen Magier?“ Der Wolf grinste verschlagen und kam noch etwas näher an Proditor heran, während er leiser zu ihm sprach: „Ertappt. Aber wer kann schon bei einem Wunsch nein sagen? Ihr würdet es nicht bereuen.“ Proditor hielt ihm die Hand hin: „Ich würde sagen, wir kommen ins Geschäft. Bring mich und meinen Geschaffenen zum Fürsten.“ Ohne jegliches Zögern schlug der Wolf ein und verschwand mit den beiden in schwarzem Rauch. Kurz darauf tauchten sie aus selbigen in der Hölle wieder auf, direkt vor dem Schloss des Fürsten. Schneeflocke fühlte sich sofort unwohl und schlug die Arme um sich selbst: „Meister, es ist so schrecklich heiß hier.“ „Hör auf zu jammern“, ermahnte Proditor ihn und blickte sich dabei grinsend um. Die meisten Dämonen saßen vor dem Schloss herum und wirkten wenig bedrohlich, eher gelangweilt. Dampf stieg aus dem Lavafluss auf, wenn kleine Steine hineinfielen und ein zischendes Geräusch verursachten, während die gesamte Hölle in Finsternis gehüllt war. Ein leichtes Husten war von Proditor zu vernehmen, was seine Begeisterung ein wenig dämpfte: „Ein bisschen viel Staub hier. Ansonsten hätte ich auch gerne so ein protziges Schloss mit einem düsteren Wald und einem Lavafluss. Das hätte definitiv Stil.“ Mit fragendem Blick deutete der Wolf ihm ins Schloss folgen: „Hier entlang. Der Fürst wird sicher erfreut sein einen neuen Diener begrüßen zu dürfen.“ Während Proditor freudig dem Diener über die Brücke folgte, hinein in die Eingangshalle, fühlte sich Schneeflocke alles andere als wohl. Ihm war viel zu warm und er fühlte sich unbehaglich. Dichte folgte er den beiden, um seinen Meister auf keinen Fall zu verlieren. Sie durchschritten die Eingangshalle und betraten den Thronsaal, wo der Diener sich mit gesenktem Blick niederkniete: „Mein Fürst, ich habe euch einen neuen Diener gebracht.“ Angestrengt versuchte Proditor etwas in der Finsternis zu erkennen, aber egal wie sehr er seine Augen bemühte, es blieb nur tiefschwarz. Um nicht unhöflich zu erscheinen machte er eine Verbeugung: „Werter Fürst, ich komme um euch zu dienen, möchte aber wie versprochen auch meinen Wunsch erfüllt bekommen.“ Ein Schnauben war aus dem hinteren Teil des Thronsaales zu hören, ehe die düstere Stimme Satans erklang: „Nenne deinen Namen und deinen Wunsch.“ „Ich, Proditor, wünsche mir die Unsterblichkeit, außerdem hörte ich, dass ihr mir die dunkle Magie zur Verfügung stellt für meine Dienste“, verkündete er und erwartete, dass Satan keinerlei Einwände haben würde. Schließlich liefen jede Menge dunkle Magier herum, wobei nicht mal mehr alle in seinen Diensten waren. Es gab inzwischen auch gebürtige Dunkelmagier, die dem Fürsten nicht verpflichtet waren und ihr eigenes Leben führen konnten oder sich diesem doch freiwillig verpflichteten. Erneut erhob sich die Stimme Satans, um Proditors Pakt zu wiederholen: „Ich gebe dir die Unsterblichkeit und als Fähigkeit die dunkle Magie, dafür wirst du bis in alle Ewigkeit mir treu dienen. Einverstanden?“ Schneeflocke wurde zunehmend unruhig, er fühlte sich, als würde er gekocht werden. Sein Meister wollte doch wohl hoffentlich nicht dortbleiben und das auf Ewig. „Einverstanden“, entgegnete Proditor zufrieden, „Wir sind im Geschäft.“ Eine dunkle Aura erfasste Proditor, die in ihm verschwinden zu schien. Es war nur ein kurzer Augenblick, doch der Pakt war damit besiegelt. „Geht!“, forderte Satan sie auf, „Ich rufe dich, sobald ich dich brauche.“ Der Wolf erhob sich und verließ zusammen mit Proditor und Schneeflocke den Thronsaal. „Viel Glück“, rief er Proditor noch zu, ehe er seiner Wege ging in einen der Gänge des Schlosses. „Meister“, wand sich Schneeflocke kläglich an Proditor, „bitte lasst uns gehen. Ich halte es hier nicht mehr aus.“ Genervt blickte Proditor zu seinem Geschaffenen: „Ach ja, Schneeflocken können ja keine Hitze ab.“ In einem Sturm aus schwarzem Laub verschwanden die beiden aus der Hölle zurück in den Kobos Wald, jedoch noch fern von dem Dorf der Hexer und Hexen. Keinen Moment erkundigte sich Proditor nach dem Wohlbefinden von Schneeflocke, stattdessen ging er direkt dazu über mit seinem Plan fortzufahren: „Ich habe zu üben mit meiner neuen Magie. Sieh zu, dass du ein paar von meinen Vorräten holst. Ich habe Großes vor.“ „Natürlich, Meister, ich eile“, bestätigte Schneeflocke seinen Auftrag und lief sofort Richtung Dorf. Als er jedoch außer Sichtweite seines Meisters war, ließ er sich erleichtert rücklinks in den Schnee fallen und atmete tief durch: „Das war so schrecklich. Ich hoffe, er tut das nie wieder.“

