Anthro-Fantasy: Karasu no shugo Tenshi (von Luna42 und Angelfeather13)

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  • Für die lieben fleißigen Leser hier:

    - Zurzeit arbeite ich an den Steckbriefen, den Kapiteln und der Übersetzung. Wobei die Übersetzung natürlich den größten Zeitaufwand hat.
    - Deutsche Fassung "Die Prophezeiung des Lichts - Teil 1 - Kapitel 1": karasunoshugotenshi.wixsite.co…apitel-1---die-entstehung
    - Englische Fassung "The Prophecy of Light - Part 1 - Chapter 1": karasunoshugotenshi.wixsite.co…-kapitel-1-die-entstehung
    - natürlich alles weiterhin erreichbar unter karasu-no-shugo-tenshi.de
    - Und für die, die gerne mal was neues von Angelfeather sehen wollen zum Thema Charaktere: Apollon (Corvus) ist nun auch mit einem Profilbild versehen

    Cornix cornici oculos non effodit. - Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.
  • Ich habe mein den ersten Beitrag editiert mit den richtigen Links und auch was sich an Teilen und Kapiteln inzwischen geändert hat. Ich hatte hier ja schon mal das Weihnachtsspecial angefangen. Inzwischen ist das fertig. Wer mag kann es ja mal lesen: karasu-no-shugo-tenshi.com/pro…il3-weihnachtsspecial.htm

    Auch wenn Weihnachten schon vorbei ist und bald Ostern ist. :justblink:
    Cornix cornici oculos non effodit. - Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.
  • Aktuell schreibe ich an Die Prophezeiung des Lichts - Himmel und Hölle weiter und habe für euch hier das dritte Kapitel. Wer nicht mehr weiß nach der langen Zeit, was passiert ist, hier sind Kapitel 1 und 2:

    - karasu-no-shugo-tenshi.com/prophezeiung-teil1-kapitel1.htm
    - karasu-no-shugo-tenshi.com/prophezeiung-teil1-kapitel2.htm

    Kapitel 3 - Die Magie des Lichts und der Dunkelheit

    "Papa! Sieh mal, was ich gebastelt habe“, rief die kleine sechsjährige Tochter von Candidus, einem weißen Wolf mit dunkelblauen Augen. Er trug ein abgetragenes Hemd und eine braune Lederhose sowie ein paar braune Lederschuhe, bei denen sich schon wieder eine Naht gelöst hatte. „Es ist wunderschön“, antwortete er, nachdem er das Gebilde aus Stöcken, Schnüren und Blumen betrachtete, dass seine Tochter dort zusammen gebastelt hatte. Es ähnelte einem Windspiel, nur das dieses keine Geräusche im Wind machen würde. Sie strahlte über das ganze Gesicht und war sehr stolz auf ihre Arbeit. „Sag Mama, dass ich hier bald fertig bin und wir dann essen können“, fügte Candidus nun noch hinzu. Er musste das Feld neu bestellen, damit auch für die kommenden Monate wieder genug zu essen vorhanden war. Mit seiner Arbeit war er fast schon fertig. Nur noch die letzten Samen mussten in die Erde. Seine kleine Tochter rannte sofort los, um ihrer Mutter die Nachricht zu überbringen. „Das mache ich“, rief sie noch im Rennen ihrem Vater zu. Candidus lebte mit seiner Frau, seiner sechsjährigen Tochter und seinem dreijährigen Sohn in einem kleinen Dorf namens Civitas. Die Häuser waren aus Lehm, Holz oder Stroh gebaut. Die Straßen nur aus Erde, wo immer wieder einzelne Löcher entstanden und zugeschüttet werden mussten. Fast jede Familie besaß ihr eigenes Feld. Als Candidus mit seiner Arbeit fertig war, ging er zu einer ihrer hölzernen Wassertonnen und schöpfte mit einem Tonkrug Wasser daraus, dass er sich über die Hände schüttete, um diese damit zu reinigen. Danach trocknete er sie mit einem Tuch ab und ging ins Haus. Sofort rannte sein kleiner Sohn auf ihn zu und wollte hoch gehoben werden. „Wen haben wir denn da?“, fragte er ihn, als er ihn hoch nahm und in hinauf in die Luft riss, „Wenn das nicht mein kleiner Liebling ist.“ Der kleine strahlte und lachte: „Papa! Papa, mach das nochmal!“ Candidus hielt mit einem Mal inne und ließ den Kleinen wieder herunter auf den Boden. Durch das Fenster konnte er erkennen, dass zwei Gestalten näher kamen und auch wenn sie langsam näher kamen, konnte er bereits ihre roten Augen erkennen. Oft hatte er schon den rotäugigen Wesen gehört, den Dämonen, aber gesehen hatte er sie noch nie. Man sagte, dass sie nachts in die Städte und Dörfer kamen und den Leuten das Blut aussaugten. Mit sanften Blick sah er zu seinem kleinen Sohn: „Papa ist gleich wieder da.“ Dann ging er nach draußen. Seine Frau begab sich zum Fenster und blickte nach draußen, um dem Geschehen zu folgen. Wer waren diese Leute, die dort kamen? Candidus lief den beiden Fremden entgegen: „Seit gegrüßt, was kann ich für euch tun?“ Die beiden Gestalten blieben vor ihm stehen: „Ab sofort herrscht der Fürst der Finsternis über diese Welt. Mach keinen Ärger und brav das, was verlangt wird.“ Sofort war Candidus klar, dass er gegen die beiden überhaupt nichts ausrichten konnte. Nicht nur weil es Dämonen waren, sondern auch rein vom Körperbau der beiden. Sie waren sehr muskulös und durch trainiert, während er nur ein einfacher Bauer war. Dennoch verstand er ihr Anliegen nicht wirklich: „Entschuldigt die Frage, aber wer ist denn dieser Fürst und was genau bedeutet das? Was ist mit dem Dorfältesten oder mit unserem König?“ Einer der Dämonen packte ihm am Kragen und knurrte wütend: „Du solltest es einfach akzeptieren, sonst bringen wir dich hinab in die Hölle und glaube mir, das ist kein Ort an dem du sein möchtest.“ „Bei allen Göttern, lasst mich bitte los“, forderte Candidus sie erschrocken auf. Aus dem Dorf hörte man Schreie, was Candidus nur noch mehr klar machte, dass die Situation aussichtslos war. Der Dämon löste den Griff von Candidus und gab ihm einen Schubs, dass dieser zu Boden fiel. Grelles Licht erhob sich am Himmel für einen kurzen Moment. Jeder unterhalb wurde dazu gezwungen seine Augen zu schützen, ehe es sich aufzuteilen schien. Geflügelte Lichtwesen glitten hinab, Gabriels Engel und sandten kleine Lichtwesen aus, gerade so groß wie eine Hand. Im ersten Augenblick erschienen sie wie Kugeln, die sich ihren Weg nach unten bahnten, doch bei näherem Betrachten erkannte man, dass es kleine Wesen waren. „Was ist das denn?“, rief der eine Dämon und blickte verwundert nach oben. Die ersten kleinen Lichtgestalten schießen in den Boden hinein, nahmen statt dem Licht die Erde als Element an und flogen auf die Dämonen zu. Die Wucht traf den ersten Dämon in den Magen, schleuderte ihn zurück und warf ihn zu Boden. Der andere geriet ins Straucheln, als ihn eines der Wesen am Bein traf, zwei weitere an Schulter und Kopf, sodass er ebenfalls rücklings hart zu Boden fiel: „Verdammt!“ Beide rappelten sich schnell wieder auf, wurden jedoch weiter angegriffen. Candidus stand langsam auf und schickte ein aufrichtiges Danke zum Himmeln hinauf: „Wer auch immer ihr seid, ich danke euch aus tiefsten Herzen. Ich stehe in eurer Schuld.“ Auch vom Dorf aus sah man die kleinen Lichter herumschwirren und sie waren nicht nur dort sondern an vielen Orten der Welt, um den gewöhnlichen Sterblichen gegen die Dämonen zu helfen. Candidus erwartete keine Antwort, dennoch erschien vor ihm aus grellem Licht eine weitere Gestalt. Als das Licht nachließ, stand vor ihm eine weiße Fledermaus im Priestergewandt, der Erzengel Gabriel. „Wenn du willst, kannst du deine Schuld begleichen“, begann Gabriel in ruhigem Tonfall zu ihm zu sprechen, „Und gleichzeitig deine Familie, deine Freunde und vielen auf dieser Welt helfen.“ Wie bei einem König verneigte sich Candidus dankbar: „Was könnte ich tun? Ich bin nur ein einfacher Bauer.“ Gabriel blickte einen Moment den beiden Dämonen hinterher, die Richtung Dorf rannten. Dabei wurden sie weiterhin von den kleinen Lichtwesen angegriffen, die sie versuchten weg zu schlagen. Dann wand er seinen Blick wieder Candidus zu: „Ich gebe dir die Magie des Lichts und du wirst einer meiner Magier. Mit dieser Kraft kannst du kämpfen, schützen und heilen, jedoch darfst du sie niemals aus Hass oder Habgier benutzen. Bist du einverstanden?“ Candidus nickte ohne groß darüber nachzudenken: „Ich will helfen und meine Familie verteidigen können. Meine Kinder sollen ohne Angst aufwachsen und die Kinder der anderen Familien auch.“ Gabriel hob seine Hand, wodurch um Candidus gesamten Körper eine Aura aus Licht erschien. Sie fühlte sich warm an, voller Liebe und Glückseligkeit. Langsam verschwand diese in Candidus Körper und alles schien vollkommen normal. Verwundert blickte Candidus an sich herunter: „Wie kann ich diese Kraft nutzen und verratet ihr mir euren Namen?“ „Ich bin Gabriel, der Fürst des Lichts. Spüre die Kraft in dir, lass das Gefühl durch schöne Gedanken verstärken und benutze sie um zu schützen. Alles andere wirst du dann sehen. Ich muss weiter, aber du wirst schon bald sehen, dass du nicht allein bist.“ In grellem Licht verschwand er, genauso wie er gekommen war. Eine leichte Frühlingsbrise erinnerte daran, wo er zuvor gestanden hatte, sowie die letzte Feder, die sich im Licht auflöste. Da Candidus unmöglich alleine gegen alle Dämonen bestehen konnte, verlieh Gabriel weiteren Personen in Civitas und auch in anderen Dörfern und Städten die Magie des Lichtes. Dennoch waren die Dämonen eine große Gefahr für sie. Dämonen hatten neben ihrer Magie sehr viel schläfere Sinne und körperliche Kraft.

    „Papa, das ist wunderschön“, bemerkte Candidus‘ Tochter. Dieser saß vor seinem Haus auf einem Holzstuhl und ließ eine kleine leuchtende Kugel schweben: „Da hast du recht. Ich hoffe, dass sie uns auch schützen kann.“ Zwei Tage war es her seitdem er seine Kräfte erhalten hatte. Niemand konnte sagen, wann die Dämonen zurückkommen würden. Er hatte sich mit einigen anderen Bewohnern ausgetauscht, die ebenfalls eine Begegnung mit Gabriel hatten. Sie mussten schnell lernen, sonst würde ihnen all die Magie nichts bringen. Zudem hatte Candidus dafür gesorgt, dass Beobachtungsposten aufgestellt worden und Alarm geschlagen wurde, wenn die Dämonen zurückkehren würden. Sie waren alle nur einfache Bauern und das Kämpfen war ihnen bisher fremd gewesen. Es fühlte sich noch immer unwirklich für Candidus an, auch wenn er den Beweis dafür mit seinen eigenen Händen erzeugen konnte. Er ließ die leuchtende Kugel verschwinden und lächelte seine Tochter an, als sein Blick zum Dorf herüberging. Erst erleuchtete eine der Flammen, die als Warnsignal gedacht waren, dann auch die beiden anderen. Candidus stand auf: „Geh ins Haus und bleib dort bei deiner Mutter und deinem Bruder. Ich bin bald zurück.“ Das Mädchen nickte leicht und drückte die Hand ihres Vaters: „Du bist stark, Papa. Das weiß ich sicher.“ Dann ging sie ins Haus, so wie ihr Vater es ihr aufgetragen hatte. Candidus selbst lief erst schnellen Schrittes los über seine Felder, ehe er rannte, um noch rechtzeitig im Dorf anzukommen. Als Candidus zwischen den Häusern zum Marktplatz lief, sah er bereits die Dämonen, die mit Feuerbällen auf die Bewohner schossen. Eine Gruppe aus fünf Lichtmagiern hatte sich zusammengetan, um mit magischen Schutzschilden die Feuerbälle abzufangen, was sich als schwieriger erwies, als gedacht. Weitere schossen mit Kugeln aus Licht auf die Dämonen, was sichtlich schmerzte, aber die Dämonen auch noch wütender machte. Candidus zögerte nicht und schoss ebenfalls mit Lichtkugeln auf die angreifenden Dämonen: „Verschwindet hier! Lasst uns in Ruhe leben!“ Einer der Dämonen wand sich knurrend um, streckte seine Hand aus und eines der Häuser begann lichterloh zu brennen. „Löscht das Feuer!“ Hörte man jemanden rufen. Die Dorfbewohner ohne magische Kräfte holten Wasser und versuchten mit Eimern den Brand zu löschen oder zumindest soweit einzudämmen, dass er nicht auf die naheliegenden Häuser überging. Candidus selbst schoss weiter mit Lichtkugeln auf die Dämonen, inzwischen mit mehr Nachdruck. Sie mussten verschwinden, bevor noch mehr geschah. Immer wieder musste er auch an seine Familie denken. Wenn es ihnen nicht gelang, was würde aus ihnen werden!? Seine beiden Kinder hatten noch ihr ganzes Leben vor sich und das vielleicht als Untertanen von Dämonen und ihrem Herrscher!? Das konnte und wollte er nicht zulassen. Er würde kämpfen und er würde siegen. Einer der Dämonen kam ihm gefährlich nahe und holte bereits zum Faustschlag aus, als ein weiterer Magier ihn mit einem Schutzschild schützte. Erleichtert blickte Candidus zu seinem Retter: „Danke.“ Der andere Magier nickte ihm zu. Die Faust des Dämons war an dem magischen Schutzschild abgeprallt. Knurrend schlug er weitere Male zu. Erfolglos. Candidus blickte sich um. So konnte es nicht weitergehen. Zwar schafften sie sich einiger maßen zu verteidigen, aber sie waren nicht stark genug um gegen die Dämonen zu bestehen. Sein Blick ging hoch zum Himmel: „Gabriel, wir sind sehr dankbar. Doch wir schaffen es nicht alleine. Bitte, nur ein kleines Wunder. Hilf uns.“ Der andere Magier schüttelte den Kopf und konzentrierte sich weiter auf das Schutzschild, welches den vor Wut tobenden Dämon ihnen vom Leib hielt: „Ich denke nicht, dass er kommen wird. Er gab uns die Kräfte und jetzt müssen wir selbst sehen.“ „Ich glaube an ihn!“, sagte Candidus bestimmt, „Und ich vertraue Gabriel. Er ist der Fürst des Lichts und wird das Licht des Lebens bewahren.“ Erst war es nur ein vereinzeltes Leuchten, doch dann kamen immer mehr Lichtgestalten vom Himmel hinab – die Engel -. Diese schickten ihre Lichtelfen los, die mit rasender Geschwindigkeit zum Boden sausten. Die meisten von ihnen tauchten in den Boden ein und nahmen das Element der Erde an. Für die Sterblichen war es nicht möglich tatsächlich zu erkennen, dass in diesen Lichtkugeln eine kleine Gestalt verborgen war. Selbst als sie das Element annahmen mischte sich das Licht mit der Erde und lediglich das rot-bräunliche Leuchten verriet, dass sie das Element der Erde angenommen hatten. Kaum dass sie den Boden berührt hatten zischten sie auch schon auf die Dämonen zu und trafen diese mit voller Wucht. Für die Dämonen fühlte es sich an, als hätte jemand mit unglaublicher Stärke einen Stein nach ihnen geworfen. Was ihnen zwar nicht unbedingt viel ausmachte, aber die Menge der angreifenden Elfen, richtete dennoch ausreichend Schaden an. Zudem war es für die Dämonen fast unmöglich diese kleinen Wesen zu treffen. Sie versuchten nach ihnen zu schlagen und auch mit Feuerkugeln oder dunklen Magiekugeln zu attackieren. Nur vereinzelt gelang es ihnen. „Trefft diese kleinen Viecher doch mal“, rief einer von ihnen und bekam gleich die passende Antwort: „Ziel doch selbst besser.“ Die Magier unterstützten sie weiterhin, so dass die Dämonen langsam zurückgedrängt wurden.

    Abseits des Kampfgeschehens hatte sich eine der Lichtelfen verirrt. Diese war statt in den Boden einzudringen und das Erdelement anzunehmen in eines der Windspiele an den Häusern eingedrungen. Das Licht breitete sich im ersten Moment aus, ehe es gänzlich verschwand. Am Boden saß ein Kind und wirkte wie etwa 5 Jahre alt. Ihr rotes, lockiges Haar ging ihr teilweise ins Gesicht und ihre rot-leuchtenden Augen hatten etwas Betörendes, aber auch gefährliches an sich. Langsam richtete sich das Mädchen auf und blickte in die Richtung aus der die Geräusche kamen. Aus irgendeinem Grund war ihr klar, dass das Geschehen dort gefährlich war. Ihr weißes, hauchdünnes Kleid, welches eher einem Nachthemd glitt, verlor langsam auch seinen letzten schein und wurde grau. Instinktiv rannte sie mit ihren nackten Füßen los, fort von dem Kampf, raus aus dem Dorf und immer weiter. Wohin wusste sie nicht und auch nicht, dass sie einst eine Lichtelfe war.