    „Das meiste sind Schlafräume, dann gibt es den Kerker, den Thronsaal, die Eingangshalle und die Tore zu den Höllendämonen, die Kammer in der Nähe und keine Ahnung ob hinter den Höllendämonen noch was liegt. Vom Umriss des Schlosses… habe ich was vergessen?“, sprach Spectio zu sich selbst, während er durch einen der Gänge des Schlosses geradewegs zur Eingangshalle unterwegs war. Seinen Kohlestift hatte er dabei immer wieder nachdenklich auf das Papier getippt. Mehrere Seiten Notizen hatte er sich bereits gemacht, um Satan vielleicht doch noch stichhaltig von seiner Idee überzeugen zu können. Als er die Eingangshalle betrat, schwenkte sein Blick zur Wendeltreppe, die wohl in den Turm führen musste: „Da war ich noch nicht.“ Die Treppe lag außerhalb von Satans Sichtbereich aus dem Thronsaal und dennoch hatte Spectio noch nie jemanden dort hinauf gehen sehen. Zügig schritt er durch die Eingangshalle und trat auf die erste Stufe der Treppe, dabei blickte er nach oben, konnte aber nur weitere Teile der geschwungenen Treppe und Steinwände erkennen: „Dann mal los.“ Es waren einige Stufen bis ganz nach oben, doch schließlich betrat er das Turmzimmer und wirkte regelrecht enttäuscht: „Was ist das hier?“ Gähnende Leere zog sich durch den gesamten Raum, bis auf einen zusammengerollten Teppich in der Mitte. Spectio ging zu der von Asche und Staub bedeckten Teppichrolle und zog etwas daran, damit er sich ein Stück abrollte: „Wieso ist hier ein Teppich und der ist nicht mal besonders schick.“ Tatsächlich war der Teppich einfach nur schwarz, recht lang und schmal sowie mit einigen Knickschäden ausgestattet. Ratlos was man mit diesem Ding machen sollte, rollte er das Stück wieder auf und ging zum Turmfenster von welchem man direkt vor das Schloss blicken konnte: „Der Ausblick ist gut, das Zimmer könnte ich gut zum Arbeitszimmer umfunktionieren. Den hässlichen Teppich vermisst eh keiner.“ Um sein Vorhaben auch nicht zu vergessen, drückte er das Papier gegen die Wand und notierte es bei den anderen Zimmern: Turmzimmer – Arbeitszimmer. Dann ging er seine anderen Notizen noch einmal durch und sortierte das erste Blatt hinter die anderen zurück: „Aufgabengebiete… die starken Diener für die Jagd nach weißen Magiern, dann als zweites Priester und Druiden, da wo kein Glaube ist, ist auch keine Hoffnung und wer gar nicht zum Töten taugt, soll neue Diener anwerben. Innerhalb der Hölle sollte es sowas wie eine Essensausgabe geben, dann wird die Zeit gespart, die sie sonst für die Verpflegung brauchen. Warum sollen das nicht die Dämonen machen und die Ausbildung…“ Die ganze Hölle schien plötzlich zu erzittern und Satans erzürnte Stimme war bis hoch in den Turm zu hören: „Was hast du mir für einen neuen Diener gebracht!?“ Interessiert rannte Spectio die Treppe herunter, lief am Rand der Eingangshalle entlang und blieb neben dem Eingang zum Thronsaal stehen. „Mein Fürst, ich verstehe nicht…“, begann der Diener, welcher sich dort befinden musste, zu erklären. Der Fürst ließ ihn gar nicht groß zu Wort kommen, man hörte wie etwas über Stein kratzte: „Er hat mich betrogen!“ Ein Knall folgte, sowie ein schmerzhaftes Stöhnen von dem Diener: „Mein Fürst… wie kommt ihr darauf?“ „Siehst du ihn hier?“, brüllte Satan wütend, was ein erneutes Beben zur Folge hatte. Spectio rieb sich schmerzend die Ohren, er wollte definitiv nicht mit dem Diener dort drinnen tauschen. Raschelnde Ketten, das Wimmern des Dieners: „Bitte… was habt ihr vor… ich kann doch nichts dafür…“ Dann Stille. Zu gerne hätte Spectio einen Blick hineingeworfen, jedoch wagte er es nicht bei dem was er gerade gehört hatte. Der Fürst schien gerade überhaupt nicht guter Dinge zu sein. Er sollte warten, bis er sich etwas beruhigt hatte.