    Die ganze Hölle bebte, als Satan voller Wut seine Dämonen zurechtwies: „Ihr seid Versager! Dämonen, die nicht gegen ein paar Sterbliche ankommen! Eine so einfache Aufgabe und nicht einmal das bekommt ihr zustande!“ „Als wenn das unsere Schuld wäre. Wenn Gabriel sich mit seinen Lichtwesen nicht eingemischt hätte und den Sterblichen Lichtmagie gegeben hätte, dann wäre das ein Spaziergang gewesen. Kläre das mit ihm“, entgegnete Verentia, „Wie es mir scheint, seid ihr nicht einer Meinung.“ „Willst du dich mit mir anlegen?“ brüllte Satan sie wütend an, was die anderen Dämonen dazu brachte von Verentia Abstand zu nehmen. Nur Falx und Metos blieben an ihrer Seite. „Das hätte überhaupt keinen Sinn“, erklärte Verentia, „Denn schließlich habe ich bereits gegen dich verloren. Ich wollte lediglich darauf hinweisen, dass der Fürst des Lichts wohl mit deinem Vorhaben nicht einverstanden ist und das nicht so einfach wird die Welt zu erobern.“ Satan schnaubte erbost. Wie auch die letzten Male hatte er sich auf das Dach seines Schlosses gestellt und hatte so alle Dämonen vor diesem im Blick. Fast alle der Dämonen waren bereits zurückgekehrt und auf positive Nachrichten von den übrigen wartete er gar nicht mehr. Gabriel steckte seine Nase in Angelegenheiten, die ihn nichts angingen. Wieso nur beschützte er diese nutzlosen Sterblichen!? Erzürnt verschwand er zurück in seinen Thronsaal und ließ sich dort auf seinem Thron nieder. Noch hatte er nicht viel darüber nachgedacht, aber sein Kopf schien bereits zu schmerzen. Er musste sich etwas einfallen lassen, die Frage war nur ‚was?‘

    Klirrend fiel der Sack zu Boden, ehe eine dunkle Gestalt ihm aus dem Fenster folgte und diesen wieder aufhob. Es war eines der wohlhabenderen Häuser in der Stadt Locus und Perniger war sich dessen sehr wohl bewusst. Der graue Luchs mit den schwarzen Fellflecken war sehr wohl bekannt und die wohlhabenden Leute hatten inzwischen so einiges geboten, um diesen dreisten Dieb zu fassen. Ihre Häuser waren zum Teil aus Lehm und zum Teil aus Gestein gebaut, teilweise auch aus Holz und hatten im Gegensatz zu den einfachen Lehmhütten schon etwas Edles an sich. Meistens wohnten dort Händler, die ihren Reichtum dem Ein- und Verkauf und Lebensmittel und anderen Waren finanzierten. Während die Bauern oftmals noch mit Äpfeln und Kartoffeln bezahlten, gab es unter den Händlern, Druiden und Gutsheeren bereits die ersten Bronzemünzen sowie das damit verbundene Gefühl von Reichtum und Macht. Perniger gehörte nicht zu diesen, war aber dennoch sehr reich. Er bestahl die wohlhabenden Leute und das nicht nur, um davon Lebensmittel zu kaufen. Die Münzen behielt er fast alle und hortete sie gut versteckt in einem Wald. Zwar musste er jedes Mal wieder die Kiste ausbuddeln und dann wieder verstecken, aber er war geradezu davon besessen seinen Schatz zu vergrößern. Außerdem sollten die gehobenen Leute spüren, wie es sich in der Armut lebte. Auch dieses Mal hatte er wieder alles Geld, dass er finden konnte, mitgehen lassen. Schnellen Schrittes entferne er sich von dem Haus, den Sack über die Schulter geworfen. Selbstzufrieden grinste er und begab sich auf den Weg Richtung Wald. Dabei blickte er sich immer mal wieder um, ob ihm denn auch niemand folgte. Es wäre eine Schande, wenn jemand sein Versteck finden würde und die ganze Beute stehlen würde. Ein Dieb sollte sich wirklich nicht beklauen lassen. Unter Pernigers Füßen knackte und raschelte es, während er sich jenseits der Trampelpfade durch den Wald bahnte. Dabei achtete er jedes Mal darauf, dass er nicht ständig denselben Weg nahm. Schließlich wollte er keinen Trampelpfad zu seinem Versteck schaffen. Das wäre ganz schön blöd. Immer wieder blickte er hinter sich und holte tief Luft, der Sack hatte ganz schön Gewicht. Erleichtert ließ er den Sack fallen, als er an besagter Stelle ankam. Den Spaten hatte er in einem der Büsche versteckt und holte diesen nun wieder zum Vorschein: „Fast geschafft. Das war ein wirklich guter Beutezug heute.“ Er grinste zufrieden in sich hinein und blickte auf die Stelle, an welcher er die Truhe vergaben hatte: „Auf geht’s.“

    „Satan ist jetzt aber schon ewig weg“, stellte Metos fest, der mal wieder auf und ab lief, während Verentia ihn dabei beobachtete. Falx saß auf dem Boden und blickte zum Schloss: „Stört dich das etwa? Von mir aus, kann er für immer fortbleiben.“ „Wir können ja nachsehen gehen“, meinte Verentia beiläufig, „die Dämoninnen sind dazu übergegangen mit den Kindern im Schloss zu bleiben. So kommen sie hier nicht ins Gerangel. Satan selbst soll nach ihren Angaben nicht durchs Schloss laufen.“ Metos blickte sie verwundert an: „Wozu hat er denn so ein riesiges Schloss, wenn er sich da nicht aufhält?“ „Tut er ja, aber nur in seinem Thronsaal“, entgegnete sie, „Ich bin neugierig. Lasst uns nachsehen. Es bringt ja eh nichts hier nur zu warten, ob endlich mal was passiert.“ Zustimmend erhob sich Falx: „In Ordnung. Vielleicht bringen wir auch etwas in Erfahrung, was uns weiterhilft. Aktuell wüsste ich nicht, wie wir jemals wieder aus dieser Situation herauskommen.“ „Aussitzen“, meinte Verentia und erhob sich ebenfalls, „unsere Zeit wird kommen.“ Dann ging sie voraus zur Brücke, welche als einzige über den Lawafluss und hinein ins Schloss führte. Bisher waren sie nicht ein einziges Mal diesen Weg gegangen, aber nun war es an der Zeit das Schloss des Fürsten der Finsternis einmal unter die Lupe zu nehmen. Außerdem beschäftigte sie alle drei, was Satan die ganze Zeit machte. Metos blickte gedankenversunken in die Lava hinab, als sie die Brücke überschritten: „Ob Damon noch lebt? Zuletzt sah ich ihn mit Dimicatio auf eine Schlucht zu rennen.“ Was Verentia von Damon hielt, konnte man deutlich an ihrem Knurren hören. Schließlich hatte er die Gruppe angeführt und dazu aufgerufen das Licht zu zerstören: „Hoffentlich wurde er gefressen.“ „Das glaube ich nicht“, bemerkte Falx und folgte ihnen ins Schloss hinein. Sie betraten direkt eine große Halle, welche abgesehen von einigen Gängen auch ein weiteres großes Tor aufwies. Mit schnellen Schritten lief Verentia auf das Tor zu, welches weit offenstand und somit einen direkten Blick hinein erlaubte. Zu ihrer Verwunderung konnte sie rein gar nichts erkennen: „Also entweder ist dieser Raum schwarz in schwarz oder ich kann doch nicht so gut im Dunkeln sehen, wie gedacht.“ Ein Schnauben ertönte aus der Finsternis: „Zeigt gefälligst mehr Respekt. Wenn ihr schon herkommt, tretet ein und kniet nieder.“ Entschlossen schritt Verentia in den Thronsaal, eine bessere Möglichkeit herauszufinden, was Satan nun schon wieder ausheckte, gab es wohl nicht. Etwas widerwillig kniete sie sich nieder und blickte in diese unergründliche Finsternis. Es war wirklich nichts zu erkennen. Seltsamer Weise konnte sie in der ersten Hälfte des Saales gut sehen und dann kam die Finsternis, wie eine schwarze Mauer. Die anderen beiden folgten ihr hinein, knieten sich rechts und links neben sie nieder und blickten fragend zu Verentia. Räuspernd wand sie sich an Satan, der dort irgendwo sein musste: „Wie geht es nun weiter?“ Verächtliches Schnauben war zu hören, ehe sich Satans Stimme erhob: „Sprich mich gefälligst mit „mein Fürst“ an. Ihr seid meine Untertanten und habt mir Respekt zu zollen.“ „Fürst der Finsternis“, vernahm man nun von Falx, der seinen Blick ebenfalls suchend in die Finsternis gewandt hatte, „Seid so gut und klärt uns auf. Wenn ihr uns nicht mehr braucht, dann gehen wir.“ Man hörte wie etwas über Stein schabte, ehe Satan sich nun deutlich lauter an die drei wand: „Erobert die Städte und Dörfer, wie ich es euch befohlen hatte!“ „Ihr habt keine Ahnung, wie es weiter gehen soll oder?“ entgegnete Verentia wissend und setzte gleich fort, ehe Satan erneut etwas entgegnen konnte, „Tut es doch einfach Gabriel gleich. Was er kann, solltet ihr doch auch können oder?“ „Hinaus!“ befahl Satan ihnen nun lautstark und ziemlich verärgert. Die drei erhoben sich und gingen ruhigen Schrittes aus dem Thronsaal. Kaum hatten sie diesen verlassen, stieß Falx auch schon Verentia an: „Was sollte denn das?“ „Ist doch logisch“, entgegnete sie sogleich, „Wenn Satan auch die Sterblichen mit Magie ausstattet, bekämpfen die sich gegenseitig und wir können hier raus. Das ist doch kein Zustand für die Dämoninnen und Kinder. Mal davon abgesehen, meinst du doch sicher nicht wirklich hier dein Schicksal zu finden?“ „Non vero“ (übersetzt "Keinesfalls"), knurrte Falx zwischen seinen Zähnen hervor, während Metos ihn fragend anblickte: „Ich denke mal, dass hieß nein?“ Seufzend lief Verentia in einen der Gänge des Schlosses. „Hey, wo willst du hin?“, rief Falx ihr hinterher, jedoch drehte sie sich nicht um und gab auch keine Antwort. Die beiden beschlossen ihr einfach zu folgen, denn in der Halle direkt vor Satans Thronsaal zu warten, schien auch keine gute Wahl zu sein. In den Gängen des Schlosses reihte sich Tür an Tür. Hier und da sah man ein paar junge Dämonen zwischen den Fluren rennen, ihre Mütter immer in der Nähe. Verentia hatte nicht vor sich hier ebenfalls ein Zimmer auszusuchen. Sie war eine Kriegerin, keine sich sorgende Mutter. Dennoch wollte sie sich ein Bild davon machen, wie die Dämoninnen zurzeit mit ihren Kindern lebten. Es wirkte fast schon friedlich, wäre da nicht die stickige Luft, die Asche, der Staub und die besorgten sowie wachsamen Blicke der Dämoninnen. „Niemand bildet im Moment den Nachwuchs aus“, bemerkte Metos, „kein Lehrmeister der ein Auge auf sie wirft. Auch wenn wir hier gefangen sind, dürften wir die nächste Generation nicht verkommen lassen.“ „Wir sollten warten“, erwiderte Falx nachdenklich, „die Dämoninnen haben sich bereits ins Schloss zurückgezogen. Auch die Dämonen werden sich beruhigen und anfangen das Beste daraus zu machen. Den Kindern wird nicht zu viel Zeit ihrer Ausbildung fehlen. Da bin ich mir sicher.“ „Haben wir einfach ein Auge drauf, dass die Dämoninnen und die Kinder nicht unter dieser Entwicklung leiden. Jedenfalls nicht mehr, als nötig“, fügte Verentia hinzu, während sie sich weiter umsah, „Bevor wir hier waren, hatte Satan nur seine Höllendämonen. Also hat er das Schloss so für seine Gefangenen eingerichtet?“ Falx lachte: „Sieht so aus. Ein Schloss für Dämonen. Was für ein Unsinn.“ „Du kriegst mich nicht, du kriegest nicht“, rief ein junger Dämon, der den Gang entlang gerannt kam. Hinter ihm rannte eine junge Dämonin her: „Das ist nicht fair. Lauf etwas langsamer.“ Der Junge grinste breit: „Mädchen sind eben viel zu langsam. Du wirst mich niemals einholen.“ Als der Junge an ihnen vorbeilief, ergriff Falx seinen Arm: „Zeige etwas mehr Respekt. Sie mag nicht so schnell sein, aber es ist später auch deine Aufgabe auf sie aufzupassen.“ Der Junge knurrte verärgert über Falx Reaktion: „Ganz bestimmt nicht. Ich such mir eine bessere Dämonin.“ Verwundert ließ Falx den Jungen los und ließ ihn davonrennen. Das Mädchen blieb bei ihnen stehen und lächelte: „Vielen Dank, aber das ist schon ok. Er ist immer so.“ Sie lief dann in die entgegengesetzte Richtung: „Ich weiß, wo ich ihn abfangen kann.“ Ein Seufzen war von Metos zu hören, der sich dabei mit zwei Fingern die Stirn rieb: „Würde sich ein Lehrmeister um ihn kümmern, dann käme niemals so ein Satz aus seinem Mund. Wir sollten mit den anderen sprechen.“ Falx knurrte daraufhin hörbar, die Verbitterung war regelrecht zu spüren: „Das ist alles Satans Schuld. Wenn er so verdammt mächtig ist, warum bewegt er sich nicht selbst und kümmert sich um die Eroberung der Welt. Soll er sich mit Gabriel gegenseitig die Schädel einschlagen.“ „Ich weiß nicht, ob das viel besser wäre“, fügte Verentia nachdenklich hinzu, „schließlich leben wir alle in dieser einen Welt. Wir können nur hoffen, dass Satan das Interesse an uns verliert und vielleicht seine eigenen Magier erschafft. Neue Krieger für seinen irrsinnigen Plan.“

    Nachdenklich blickte Falx zum Schloss, dabei hatte er die Arme verschränkt und schon eine Weile geschwiegen: „Ich glaube nicht, dass Satan seinen Vorschlag noch umsetzen wird, es ist jetzt schon mehr als einen Tag her.“ „Schade“, entgegnete Verentia knapp, „ich hätte ihm schon ein paar Leute besorgt. Schließlich führen dann andere diesen Kampf mit Gabriel. Vermutlich ist er einfach zu stolz einen Vorschlag von seinen Gefangenen anzunehmen.“ „Meint ihr, dass Satan sich da im Dunkeln versteckt, weil er so seltsam aussieht?“, meinte Metos Gedanken versunken, „Selbst wir konnten ihn nicht sehen, dabei ist dunkle Magie unser Element.“ Die anderen beiden blicken ihn verwundert an. „Du bist lustig. Als hätten wir nichts Besseres zu tun“, entgegnete Verentia, „Wir haben keine Chance gegen ihn und beeinflussen können wir ihn scheinbar auch nicht. Wir können nur warten.“ Die Blicke der drei trafen sich, während die Stimme des Fürsten der Finsternis sich in ihren Köpfen erhob: „Kommt sofort in den Thronsaal.“ Verentia lief sogleich los: „Beeilen wir uns, vielleicht hat er meinen Vorschlag doch angenommen.“ „Er hat trotzdem nichts in unseren Köpfen zu suchen“, eilte Falx ihr hinterher, während Metos sich mit einer Hand die Stirn rieb, ehe er ihnen folgte. Ohne zurück zu blicken, überquerte Verentia die Brücke und betrat die Eingangshalle des Schlosses. Neben ihr her lief Falx, welcher ein eher ungutes Gefühl hatte: „Wir sollten vorsichtig sein. Ich traue ihm nicht.“ „Das tut niemand“, pflichtete sie ihm bei und betrat den Thronsaal. Auch wenn Satan nicht zu sehen war, nagte die Gewissheit an ihnen, dass er irgendwo in dieser Finsternis verborgen war. Keiner von ihnen würde einen Angriff auch nur erahnen können. Wie auch am Tag zuvor kniete Verentia sich nieder. Dieses geschah nicht aus Respekt oder Ehrfurcht, sondern lediglich um Satan in Sicherheit zu wiegen. Sie mussten dieses Spiel mitspielen, um Satans Vertrauen und damit auch seine Schwächen kennen zu lernen. Falx tat es Verentia gleich, obwohl er Satan am liebsten aufgefressen hätte. Etwas verzögert betrat auch Metos den Raum, wobei er seinen Blick suchend in die Finsternis richtete. Schweigend nahm er seinen Platz neben Falx ein und wartete ab. „Fürst?“, begann Verentia, „Ihr habt nach uns verlangt?“ Ein Schnauben war aus der Finsternis zu hören, welches schwer einzuordnen war: „Du hattest vorgeschlagen es Gabriel gleich zu tun.“ Fast hätte sie leise darüber gelacht, jedoch unterdrückte sie das. Ihn jetzt zu verärgern, wäre sehr unklug. „Ja, das habe ich. Fürst. Er gab den Sterblichen Magie. Dann solltet ihr das doch auch können“, schlug sie ihm erneut vor, „Korrigiert mich, wenn ich falsch liege.“ „Holt mir einen Sterblichen“, befahl Satan, „Aber es muss jemand sein, der es freiwillig tut.“ Augenverdrehend blickte Falx zu Verentia, welche den Blick aber nicht erwiderte: „Ich denke nicht, dass das jemand freiwillig tut. Dennoch… soweit ich weiß, lassen sich die Sterblichen für ihre Arbeit bezahlen. Habt ihr vielleicht etwas mit dem ihr sie bezahlen könntet?“ Es folgte Schweigen. Die drei warteten ab, ob noch irgendeine Reaktion von ihm kommen würde. Vorsichtig stieß Metos seinen Kameraden an, der aber nur die Schultern zuckte. Satans düsterere Stimme erhob sich wieder: „Bietet ihm einen Wunsch an. Ich werde ihn erfüllen.“ „Einen Wunsch? In Ordnung. Wir bringen euch einen Sterblichen mit einem Wunsch, der euch dienen will“, führte Verentia etwas verwundert aus und erhob sich, „Wir sind bald zurück.“ Die anderen beiden erhoben sich auch und verließen mit ihr zusammen den Thronsaal.