    Das Feuer knisterte geradezu gemütlich im inzwischen schneefreien Kreis, mitten im Wald. Wie von seinem Meister gewünscht, hatte Schneeflocke einige Materialien aus seinem Haus im Dorf geholt. Proditor hatte erstaunlich schnell den Bogen raus mit der dunklen Magie. Er war so voller Hass und Zwietracht, dass die Magie sich anfühlte, als wäre sie schon immer ein Teil von ihm gewesen. Aus dem Baumwollbeutel holte er einige Kräuter, wovon er lediglich das Adonisröschen, die Einbeere und das Immergrün ins Feuer warf, ehe er sich mit einer Nadel selbst in den Finger stach, um einige Bluttropfen hineinfallen zu lassen: „Im Namen Satans und den Kräften der Finsternis verfluch ich dich, Certus, auf das sich moderne Kreaturen in dein Hirn schleichen und dich in die tiefsten Abgründe der Hölle führen. Ich rufe die Kreaturen der Nacht herbei! Offenbart euch indem ihr meinen Fluch erhört! Oh ihr Kreaturen der Nacht, ihr Certus zerstört. Bringt Tod und Verderben! So sei es!“ Außerhalb des Kreises stand Schneeflocke und hielt sich ängstlich die Ohren zu, ihm gefiel nicht, was Proditor dort tat. Die Flammen des Lagerfeuers schlugen höher und färbten sich schwarz, ein starker Windzug kam innerhalb des Kreises zu Stande und das Feuer erlosch. Zufrieden grinste Proditor und blickte in die Richtung, in der das Dorf der westlichen Hexer und Hexen lag, sein Dorf: „Endlich werde ich Herrscher, dann ist das mein Volk, mein Wald und alle müssen tun, was ich sage.“ Verwundert blickte Schneeflocke zu ihm herüber und senkte die Hände wieder hinab: „Aber ihn gleich umbringen… Meister, gab es keine andere Möglichkeit?“ Zornig blickte Proditor zu ihm herüber: „Sind das etwa Widerworte? Ich könnte dich in dein erbärmliches Dasein als gefrorenes Wasser zurück verwandeln. Ich entscheide, was richtig ist, vergiss das nicht.“ „Natürlich nicht, Meister. Verzeiht“, entschuldigte sich Schneeflocke betrübt, „Es stand mir nicht zu und kommt nicht wieder vor.“

    Ein lauter Aufschrei schreckte die Hexer und Hexen des Dorfes auf. Verkrampft fasste sich Certus an den Kopf, sackte auf die Knie und hatte die Augen geweitet. Ein unbeschreiblicher Schmerz durchzog seinen Schädel und ließ seinen Blick verschwimmen. Ein Hexer vom Nachbarhaus kam über die Hängebrücke herüber gerannt und riss die Tür auf, er hatte die Stimme erkannt: „Certus! Bei den Kräften des Waldes, Certus. Was ist denn los?“ Er eilte zu dem am Boden knienden Herrscher und packte seine Hände: „Certus!“ Seine Augen waren wie von schwarzem Rauch durchzogen, es folgte keine Reaktion von seiner Seite, selbst Certus‘ Hände waren so verkrampft, dass der andere Hexer es nicht schaffte sie zu bewegen: „Hilfe… Hilfe! Wir brauchen Hilfe!!!“ Bewegung kam ins Dorf, weitere Hexer und Hexen kamen zum Haus oder traten zumindest auf ihre Balkone, um mitzubekommen, was geschehen war. „Was ist mit ihm?“ „Seine Augen.“ „Certus, sag doch was.“ Zwischen dem Gemurmel kamen die beiden Hexer Secundus und Princeps dazu, sie bahnten sich einen Weg an den anderen vorbei. „Beiseite, lasst uns sehen, was passiert ist“, wies Princeps die herumstehenden Hexer und Hexen an, dabei war sein Tonfall ruhig und bestimmt und ließ erkennen, dass es sich hierbei um keine Bitte handelte. Als die beiden das Haus betraten, fiel ihnen sofort die verkrampfte Haltung, sowie die Augen auf. Secundus berührte vorsichtig Certus‘ Kopf: „Das sieht nicht natürlich aus. Ich tippe auf einen Fluch.