    Schützend hielt sich Falx den Arm vor die Augen, um dem grellen Sonnenlicht zu entgehen: „Es ist ja Tag.“ Die Dämonen verloren immer mehr ihr Zeitgefühl, da in der Hölle immer die gleichen Lichtverhältnisse galten, nämlich so gut wie gar keine. Ängstliche Blicke trafen die drei Dämonen, da sie in Mitten der Stadt Locus aus schwarzem Feuer aufgetaucht waren. Einige Male musste Verentia blinzeln, um ihre Augen an das Tageslicht zu gewöhnen: „Ich würde sagen, dass wir uns erstmal umschauen.“ Genervt von der Helligkeit, blickte Metos zu Boden: „Dein Plan ist wohl doch nicht ganz durchdacht. Zwar hat Satan nun zugestimmt, jedoch wird keiner hier uns mit offenen Armen empfangen.“ „Abwarten“, meinte Verentia selbstsicher, „Es gibt bei Dämonen die untersten Ränge und bei Sterblichen gibt es die auch. Nur in etwas anderer Form.“ Ein Grinsen huschte über Falx‘ Gesicht: „Und was wollen die Schwächeren? Macht! Da ist ein Wunsch doch genau das Richtige.“ Die Straße wurde langsam immer leerer. Die Gewöhnlichen schlichen regelrecht in ihre Häuser und versuchten dabei die Türen möglichst geräuschlos zu schließen. Nichts, was das Gehör eines Dämons nicht wahrnehmen würde. Schnuppernd drehte sich Metos herum: „Meint ihr, dass hier auch Lichtmagier leben?“ Lachend klopfte Falx ihm auf die Schultern: „Wie meinst du riecht Licht?“ „Satan stinkt nach Asche und Tod“, entgegnete er, „Oder es ist die Hölle selbst. Es riecht einfach alles nach Asche.“ „Los kommt“, befahl Verentia den beiden, „Wenn das klappt, hat Satan andere Wesen, die er tyrannisieren kann.“ „Ich bin immer noch der Meinung, dass das niemand freiwillig machen wird“, entgegnete Metos während er die Hände hinter den Kopf legte, „und selbst wenn doch, sie sind nicht unsterblich.“ „Aber sie könnten es sich wünschen“, überlegte Falx laut, „vielleicht kann Satan das.“ Ein verzücktes Grinsen machte sich über Verentias Lippen breit: „Dann schlagen wir ihnen das doch vor. Einen Versuch ist es wert.“ Sie bogen in eine der Seitenstraßen ein, wo Verentia auf Mittellose oder Kriminelle hoffte. Diese würden sich noch am ehesten zu so einem Dienst für den Fürsten der Finsternis überreden lassen. Zu ihrem Glück versuchte gerade Perniger einen Teil seiner Schmuckbeute an jemanden zu verkaufen, um an mehr Geldmünzen zu kommen: „Das ist ein echter Saphir in dem Ring. Den verkaufe ich nicht für so einen läppischen Preis.“ „Du kannst ja viel erzählen. Woher soll ich wissen, dass das Ding echt ist. Er könnte genauso gut nur nachgemacht sein“, erwiderte sein Gesprächspartner, welcher selbst nicht gerade wohlhabend wirkte. Ohne große Umschweife ging Verentia auf die beiden zu: „Ich wüsste, wo ihr was viel Wertvolleres herbekommt, als das.“ Die beiden Köpfe drehten sich zu ihr um, während der andere geradezu ängstlich wirkte, machte sich bei Perniger ein sichtliches Interesse breit: „Und was genau sollte das sein? Ein Diamant oder Gold?“ „Ein Wunsch“, kam Falx dazu und zog Perniger freundschaftlich an der Schulter zu sich, „Es könnte alles sein, vielleicht sogar die Unsterblichkeit.“ „Alles?“, hinterfragte Perniger noch einmal, „Ich wüsste da schon was, aber was kostet mich das? Das macht ihr doch nicht umsonst.“ Verentia konzentrierte sich nun ganz auf Perniger, da der andere wohl eher demnächst in Ohnmacht fallen würde: „Wir gar nicht, denn Satan schickt uns. Der Fürst der Finsternis. Er will dafür deine Dienste, dass du für ihn kämpfst und dazu gibt’s gleich noch ein paar magische Kräfte. So in etwa wie die Lichtmagier. Davon hast du doch sicher gehört?“ Der Dieb steckte seinen Ring wieder in die Hosentasche, wodurch man ein leises Klimpern wahrnehmen konnte: „Ich bin dabei, sofern ich alles, was ich an Wertsachen währenddessen erbeute, behalten darf.“ Schulterklopfend bestätigte Falx das: „Du kannst dir von mir aus auch alle Kleider deiner Gegner stehlen. Den Fürsten interessiert nur, dass er die Sterblichen unterwerfen kann.“ „Bringt mich zu ihm“, forderte Perniger sie nun auf, „er kann herrschen, solange ich meine Schätze habe.“ Die drei Dämonen verschwanden mit Perniger in schwarzen Flammen und tauchten in der Hölle direkt vor dem Schloss wieder auf. Schon nach den ersten Atemzügen begann Perniger heftig zu husten und blickte sich angestrengt um: „Hier müsste mal wer putzen und warum ist es hier so heiß?“ Die Frage erübrigte sich, als er den Lavafluss hinter sich bemerkte: „Schon gut, ich…“ Sanft gab Verentia ihm einen kleinen Schubs in Richtung des Einganges: „Hier entlang. Der Fürst wartet nicht gerne.“ Die Dunkelheit überall irritierte Perniger ebenfalls, aber neben der Asche, dem Staub und der Hitze war das eher nebensächlich: „Immer mit der Ruhe.“ Kaum betrat er die Eingangshalle übernahm Verentia die Führung zum Thronsaal: „Du willst doch sicher das Beste aushandeln. Da sollte man ihn nicht warten lassen.“ Etwas zögerlich folgte Perniger ihr, zurück konnte er eh nicht mehr. Die anderen beiden Dämonen waren ihm dicht auf den Fersen, sodass er langsam das Gefühl bekam in der Falle zu sitzen. Ein Kloß machte sich in seinem Hals breit, als er direkt nach Verentia den Thronsaal betrat. Elegant kniete sie sich nieder: „Fürst, wir haben euch jemanden mitgebracht, der gerne das Angebot des Wunsches gegen seine Dienste annehmen würde.“ Irritiert blickte Perniger in die Finsternis, die nichts als Schwärze widerspiegelte. Falx sowie Metos nahmen nun auch ihren Platz neben Verentia ein, um ihre Unterwürfigkeit zu zeigen. „Nenne deinen Namen“, forderte Satan ihn auf, „und deinen Wunsch.“ Die düstere Stimme des Fürsten ließ ihm einen kalten Schauer über den Rücken laufen: „Ich? Perniger, man sagte mir, ich könnte mir alles wünschen. Mein Wunsch ist unendlicher Reichtum.“ Erneut erhob sich die Stimme aus der Finsternis: „Ich gebe dir unendlichen Reichtum und die dunkle Magie, im Austausch dafür wirst du bis an dein Lebensende mein Diener sein. Einverstanden?“ „Einverstanden“, rief Perniger sofort heraus, er konnte sein Glück kaum fassen. Soviel Geld wie er wollte, dafür war er auch bereit zu arbeiten. Eine schwarze Aura umgab Perniger plötzlich, ehe diese scheinbar in seinem Körper verschwand. Verwundert blickte er an sich hinab: „War’s das? Wo ist mein Reichtum?“ Ein Schnauben war aus der Finsternis zu hören: „Fass in deine Taschen und wiederhole es.“ Zögerlich steckte Perniger seine Hand in seine Hosentasche, die wie aus dem Nichts sich mit Münzen füllte. Als er die Hand mit den Münzen heraus zog, hatte er jede Menge Gold in der Hand. Überglücklich wollte er die Münzen in die andere Tasche stecken, konnte dieses dennoch nicht. Sofort war auch die andere Tasche voller Münzen, kaum hatte er versucht die Hand hinein zu stecken: „Das ist unglaublich.“ „Macht ihn kampffähig“, befahl Satan den drei anwesenden Dämonen, „ich brauche eine starke Armee.“
    Cornix cornici oculos non effodit. - Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.
  • Kapitel 4 - Das Krächzen der Hoffnung

    Einige Wochen waren vergangen seit der erste dunkle Magier erschaffen wurde. Inzwischen hatte Satan die Dämonen ausgesandt, um mehr Sterbliche für diese Zwecke in die Hölle zu holen. Einige hundert waren zusammengekommen, welche von den Dämonen in der Kunst der dunklen Magie unterrichtet wurden. Dabei waren die Wünsche der Sterblichen ganz unterschiedlich gewesen: Von Reichtum, Gesundheit, Unsterblichkeit bis hin zu Rachegelüsten, Frauen und Länderreihen. „Endlich frische Luft“, sprach Perniger zu sich selbst und klopfte sich Staub und Asche aus Fell sowie Kleidung. Nur einige Stunden hatte er immer Zeit sich außerhalb der Hölle zu stärken und auszuruhen, dann würde er zurück gehen, um sein Training fortzusetzen. Das Teleportieren war eines der Dinge, die ihm am meisten Spaß machten, neben dem Geld anhäufen und ausgeben. Soviel hatte er von der Welt zuvor niemals sehen können, aber jetzt stand ihm alles offen. Da er sich nicht so gut auskannte, war es ihm auch schon einige Male passiert, dass er mitten in einem See auftauchte, auf einem hohen Berg oder sogar im Haus eines Fremden. Inzwischen hatte er sich einen kleinen Beutel zugelegt, den er an seiner Hose trug, dort lagerte er seine Goldmünzen zwischen. Schmerzhaft streckte sich Perniger und kniff dabei etwas die Augen zu: „Das sind Sklaventreiber, aber erst mal was essen.“ In dieser Gegend kannte er sich bereits aus und lief direkt in die Stadt, welche vor ihm lag. Die Häuser hatten einige Schäden, welche vermutlich noch von den Kämpfen mit den Dämonen stammten. Dennoch war es ein gemütlicher Ort, an dem viele Leute lebten und es auch ein tolles Gasthaus gab. Indem er fast täglich aß, Wein trank und seinen Magen mit den teuersten Speisen füllte. Fröhlich pfeifend lief er die Straßen entlang, dabei kam er hier und da an Verkaufsständen vorbei. Obwohl er sich alles was er wollte kaufen könnte, schnappte er sich einen Apfel und biss ein Stück weiter genussvoll hinein: „So gefällt mir das. Schönster Sonnenschein, ich kann alles haben was ich will und niemand kann mich mehr aufhalten.“

    Geschickt drehte Perniger den Dolch in seiner Hand und ignorierte den genervten Blick von Falx, welcher ihm gegenüberstand: „Du sollst damit nicht rumspielen, sondern den Stein dort treffen.“ Eigentlich hatte Perniger überhaupt keine Lust dazu, denn mit Dolchen und Messern hatte er schon vorher umzugehen gewusst. Nur weil der Dolch jetzt auch dunkler Magie erschaffen worden war, hieß das nicht, dass es sich völlig anders nutzte. Ein Dolch war ein Dolch. Amüsiert warf Perniger auf den gezeigten Stein: „Zufrieden?“ „Du musst mit mehr Kraft werfen“, ermahnte ihn Falx erneut, „Wenn du den Dolch weit ins Fleisch eindringen lässt, ist dein Gegner schwer beeinträchtigt oder im besten Fall tot.“ „Es ist Zeit die Welt der Lebenden zu erobern“, ertönte Satans düstere Stimme vom Dach seines Schlosses. Wie viele andere, hatte Falx gar nicht bemerkt, dass er dort oben aufgetaucht war. „Geht und erobert die Städte und Dörfer!“, befahlt er ihnen, „Und vernichtet die Lichtmagier!“ Die Dämonen verschwanden Stück für Stück gemeinsam mit den neuen Dunkelmagiern in schwarzem Feuer, um den Befehl des Fürsten auszuführen. Perniger blickte sich um, kaum dass sie vor der Stadt aufgetaucht waren. Es war eine ganz beachtliche Armee, sodass es ein leichtes sein sollte die Stadt zu erobern. „Ergebt euch gleich oder wir zerstören euer Heim, nehmen all euren Reichtum und euer Blut gehört den Dämonen“, verkündigte er sogleich, sich der Überlegenheit sicher. Genervt blickte Falx zu ihm: „Deine Grundkenntnisse über Dämonen müssen wir mal auffrischen. Nicht alle Dämonen trinken Blut.“ Viele der Bewohner versteckten sich in ihren Häusern und verschlossen Türen sowie Fenster. Statt aufzugeben, stellte sich ihnen eine größere Gruppe Männer und Frauen entgegen: „Verschwindet! Wir werden euch unsere Heimat nicht überlassen.“ Murrend blickte Metos zu ihren Gegnern und dann zu Verentia: „Lassen wir die Dunklen Magier zuerst kämpfen. Dann sehen wir direkt, ob der Aufwand sich überhaupt gelohnt hat.“ Da Verentia sowieso niemals selbst kämpfte, wenn es nicht gerade der Mühe wert war, hatte sie gegen Metos‘ Vorschlag nichts einzuwenden: „Na los! Diener Satans zeigt wie mächtig ihr seid!“ Ein Teil der Dunkelmagier rannte direkt los, ließen dabei Schwerter, Dolche oder Messer aus dunkler Magie erscheinen. Überrascht konnten die Lichtmagier beobachten, wie aus schwarzem Rauch sich Waffen bildeten, scharf und gefährlich. „Schutzschild!“, rief jemand aus den Reihen der Lichtmagier über die Gruppe hinweg. Fast zeitgleich streckten diese die Hände aus, als wollten sie die Angreifer mit bloßen Händen abwehren. Stattdessen rannten diese jedoch gegen eine unsichtbare Wand, schlugen mit ihren Waffen darauf ein und bekamen Unterstützung von den hinteren Magiern, welche mit dunklen Magiekugeln auf das unsichtbare Hindernis schossen. Perniger trat sogar einige Male gegen die mysteriöse Wand vor ihm: „Feiglinge! Kämpft doch wie richtige Männer!“ Tatsächlich waren nur wenige Frauen unter den Lichtmagiern. Es schickte sich einfach nicht für eine Frau in den Kampf zu ziehen. Für den Schutz der Familie war der Mann zuständig, aber nicht jede Frau konnte auf einen Mann an ihrer Seite zurückgreifen. Somit zogen sie es vor selbst zu kämpfen. Gabriel hatte diesen Mut mit der Lichtmagie belohnt. „Wir benutzen unseren Kopf“, entgegnete eine der Frauen auf Pernigers Herausforderung, rührte sich aber keinen Zentimeter vom Fleck. „Klar… den Kopf…“, murmelte Perniger vor sich hin, während er mit der Faust gegen das Schutzschild donnerte, „Wieso eigentlich nicht?“ Er ging einige Schritte zurück und blickte sich um. Nicht dass er das Schutzschild sehen konnte, aber die Magier dahinter und das brachte ihn auf eine Idee. Grinsend lief er an einem Lichtmagier nach dem anderen vorbei, bis er schließlich bei dem letzten angekommen war. Dieser stand links neben einem der Häuser und beäugte Perniger skeptisch. „Schau nicht so, ich geh hier nur spazieren“, scherzte Perniger und folgte der Häuserwand bis zur nächsten Straße. Dort stand kein Lichtmagier mehr, der ihm den Weg versperren würde. Testweise streckte er die Hand aus und fühlte keinen Widerstand. Laut lachend rief er den anderen Dunkelmagiern zu: „Lauft einfach um sie rum! Sie können nicht überall ihre Wände aufstellen!“ „Scheint so, als würde unser kleiner Dieb nicht nur mit Magie kämpfen“, meinte Falx zu den anderen beiden. Wie alle anderen Dämonen hielten sich die drei bisher aus dem Kampf heraus. „Er hat eine ganz schön große Klappe“, entgegnete Verentia, während die Dunkelmagier sich aufteilten und in alle Richtungen ausströmten. „Stellt euch ihnen entgegen“, ertönte erneut eine Stimme aus den Reihen der Lichtmagier. Die Verteidigung wurde fallen gelassen, das Schutzschild löste sich auf, während die Lichtmagier versuchten ihre Gegner abzufangen. Diese hatten selbst keine Waffen und konnten auch ihres Wissens keine aus ihrer Magie erschaffen. Stattdessen attackierten sie mit Lichtmagiekugeln, blendeten ihre Gegner mit reinem Licht oder kämpften gar mit den Fäusten. „Arbeitet im Team“, erklang es erneut aus den Reihen der Lichtmagier, „konzentriert euch mehr auf den Fernkampf.“ Perniger lauerte in einer Nebenstraße, dicht an die Wand geschmiegt, auf seinen nächsten Gegner. Ihm gefiel die Aufregung, der Nervenkitzel, es hatte etwas, wie beim Stehlen. Flink sprang er aus seinem Versteck hervor, nutzte den Überraschungsmoment und stieß den Dolch tief zwischen die Rippen des Lichtmagiers. Schmerzkrümmend brach dieser zusammen, aber er war nicht alleine. Sein Teampartner schoss direkt mit Lichtmagiekugeln auf Perniger, der etwas überrumpelt mehrfach getroffen wurde. Taumelnd versuchte er sich auf den anderen Lichtmagier zu stürzen. In all der Aufregung hatte er ganz vergessen, dass sein Dolch noch in den Rippen des anderen steckte und musste so seine Fäuste für den Angriff spontan nutzen. Weitere Treffer prasselten auf seinem Körper nieder, ehe Perniger zu Boden fiel, wobei er sich schmerzend zusammenzog und schließlich in schwarzem Rauch vor den Augen des Lichtmagiers verschwand. Dieser beugte sich nun zu seinem Kameraden herunter: „Atme ruhig. Ich werde dich heilen.“

    Nachdenklich blickte Verentia zum Schloss des Fürsten. Erneut hatten sie den Kampf verloren. Zwar hatten die Dämonen schließlich noch ein paar Häuser in Brand gesteckt, sowie ein paar Lichtmagier ausgeschaltet, jedoch waren dann die Engel hinabgestiegen. Niemand konnte gegen Licht kämpfen, somit hatten sie sich zurückgezogen. „Ich muss meine Wunden kühlen“, jammerte Perniger, welcher sich über die schmerzenden Stellen rieb, was fast seinen ganzen Körper betraf, „Wenn ihr mich sucht, ich organisiere mir Wasser.“ „Mach was du willst“, kommentierte Falx das nur beiläufig und blickte fragend zu Verentia, „Es sind noch gar nicht alle wieder zurück. Das muss noch nichts heißen.“ Hörbar atmete sie aus: „Ich hatte so gehofft, dass es die Lösung für unser Problem wird, aber jetzt…“ Aus dem Augenwinkel sah Falx noch wie Perniger sich in schwarzem Rauch auflöste und verschwand: „Wir sind gescheitert – ok – aber das ist nicht der Untergang unseres Volkes. Sieh dich um, wir sind noch da. Solange wir leben, werden wir kämpfen. Schließlich sind wir Dämonen.“ „Du hat ja recht“, entgegnete Verentia, „Und ich repräsentiere alle Dämoninnen in diesem Kampf. Ich darf nicht aufgeben und werde es schaffen.“ Lächelnd nickte Falx ihr zu: „So kennen wir die Ehrfürchtige. Immer stolz und kampfbereit.“