“ Er tastete am Hals nach dem Puls: „Wir müssen schnell handeln.“ Princeps blickte zu dem Hexer, der zuerst bei Certus gewesen war: „Hast du was gesehen?“ Dieser schüttelte den Kopf und blickte besorgt zu Certus: „Aber Ihr könnt doch was tun oder? Bitte helft ihm.“ Secundus legt eine Hand auf Certus Stirn, die andere auf die Stelle der Brust, wo das Herz sein müsste: „Ich kann es verlangsamen, denke ich. Du musst schnell einen Bannzauber finden, der den Fluch bricht, Princeps.“ Nachdenklich fasste sich Princeps mit Zeige- und Mittelfinger an die Stirn, dabei schloss er die Augen, um sich besser zu konzentrieren. Während Princeps in sich ging, kümmerte sich Secundus darum, dass der Fluch Certus nicht in den nächsten Minuten umbringen würde, dabei war nicht einmal zu sehen, dass er irgendwas tat. Nur die seltsame Positionierung seiner Hände verriet, dass irgendeine Art Wirkung erzielt werden sollte. Wenn man genau hinsah, konnte man erkennen, dass ein leicht grünes Leuchten zwischen den Händen und Certus’ Körper vorhanden war. Mit einem Mal begann Princeps seine Haltung aufzugeben und im Raum sich nach Materialien umzusehen. Sechs Stumpenkerzen positionierte er rund herum um Certus und Secundus, jede einzelne entzündete sich durch ein Schnippen mit den Fingern über dem Docht. Der andere Hexer im Raum, sowie solche, die vor der Tür und an den Fenstern versuchten einen Blick zu erhaschen, staunten über die Hexerei so ganz ohne Worte. Princeps selbst stellte sich dann außerhalb des Kreises auf, streckte seine Hände aus und begann einen Bannzauber zu murmeln: „Qual die du auf seiner Seele liegst, Qual die du ihm den Frieden nimmst, Fluch der einst gesprochen, wird nun hier und jetzt gebrochen. Lebenskraft, schenke ihm, der Fluch den er fühlte tief in sich, ist nun verschwunden und wir fürchten nich‘.“ Die Kerzen erloschen alle zugleich und nur der Kerzenrauch stieg noch empor. Um sich von der Wirkung zu überzeugen, trat Princeps näher heran, doch alles blieb wie gehabt. „Entschuldigung… darf ich bitte mal… ich will helfen…“, erklärte Saltus den anderen Hexern und Hexen, während er sich seinen Weg ins Haus bahnte. Als er endlich es ins Haus geschaffte und einen Blick auf Certus werfen konnte, trat er noch näher heran und schaute verwundert in dessen Augen: „Sieht aus wie dunkle Magie, als würde sich jemand in seinen Augen in schwarzem Rauch auflösen.“ „Das ist nicht hilfreich“, ermahnte ihn Princeps und wollte Saltus direkt wieder hinausbefördern, doch der holte ein paar Jute-Schnüre aus seiner Hosentasche und schob stattdessen Princeps beiseite. Direkt danach begann er die erste Schnur um Certus linkten Zeigefinger zu binden, dabei machte er nur einen Knoten: „Das ist ein ganz toller Trick. Damit habe ich schon öfter fehlgeleitete Hexerei aufgelöst.“ Skeptisch schaute Princeps ihm zu: „Mit Schnüren?“ Die zweite Schnur band er um den rechten Zeigefinger, wieder nur ein Knoten, ehe er sich die dritte Schnur um seinen eigenen Zeigefinger band. Natürlich wieder nur mit einem einzigen Knoten. Getuschel wurde hinter ihnen hörbar, denn Saltus zauberte nie vor Publikum. Zwar gab er hier und da Tipps, tauschte sich aus, aber seine Ausführung behielt er immer für sich. Saltus brachte ein wenig Abstand zwischen sich, Secundus und Certus, ehe er den Bannzauber leise sprach: „Drei Knoten, eine Macht, drei Knoten, eine Kraft, die magische Drei, brich den düsteren Zauber in Zwei. Rette was zerstört, banne was einst beschwört und lösche aus in Flammen, wir dich von uns bannen. Weiche. Weiche. Weiche.