    Lichterloh brannten die Häuser auf dem Dorfplatz. Einige Dämonen waren mit anderen normalen Leuten einfach dort aufgetaucht. Im ersten Moment hatte Candidus gedacht, dass es Gefangene waren, Druckmittel oder die Dämonen sie als Schutzschilde nutzen würden, aber nichts von alledem traf zu. Sie nutzten ebenfalls Magie, aber keine leuchtende Magie, sondern dunkle. Die gleiche Magie, welche auch die Dämonen nutzten. Ehe man sich versah, waren die dunklen Magier auf die Bewohner los gegangen und die Dämonen hatten die umliegenden Häuser angezündet. Candidus war zu diesem Zeitpunkt auf dem Marktplatz gewesen und wollte seine Ernte gegen andere Dinge tauschen, so wie es üblich war. Stattdessen fand er sich in einem Kampf wieder. Die Schutzschilde hatten die Angreifer schnell umgangen und griffen mit Schwertern, Dolchen und Messern an. Gabriels Engel kamen schon nach kurzer Zeit zur Hilfe geeilt, aber das Feuer hörte nicht auf zu lodern. „Holt mehr Wasser!“, rief Candidus den anderen Bewohnern zu, die keine Magie besaßen. Er selbst, sowie die anderen Magier versuchten noch immer gemeinsam mit den Engeln, die Angreifer zu vertreiben. Eine kleine Lichtkugel nach der anderen tauchte in ein Element ein und griffen dann permanent die Dämonen und Dunkelmagier an. Candidus attackierte mit Lichtmagiekugeln, blickte sich immer wieder nach seinen Mitstreitern und möglichen Verletzten um: „Nicht nachlassen. Gabriel behütet uns, seine Engel helfen uns. Wir schaffen das.“ Sein starker Glaube an die Fähigkeiten und Gabriel selbst halfen nicht nur ihm, sondern bestärkten auch die anderen Magier. Sie hatten das Licht empfangen, um ihre Liebsten zu schützen und genau das würden sie auch tun. Während die dunklen Magier sich größtenteils auf den Nahkampf konzentrierten, versuchten die Lichtmagier sich von ihnen fern zu halten. Kamen die Dunkelmagier ihnen zu nahe, erzeugten sie konzentriertes Licht, um diese zu blenden und wieder Abstand zu gewinnen. Ihr Glück war es, dass die Dämonen sich tatsächlich im Hintergrund hielten. Allerdings war das Feuer geradezu außer Kontrolle geraten. Die Engel schickten weitere Lichtelfen hinab. Für Candidus und die anderen waren es nur kleine Lichtkugeln, die ihren Weg zum Gegner suchten, dass darin sich eine Art kleines Wesen verbarg, ahnte keiner. Eine Gruppe von Lichtelfen tauchte in die Flammen ein und nahm damit das Element des Feuers an. Gezielt griffen diese die Dunkelmagier an, denn die Engel wussten, dass Dämonen nicht verbrennen konnten. Es würde sie zwar schmerzen, jedoch nicht abschrecken. Die Dunkelmagier schrien jedoch auf, als sie mit den Feuerelfen in Berührung kamen oder warfen sich panisch auf den Boden, wenn ihre Kleidung Feuer fing. Die Hitze des Feuers machte Candidus zu schaffen, während er weiter die Dunkelmagier attackierte. Es wurden weniger. Immer mehr verschwanden einfach in schwarzem Rauch. Die Engel setzten noch einmal nach mit einer neuen Gruppe Lichtelfen, welche erneut ins Feuer eintauchte. Allerdings verließen nicht alle Lichtelfen das Feuer wieder sofort, eine schien zu fehlen. Den Magiern, Dämonen und Dorfbewohnern fiel das gar nicht auf. Viel zu sehr waren sie mit dem eigentlichen Kampf beschäftigt. Ein junger Wolf, etwa im Alter von 20 Jahren, lief unbekleidet aus den Flammen des brennenden Hauses. Er wirkte unverletzt, aber verwirrt. Candidus bemerkte ihn aus dem Augenwinkel: „Bist du verletzt?“ Seltsamer Weise hatte Candidus ihn noch nie dort gesehen, dabei kannten sich alle in dem kleinen Dorf. War er ein Obdachloser, der sich bisher im Dorf versteckt hatte? Es folgte keine Antwort auf Candidus’ Frage. Dieser konnte sich auch nicht groß um ihn kümmern, da er noch immer auf seine eigene Verteidigung achten musste sowie die restlichen Angreifer vertreiben. Der fremde Wolf setzte sich in Bewegung, klopfte sich auf die Brust, als würde er nach Atem ringen und plötzlich schoss ein Feuerstrahl aus seinem Mund, sowie man es sonst von Dämonen nur kannte. Candidus nahm ihn nun natürlich als Gegner war, aber der Fremde schien genauso erschrocken und rannte davon. Kurz überlegte Candidus ihm zu folgen, entschied sich jedoch seine Kameraden nicht im Stich zu lassen.

    Endlich war auch der letzte Dunkelmagier in schwarzem Rauch verschwunden. Kurz darauf zogen sich auch die Dämonen zurück, welche stattdessen in schwarzen Flammen aufgingen. Die Lichtmagier hatten jedoch keine Zeit sich auszuruhen und begann los zu rennen, um mehr Wasser zu holen. Einige Häuser waren bereits verloren, aber es galt die angrenzenden Häuser zu schützen. Die Engel über ihren Köpfen ließen die Lichtelfen verschwinden, ihre Aufgabe war getan. Die hellen Gestalten stiegen nun wieder höher in den Himmel und verschwanden schließlich. Eimer um Eimer wurde aus dem Brunnen nach oben geholt. „Macht schneller!“ „Die Flammen werden einfach nicht kleiner.“ „Wir brauchen mehr Wasser!“ „Das Feuer breitet sich auf die Felder aus!“ Von überall erklangen die Stimmen. Hatten sie den Kampf wirklich gewonnen? Von dem Dorf würde vermutlich nichts als Asche bleiben. Candidus blickte in den Himmel: „Gabriel, bitte, wenn ihr irgendwas tun könnt, dann bitte helft uns.“ Sie würden es unmöglich alleine schaffen über die Flammen Herr zu werden. Zwischen dem ganzen Rauch, welcher zum Himmel zog, schienen sich auch andere Wolken zu bilden. In Candidus keimte ein Hoffnungsschimmer auf: „Regen, bitte lass es regnen.“ Tatsächlich zuckte ein Blitz zwischen den Wolken entlang, es donnerte und dicke Regentropfen ergossen sich in einem wahren Wasserschwall über das Dorf. Die Bewohner blieben stehen, steckten teilweise die Arme aus und ließen den Regen dankbar auf sich hinab prasseln. Es war ein wahres Wunder. Das Feuer erlosch, der Geruch von nasser Asche war überall im Dorf. Viele der Dorfbewohner, welche im Zentrum lebten, hatten alles in den Flammen verloren. Langsam begann der Regen nachzulassen und der Verlust sowie das ganze Ausmaß der Vernichtung wurde den Dorfbewohnern bewusst. Es waren die Überreste eines Schlachtfeldes. Candidus hatte selbst nicht fiel, aber sein Haus stand weiter abseits des Dorfes und war somit verschont geblieben: „Ich kann ein paar Leute aufnehmen bis wir die Häuser wiederaufgebaut haben. Sicher haben auch andere Platz.“ Er blickte sich um, zustimmend nickten einige Leute: „Wer keinen Schlafplatz hat, kommt bei Nachbarn und Freunden unter. Das kriegen wir schon hin.“ Man konnte die Erleichterung der nun Obdachlosen spüren, sie würden nicht elendig auf der Straße sterben.

    Müde blickte Candidus auf sein Feld. Er hatte Glück gehabt und seiner Familie war nichts geschehen. Dennoch machte er sich sorgen, denn die Kämpfe würden sicherlich nicht so bald enden. Sein Leben als Bauer war ihm immer genug gewesen, jetzt nutzte er Magie. Es schien noch immer etwas befremdlich. Schützend hielt er sich den Arm vor Augen, als ein grelles Licht vor ihm auftauchte aus welchen Gabriel erschien: „Ihr habt euch gut geschlagen heute.“ Einen kurzen Moment brauchte Candidus noch, ehe er respektvoll antwortete: „Eure Engel haben uns viel geholfen. Ohne euch, eure Magie, eure Engel… wir wären alle tot. Wir alle sind euch unendlich dankbar.“ „Du hast einen starken Glauben“, bemerkte Gabriel lächelnd, „und die Lichtmagier brauchen einen Anführer. Ich möchte dir die Krähenmagie geben.“ „Ich bin doch nur ein Bauer, ich weiß doch gar nicht, was diese Krähenmagie sein soll. Ihr solltet jemand andern auswählen. Jemanden in einer höheren Position“, protestierte Candidus doch etwas erschrocken über Gabriels Vorschlag. „Es ist eine besondere Magie“, erklärte Gabriel in ruhigem Ton, „Eine stärkere Form der Lichtmagie. Ich habe dieser Magie die Form einer Krähe gegeben, als Symbol der Bindung zwischen Leben und Tod. Außerdem hat die Lichtmagie noch viel mehr Möglichkeiten, als ihr bisher nutzt. Ich denke, du bist der Richtige, um dein Volk, das Volk der Lichtmagier, zu führen.“ „Ich habe keine Ahnung, wie man ein Volk führt“, widersprach er erneut und blickte etwas hilflos zu Gabriel, „So sehr mich euer Angebot auch ehrt.“ Lächelnd hob Gabriel die Hand und legte sie Candidus auf die Brust: „Ich werde dir helfen, du bist nicht alleine. Dein Glaube ist deine größte Stärke. Vergiss das nicht.“ Dann begann Candidus zu leuchten, immer stärker und stärker. Er schloss die Augen, entspannte sich aber schnell, da das Licht sich warm und freundlich anfühlte. Das Licht verschwand in seinem Körper und ein hellgraues Krähensymbol erschien über seinem linken Auge. Es wirkte wie eine Fellzeichnung, ungewöhnlich, aber natürlich. Candidus blickte auf seine Hände und dann unschlüssig zu Gabriel: „Es fühlt sich nicht viel anders an.“ „Deine Kinder sollen es auch bekommen. Wenn du einmal nicht mehr bist, müssen sie sich selbst verteidigen können und ihr Volk führen“, erklärte Gabriel ihm sanft, „Keine Sorge, sie werden es einmal besser beherrschen als du. Sie wachsen damit auf und es wird schnell ein normaler Bestandteil ihres Lebens.“ Candidus drehte sich zu seinem Haus: „In Ordnung, ich werde sie holen. Wartet kurz hier.“ Schnellen Schrittes ging er ins Haus, um seine Tochter und seinen Sohn zu Gabriel zu bringen. Auch wenn ihn die Situation noch überforderte, vertraute er Gabriel vollkommen. Zum Wohle seiner Familie würde er zu dem Anführer werden, denn Gabriel in ihm sah. Die Zweifel musste er beiseiteschieben.

    Erneut zeigte ihm Gabriel, wie er eine Magiekrähe heraufbeschwor. Es war wie eine Lichtmagiekugel, nur dass es die Gestalt einer Krähe annahm und wesentlich konzentrierter war. Bisher hatte Candidus damit erhebliche Probleme. Zwar konnte man einen Hauch von Flügeln erkennen, während er die Magie bündelte und versuchte ihr eine Form zu verleihen, jedoch brauch das Konstrukt jedes Mal wieder zusammen. „Du darfst dich nicht so verkrampfen. Denk an schöne Dinge, die Personen, die dir wichtig sind und lass deine stärkten positiven Gefühle sanft durch deinen Körper gleiten. Es ist wie ein Fluss und am Ende dessen entsteht ein prachtvoller See“, erklärte Gabriel ihm geduldig. Mit tiefen Atemzügen versuchte Candidus sich selbst zu entspannen und nahm einen neuen Versuch in Angriff: „Fließen lassen.“ Konzentriert versuchte er seine tiefsten Gefühle in den Magiefluss umzuwandeln. Statt einer Krähe entstand ein grelles Licht, welches wie ein kurzes, aber sehr starkes Aufblitzen die nähere Umgebung blendete. „Mach eine Pause und übe für dich später weiter. Wenn du es geschafft hast, werde ich wiederkommen und dir zeigen, wie du sie lenkst und noch größer bekommst. Für heute soll das aber reichen“, meinte Gabriel lächelnd, „Du machst das wirklich gut, Candidus. Zerbrich dir nicht so viel den Kopf.“ Nickend, aber etwas geknickt, stimmte Candidus diesem zu: „Vielen Dank für alles. Ich kann das wirklich nicht oft genug sagen.“ „Bevor ich jetzt gehe, Candidus“, begann Gabriel erneut, als wäre ihm noch etwas Wichtiges eingefallen, „Ich werde es alle Lichtmagier wissen lassen, dass du ihr Anführer bist und von mir ausgewählt wurdest. Niemand wird dich in Frage stellen. Das Volk der Lichtmagier soll ein Volk von Beschützern und Bewahrern sein. Ich bin mir sicher, dass du genau das vermitteln wirst.“ Ehe Candidus darauf noch etwas erwidern konnte, verschwand Gabriel im grellen Licht und nichts als eine weiße Feder blieb, welche sich ebenfalls auflöste. „Ich soll eine Pause machen…“, seufzte er und ging zu seinem Haus, „Wie soll ich mich denn mit all diesen Dingen im Kopf entspannen?“

    Es waren inzwischen einige Monate vergangen seit dem Candidus die Krähenmagie von Gabriel erhalten hatte. Mit viel Übung konnte er schließlich diese auch meistern. Die Häuser des Dorfes waren zum Großteil wiederaufgebaut worden, allerdings hatten sie zwischenzeitlich immer wieder einige Rückschläge durch den Angriff der Dämonen und Dunkelmagier. Candidus hatte begonnen die Lichtmagier besser einzuteilen, dabei hatte er drei Gruppen gebildet. Die beiden größten Gruppen bestanden einmal aus den Lichtmagiern, die sich auf die Verteidigung spezialisierten und somit das Schutzschild versuchten optimal einzusetzen. Zum anderen gab es die Gruppe der Magier, die in den direkten Nah- oder Fernkampf gingen. Diese spezialisierten sich auf die Angriffsmagie, Geschwindigkeit und Strategie. Neben diesen beiden größeren Gruppen gab es die Gruppe der Heiler. Sie konzentrierten sich darauf die Verletzten zu versorgen und Krankheiten vorzubeugen oder zu bekämpfen. Diese neue Aufteilung hatte sich schon nach kurzem sehr bewährt. Gut verteilt schafften es die Lichtmagier sogar den Großteil des Dorfes durch einen riesigen Schutzschild zu schützen. Somit wurden die Kämpfe im äußeren Bereich ausgetragen und die Nichtmagier konnten sich so im Dorfinneren in Sicherheit bringen. „Habt ihr alles?“, vergewisserte sich Candidus erneut bei seiner Frau und den Kindern. Nachdem er erfolgreich das Dorf zu seinem sichereren Ort gemacht hatte, wollte er nun weiter ziehen zu anderen Dörfern und Städten. Er hatte das Gefühl, dass Gabriel so etwas erwartete, damit er überall die Lichtmagier unterstützen konnte. Von ihnen hing es schließlich ab, ob sie vom Fürsten der Finsternis unterworfen werden würden oder ob sie hoffentlich in eine Zukunft gingen, die ihnen allen Frieden brachte. „Wir können los“, bestätigte ihm seine Frau, „Ich hoffe, wir bereuen diesen Entschluss nicht.“ „Gabriel wird mit uns sein“, entgegnete Candidus und blickte dann in den Himmel, „Er wacht über uns alle.“

    Voller Dreck und Asche stand Perniger vor dem Erdloch in welchem er seine Schätze versteckte. Immer und immer wieder griff er in seine Tasche und holte neue Goldstücke hervor, die er hinabfallen ließ. Fröhlich grinste er in sich hinein: „Wenn ich so weiter mache, brauche ich bald ein größeres Loch.“ Durch die vielen Kämpfe mit den Lichtmagiern in den letzten Monaten hatte er es immer schwieriger in einigen Orten dort Geld auszugeben, da man ihn als Dunkelmagier erkannte und direkt angriff. Daher achtete er immer mehr darauf nur noch Orte aufzusuchen, in denen er noch keinen Angriff mitgemacht hatte. Immer wieder blickte er sich um, ob nicht doch jemand in den Wald kommen würde und sein Versteck entdeckte. Schließlich könnte man das Klimpern der Goldmünzen noch ein Stück weiter hören. Perniger würde dann auch nicht davor zurück schrecken den ungebetenen Gast zu töten. „Noch einmal“, sprach Perniger zu sich selbst und griff erneut in seine Taschen, um eine weitere Ladung Goldmünzen hervor zu holen. Diese ließ er ebenfalls in sein Schatzloch fallen, ehe er zu seiner Schaufel griff und dieses Stück für Stück wieder mit Erde zuschüttete. Sicherlich hätte er sich davon ein Haus kaufen können, gut leben können und dennoch weiterhin in Satans Diensten stehen, jedoch hatte Perniger zu viel Angst, dass er selbst bestohlen werden würde. Daher zog er es vor seinen Schatz weiterhin zu vergraben und immer mal wieder zu mehren.

    Glücklicher Weise war Damons Bein gut verheilt, aber daran hatte er auch niemals gezweifelt. Dämonen waren da ziemlich resistent und ihr Körper heilte gut, meist ohne bleibende Schäden zu hinterlassen. Da Damon keine offene Wunde gehabt hatte, war auch keine Narbe zu sehen. Gerade war Damon auf Portunus unterwegs, lief über eine weite Ebene und wusste nicht so genau wohin er eigentlich wollte. Dimicatio war wieder zu seinem sogenannten Schattentor zurückgekehrt. Auf seine Unterstützung brauchte er nicht zu warten. Die meiste Zeit war Damon in der Wüste auf dem Kontinent Fidius unterwegs gewesen. Da er wie die meisten Dämonen weder Wasser noch Nahrung brauchte, hatte es auch keine Eile gehabt. Wäre er ein Blutdämon, hätte er auf die Blutspende eines anderen Dämons hoffen oder aber schnellstmöglich eine der wenigen Wüstenstädte und -dörfer der Sterblichen erreichen müssen. Doch Damons Fähigkeit war die Wiedergeburt. Noch immer wusste er nichts davon, dass Satan die Dämonen nicht getötet, sondern nur versklavt hatte. Damon blieb verwundert stehen und blickte zu dem Dorf, welches sich unweit von ihm befand. Rauchschwaden stiegen empor und färbten den Himmel schwarz. Die Sonne stand bereits tief, welches dazu führte, dass Damon nicht gleich erkannte, dass die Flammen in dem Dorf ebenfalls pechschwarz und nicht rötlich-orange waren. Dennoch hatte seine feine Dämonennase den Geruch eines anderen Dämons aufgefangen. Er glaubte nicht, dass es Dimicatio wäre. Dessen Geruch war auch eher mild und leicht im Gegensatz zu den meisten Dämonen. Dieser Geruch wirkte schwer und hatte die starke Anhaftung von Asche, welches jedoch durch das Feuer kommen konnte. Entschlossen dem nachzugehen lief Damon auf das brennende Dorf zu. Vielleicht hatte noch ein Dämon überlebt, aber was würde dieser in einem Dorf machen? Ein Blutdämon auf Nahrungssuche? Hatte er das Feuer verursacht? Warum? Es erschien überhaupt keinen Sinn zu machen. Als er das Dorf erreichte, bot sich ihm ein fragwürdiger Anblick. Zwischen den Flammen der Häuser kämpften Sterbliche, welche mit Kugeln aus Licht die Dämonen angriffen. Auf anderer Seite die Dämonen, welche nur halbherzig kämpften, unterstützt von weiteren Sterblichen die dunkle Magie beherrschten. Damon verstand die Welt nicht mehr. Er fühlte Erleichterung darüber, dass noch Dämonen lebten, Verwunderung über das, was da geschah und Entsetzen über die Magie, welche auf einmal Sterbliche benutzen konnten. Es schwankte zwischen Glück über die überlebenden Dämonen und Verzweiflung über das, was er mit seiner verrückten Idee angerichtet hatte.
    Cornix cornici oculos non effodit. - Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.