“ Während er die letzten Worte sprach, entzündete er über ein Reiben mit dem Zeige- und Mittelfinger sowie dem Daumen die Schnur an seinem Zeigefinger, im gleichen Moment brannten auch die anderen beiden Schnüre zeitgleich ab. Nachdem die Schnüre ganz verbrannt waren, regte sich Certus und atmete tief durch. Secundus zog seine Hände zurück und blickte überrascht zu Saltus: „Sehr effektiv und simpel.“

    Es waren einige Stunden vergangen seit dem Satan wutentbrannt die Hölle zum Erzittern gebracht hatte. Spectio wollte nun noch einmal versuchen den Fürsten von seiner Idee zu überzeugen, denn es hätte nur Vorteile für ihn. Mit seinen Notizen in der Hand betrat er den Thronsaal und kniete sich mit gesenktem Blick nieder: „Mein Fürst, Ihr scheint sehr verärgert gewesen zu sein. Ich möchte euch auch nicht zu lange belästigen, aber ich bitte euch mich anzuhören. Mit mehr Struktur und festen Regeln könntet Ihr viel besser eure Gefolgschaft kontrollieren und bessere Erfolge erzielen. Ich habe bereits begonnen mir dazu Notizen zu machen, wenn ich meine Idee vorbringen dürfte?“ Stille. Einen Moment lang überlegte Spectio, ob Satan überhaupt da war, schließlich konnte man das nie wissen. In dieser ungewöhnlichen Finsternis in der zweiten Hälfte des Thronsaales war wie immer nur reine Schwärze zu erkennen. Ein Schnauben ertönte und des Fürsten düstere Stimme erklang: „Bessere Kontrolle? Wie bekomme ich meinen Diener zurück?“ „Dieser Diener hat euch verraten, mein Fürst“, entgegnete Spectio ruhig und versuchte Satan nicht unnötig aufzuregen, „Er hat weder seinen Wunsch, noch sein Leben verdient für dieses Vergehen. Wenn Ihr erlaubt, würde ich vorschlagen ein paar eurer Diener loszuschicken, die den Verräter für euch töten.“ Erneutes Schweigen folgte, ehe Satan sich erneut an ihn wand: „Ich habe zwei Diener gerufen, sie werden sich darum kümmern. Vielleicht bist du mir tatsächlich eine Hilfe in solchen Dingen. Du sollst deine Chance bekommen und als Mitdenker deine Ideen umsetzen. Enttäusche mich nicht.“ Freudig bestätigte Spectio seinen Auftrag: „Das werde ich keinesfalls, mein Fürst. Ich werde für euch so etwas wie euer Anwalt sein. Der Anwalt, des im Volksmund genannten Teufels, dem Fürsten der Finsternis.“ Die beiden anderen Diener kamen in den Thronsaal und knieten sich nieder: „Ihr habt gerufen, mein Fürst.“ Der Fürst wand sich allerdings erst an Spectio: „Der Titel gefällt mir. Anwalt des Teufels, Advocatus Diaboli. Erhebe dich, Spectio. Ab sofort stehst du über den anderen Dienern und wirst in meinem Namen die Kontrolle ausüben.“ Stolz erhob sich Spectio, verneigte sich aber noch einmal: „Entschuldigt mich dann, mein Fürst. Es gibt viel zu tun. Ruft mich, wenn Ihr meinen Rat braucht.“ Dann verlies er den Thronsaal und ließ die anderen beiden Diener zurück. Beim Hinausgehen vernahm er noch Satans Stimme, wie dieser sich an die beiden wandte: „Ich habe einen Auftrag für euch…“
    Cornix cornici oculos non effodit. - Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.